Eisenstadt: FPÖ-Politiker wegen schwerer Körperverletzung verurteilt

Es war eine sehr bru­tale Tat. Am 31. Okto­ber 2014 nimmt der stel­lvertre­tende Bezirksparteiob­mann von Ober­pul­len­dorf ein Gewehr in die Hand, zielt und schießt. Eine 13-jährige Schü­lerin wird getrof­fen und von dem Bleigeschoß schw­er ver­let­zt. Gestern fand der Prozess wegen schw­er­er Kör­per­ver­let­zung in Eisen­stadt statt.

Geleit­et wurde der Prozess von einem Richter, der früher selb­st bei der FPÖ als deren Lan­des­ob­mann und Land­tagsab­ge­ord­neter aktiv war – und so trafen sich zwei FPÖ-Ex-Poli­tik­er bei der Ver­hand­lung in Eisen­stadt: der eine agierte als Richter, der andere als Angeklagter.

Die Schü­lerin, die da am 31. Okto­ber des Vor­jahres schw­erst ver­let­zt wurde, lei­det noch immer an den Fol­gen des Schuss- Atten­tats. Damals war sie im Rah­men ein­er Gruppe von Jugendlichen unter­wegs, die Hal­loween feierten „Keineswegs laut oder ander­weit­ig Hal­loween-lastig, wie auch der Angeklagte zugab“ (Der Stan­dard, 4.3.2015). Der hielt sich damals ger­ade im Haus seines Halb­brud­ers in Großhöflein auf, wo man laut ‚Stan­dard‘ „ das eine oder andere Glaserl trank“ und mit einem Kleinkalibergewehr herum­schoss. Zunächst war es eine Red­bull-Dose, auch Straßen­later­nen wur­den unter Beschuss genom­men, dann kam der Angeklagte auf die Idee “Jet­zt brenn i an ane auf“.


Tat­too von FPÖ-Ex-Poli­tik­er Oliv­er L.; © Face­book
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Erst Wochen nach dem Schus­sat­ten­tat wurde bekan­nt, dass es sich bei dem Täter um einen amtieren­den FPÖ-Poli­tik­er aus Wep­pers­dorf han­delt: stel­lvertre­tender Bezirksparteiob­mann war er, hat­te 2013 auch für die Nation­al­ratswahlen auf der FPÖ-Liste kan­di­diert und war auch für die Land­tagswahlen 2015 vorge­se­hen. Der bur­gen­ländis­che Lan­desparteiob­mann Tschürtz zögerte zunächst mit einem Auss­chluss aus der Partei und war der Mei­n­ung, dass es aus­re­ichend sei, wenn Oliv­er L. seine Funk­tio­nen ruhend stelle . Schließlich han­delt es sich bei der Fam­i­lie des Angeklagten um blaues Stammgeblüt.

Ach ja, von Tschürtz stammt auch der passende Satz: „Wir sind die einzige Land­tagspartei, der die Sicher­heit der Bürg­er ein ehrlich­es Anliegen ist“. Tschürtz änderte seine Hal­tung bin­nen Stun­den und schloss den Angeklagten aus der Partei aus: „Abhängig vom Aus­gang eines Gerichtsver­fahrens könne es für ihn auch die Möglichkeit geben, wieder einen Antrag auf Auf­nahme zu stellen“, erk­lärte er damals auch noch.

Beson­dere Eile beim Wieder­auf­nah­meantrag ist nicht geboten. 21 Monate, davon sieben Monate unbe­d­ingt, war das Strafaus­maß, das der Ex-FPÖ-Richter dem Ex-FPÖ-Bezirsparteiob­mannstel­lvertreter verkündete.

Wep­pers­dorf (Bgld): FPÖ-Poli­tik­er als Sniper?