Braunau / Ried i.Innkreis (OÖ): Aufmarsch vor Hitlers Geburtshaus

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Hit­lers Geburts­haus in Braunau/Inn ist immer noch Anzie­hungs­punkt für tum­be Neo­na­zis: ein Foto, am bes­ten mit der erho­be­nen Rech­ten, dient als Beleg für Gesin­nung und Mut. Am Mon­tag, 23.3., stand ein deut­scher Staats­bür­ger aus Mün­chen als Ange­klag­ter vor dem Lan­des­ge­richt Ried im Inn­kreis. Er war am 20.April 2014 zu Hit­lers Geburts­tag in Brau­nau auf­mar­schiert.

Es war eine Grup­pe von rund 20 Per­so­nen, erklär­te der Belas­tungs­zeu­ge, inner­halb der der Ange­klag­te dadurch auf­fiel, dass er den rech­ten Arm hoch­streck­te zum ‚Deut­schen Gruß‘ und dazu auch noch „Heil Hit­ler“ und „Heil dem Füh­rer“ brüll­te. Der Zeu­ge ver­stän­dig­te die Poli­zei. „Ich bin, was die NS-Zeit betrifft, auf­grund mei­ner fami­liä­ren Vor­ge­schich­te sehr emp­find­lich. Man­che schei­nen ein­fach nichts aus der Geschich­te gelernt zu haben“, erklär­te er dem Gericht, berich­tet die OÖN.

Der wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung Ange­klag­te (33) gab zwar zu , dass sein Freund, mit dem er vor Hit­lers Geburts­haus auf­mar­schiert war, ein Rech­ter sei, der – so ein Zufall! – am glei­chen Tag wie Hit­ler Geburts­tag habe, bestritt aber für sich jeg­li­che Nazi-Gesinnung.

Die OÖN dazu:

„Dass sein Bekann­ter mit ihm und einer Freun­din nach Brau­nau gefah­ren sei, habe ihn über­rascht. Noch ver­wun­der­ter sei er gewe­sen, als sich auf dem Park­platz in der Nähe des Hit­ler­hau­ses noch wei­te­re Per­so­nen zu ihnen gesellt hät­ten. „Ich habe nicht gewusst, wo das Hit­ler­haus steht. Wir haben uns dann auch nicht zu den ande­ren gestellt, son­dern blie­ben etwas abseits. Wenn wir das vor­her gewusst hät­ten, dann wären wir gleich wie­der von Frei­las­sing mit dem Zug zurück nach Mün­chen gefah­ren”, so der Ange­klag­te, der sich nicht erklä­ren kann, wes­halb das Hit­ler­haus noch steht. „Ich dach­te, das Haus sei längst abge­ris­sen wor­den. Mei­ner Mei­nung wäre es am ver­nünf­tigs­ten, das Haus in die Luft zu jagen.”“

Der Freund des Ange­klag­ten war zwar als Zeu­ge gela­den, aber nicht vor Gericht erschie­nen. Der vor­sit­zen­de Rich­ter dürf­te mit der Arbeit der ermit­teln­den Poli­zei nicht zufrie­den gewe­sen sein, denn er frag­te den Poli­zis­ten im Zeu­gen­stand: „Sind die Ermitt­lun­gen wie in die­sem Fall Stan­dard bei Ver­ge­hen nach dem Ver­bots­ge­setz?“. – Der blieb eine Ant­wort schuldig.

Ver­mut­lich haben die diver­gie­ren­den Aus­sa­gen des Belas­tungs­zeu­gen und des Poli­zis­ten über die Hemd­far­be des Ange­klag­ten und die Haar­far­be sei­ner Freun­din, die Geschwo­re­nen dazu bewo­gen, auf Frei­spruch zu plä­die­ren. Der Staats­an­walt gab noch kei­ne Erklä­rung ab, das Urteil ist daher — noch — nicht rechtskräftig.

In Brau­nau kommt es immer wie­der zu Nazi-Wall­fahr­ten zu Hit­lers Geburts­haus. Ver­mut­lich dürf­te es sich bei der Grup­pe um sol­che Wall­fah­rer gehan­delt haben. War­um es die Poli­zei nicht schafft, zumin­dest an die­sem Tage offe­ne Nazi-Mani­fes­ta­tio­nen zu unter­bin­den, bleibt ein Rät­sel. Aber natür­lich pil­gern auch zu nor­ma­len Tagen Nazis vor das Haus.


Hit­lers Geburts­haus, gern besucht. 
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Unver­ges­sen blei­ben wohl jene Ost­ti­ro­ler Neo­na­zis, die 2003 zu Hit­lers Geburts­haus pil­ger­ten, vor lau­ter Ergrif­fen­heit dann aber in den Zug nach Linz ein­stie­gen statt in den zurück nach Lienz.

Aber auch Neo­na­zis aus der Regi­on posie­ren ger­ne vor Hit­lers Geburtshaus.