Braune Weinbrüder

Wikipedia hat zwar einen Eintrag zu ‚Weinbruderschaft‘, in dem sogar einige österreichische Weinbruderschaften aufgeführt sind, aber die ‚KulinArische Weinbruderschaft‘ mit Vereinssitz in Retz fehlt. Wie der „Kurier“ berichtet, hat der Rechtsextremismus-Experte Bernhard Weidinger auf die seltsame Bruderschaft aufmerksam gemacht.

Die Weinbruderschaft bezeichnet sich auf ihrer Homepage als „KulinArische“. Das ist kein Versehen und auch keine Persiflage auf das Binnen I, wie einer der Vereinsgründer, Hans Weinzettl, glauben machen will. Weinzettl war bis in die 90er Jahre Mitglied der deutschen Burschenschaft Albia. Dort wurde er ausgeschlossen, weil er den ethischen Grundsätzen nicht entsprochen hat, berichtet der „Kurier“ . Derartige Ausschlüsse sind bei den Burschenschaften äußerst selten und nur bei schwerwiegenden Regelverstößen vorgesehen. Eine Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut will Weinzettl bei der „KulinArischen Weinbruderschaft“ dennoch nicht erkennen. Es gehe ihr vor allem um „Gutes Essen,Gutes Trinken und gutes Rauchen“, erklärte er dem‘ Kurier‘.

Offensichtlich aber auch um „Gutes Schießen“. Im Juni wird gemeinsam mit der ‚Interessengemeinschaft Liberales Waffenrecht‘ und der ‚Schützengilde Langau‘ zur Schießveranstaltung „In armis“ geladen und dabei wird so ziemlich aus allen Rohren gefeuert: Kleinkaliber, Großkaliber, Karabiner, Faustfeuerwaffen und Tontaubenschießen steht am Programm. Die Veranstaltung „findet in Couleur statt“ – damit wird noch ganz dezent darauf hingewiesen, dass nur Korporierte, ihre „Damen“ und „Gäste“ erwartet werden.

Ursprünglich haben die Vereinsgründer versucht, den Verein als “Arische Weinbruderschaft“ bei der Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn anzumelden, schreibt der ‚Kurier‘. „Erst nach Intervention der Behörde“ (Kurier) habe man den Namen auf „Kulinarische Weinbruderschaft“ geändert. Im Logo der braunen Brüder, das man sich von ihrer Webseite herunterladen kann, bezeichnen sie sich allerdings als „Arische Weinbruderschaft“ .

Johannes Widmayer, der – so wie Weinzettl – im Vereinsregister noch immer als Gründer eingetragen ist, erklärt das „arisch“ so: “weil wir uns auf Wein aus unserer Region, dem Kamptal, aber auch der Pfalz und dem Rheinland und beim Fleisch auf nicht geschächtetes beschränken“ (Kurier).

Widmayer ist Zahnarzt in Retz, Mitglied der Ferialverbindung deutscher Hochschüler Waldmark – wie Volksanwalt Fichtenbauer, und hat für die FPÖ in Gars/Kamp bei den Gemeinderatswahlen 2010 kandidiert. Damit ist wohl alles klar!