Taras Borodajkewycz (I): „Als Nationalsozialist bekannt“

Für Taras Borodajkewycz, den Professor für Sozial-und Wirtschaftsgeschichte an der Hochschule für Welthandel, gab es in seinem Leben zwei größte Tage: die Krönung von Papst Pius XII. und Hitlers Rede auf dem Heldenplatz. Durch die Mitschriften des sozialistischen Studenten Ferdinand Lacina Anfang der 1960er Jahre wurde das Gedankengut, das der Professor in seinen Vorlesungen verbreitete, allmählich publik und aus dem von Studierenden Bejubelten allmählich eine Affäre.

Es dauerte Jahre, bis die österreichische Öffentlichkeit zur Kenntnis nahm, dass an der Hochschule für Welthandel (jetzt: Wirtschaftsuniversität Wien) ein rabiater Antisemit und Antidemokrat unterrichtete – übrigens bei weitem nicht der einzige Rechtsextreme an dieser Universität, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Bordajkewycz, 1902 in der Ukraine geboren, wuchs in Baden bei Wien auf, studierte zunächst Theologie, wechselte dann zum Studium der Geschichte und wurde Assistent des deutschvölkischen Historikers und Burschenschafters Heinrich von Srbik (während der NS-Ära Mitglied des „Großdeutschen Reichstags“). 1933 wurde Borodajkewycz Sekretär des Katholikentages und erhielt dafür einen päpstlichen Orden. Schon 1934 aber, nach der Machtergreifung durch die Austrofaschisten, trat er der illegalen NSDAP bei, ließ sich aber auch von der ‚Vaterländischen Front‘ seine politische Unbedenklichkeit bescheinigen. Seinen Brotjob als Staatsbeamter bzw. Staatsarchivar am Haus-,Hof- und Staatsarchiv verdankte er natürlich den Christlich-Sozialen und vermutlich auch seiner Mitgliedschaft im Cartellverband (CV).

Im Geheimen aber war er überzeugter Nationalsozialist, wie er in seinem Personal-Fragebogen der NSDAP aus dem Jahr 1938, über den seine illegale Mitgliedschaft in eine offizielle umgewandelt wurde, stolz bemerkte:

„Meine Privatwohnung der Stabsführung der Wiener SA für ihre Sitzung zur Verfügung gestellt. Ich schrieb in meiner Wohnung Gutachten für die illegale Landeslietung. (…) Ebenso wurden mir Organisationspläne der Wiener SA, ihre Abrechnungen sowie Akten (…) zur Verwahrung anvertraut. (…) Meine wissenschaftl. Arbeiten u. Vorträge dienten der Idee des Nationalsozialismus u. wurden deshalb in der Systempresse, sogar in französischen Zeitschriften heftig angegriffen.“


Taras Borodajkewycz

Das Personalamt der NSDAP Wien war auch zunächst sehr zufrieden mit Borodajkewycz:

„B. ist als Nationalsozialist bekannt. Er verkehrte zwar viel mit Priestern, doch dürfte dies darauf zurückzuführen sein, daß er ehemals dem Klerus angehörte.“

Während der Nazi-Zeit verfasste Borodajkewycz Jubelschriften für die Nazis, wie z.B. „Marksteine der Bewegung. Die Parteitage der NSDAP“ mit so schwulstigen Sätzen wie:

„Aus der Nacht und dem Chaos des größten Niederbruches der deutschen Geschichte erhebt sich das Morgenrot des Dritten Reiches, Großdeutschlands. (…) Es folgte die letzte und bisher größte Periode in der durch die Parteitage markierten Geschichte der Bewegung, des Volkes und des Reiches: 1938, das glückliche Jahr der Deutschen, das als unser stärkstes Erlebnis den Sieg der nationalsozialistischen Revolution in Österreich und die Befreiung Sudetendeutschlands brachte.“

1943 dann eine Zäsur: Borodajkewycz, von den Nazis mit einer Professur in Prag belohnt, war offensichtlich unvorsichtig gewesen und hatte mehrmals Bemerkungen gemacht, wonach der Krieg für Deutschland nicht mehr zu gewinnen sei. Für die Verfechter des Endsiegs eine schwere Verfehlung: Parteiausschluss.

Nach 1945 wird Borodajkewycz bei passender Gelegenheit immer wieder an diesen Parteiausschluss erinnern, um sich als ein Opfer des Nationalsozialismus darzustellen. Seine Berufung gegen den Parteiausschluss wird er dabei vergessen und auch, dass die NSDAP seiner Berufung stattgegeben und sie in eine Verwarnung umgewandelt hat.

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