Schärding / Ried (OÖ): Betätigt sich der Wiederbetätiger weiter?

Ob er bei der Pegi­da-Kundge­bung in Linz dabei sein wird? Ver­mut­lich nicht – so kurz nach dem Urteil wegen NS-Wieder­betä­ti­gung wäre es doch nicht passend. Aber ist es passend, wenn ein­er, der ger­ade nach dem Ver­bots­ge­setz zu 6 Monat­en bed­ingt verurteilt wurde, auf sein­er Face­book-Seite nach wie vor für Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und die Nazi-Musik-Grup­pen „Landser“ und „Sleip­nir“ Stim­mung macht?


Auf der FB-Seite nach wie vor „Mein Kampf”
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Vor einem Geschwore­nen­gericht in Ried im Innkreis musste sich der Innviertler (21) ver­ant­worten, weil er im Okto­ber 2013 einen Aus­län­der vor einem Schärdinger Lokal unter anderem mit „Scheiß Aus­län­der“ und „Heil Hitler“ angeschrien hat, bericht­en die „Oberöster­re­ichis­chen Nachricht­en“. Die Anklage wirft ihm noch weit­ere Vor­fälle in dieser Qual­ität vor – wenn er einen Aus­län­der iden­ti­fiziert hat­te, dann gab’s die zitierten Sprüche und auch den Hitler-Gruß. Auch seine Fre­undin, die als Zeu­g­in ein­ver­nom­men wurde, bestätigt das:

„Er ist oft sehr böse gewor­den. Nicht nur zu mir, son­dern vor allem gegenüber aus­ländis­chen Mit­men­schen“ erzählt sie dem Gericht und: „Ich habe mich eh gewun­dert, dass bish­er noch nie jemand Anzeige erstat­tet hat­te“.


Auf der FB-Seite nach wie vor Wer­bung für die Nazi-Bands Sleip­nir und Landser
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Vor Gericht zeigt er zunächst ein­mal so wenig Schuldein­sicht, dass sog­ar sein Vertei­di­ger grantig wird:

„Hören Sie bitte auf, hier herumzueiern. Ich muss für Sie hier die Kurve kratzen. Ihre Fre­undin hat bei der Polizei sehr detail­lierte Aus­sagen gemacht. Sie haben doch vor dem Prozess noch ganz anders zu mir gesagt und waren voll geständig. Irgendw­er lügt dann“.

Aber der Innviertler bleibt bis fast zum Schluss ver­stockt: den Hit­ler­gruß will er nur vom Fernse­hen ken­nen und als ‚ Rechter‘ will er sich auch nicht beze­ich­nen, weil er ja sog­ar einen türkischen Bekan­nten hat….. – Früher ein­mal war es ein Jude oder eine jüdis­che Fam­i­lie, die jed­er Nazi im Reper­toire hat­te, um nicht als doofer Het­zer dazuste­hen, jet­zt ist es der Türke in der Bekan­ntschaft oder der Türkei-Urlaub, der einen vor der Klas­si­fizierung als Ras­sist schützen soll.

Auch vom „Ver­bren­nen und Ver­gasen“ habe der Angeklagte gesprochen, gibt die Fre­undin zu Pro­tokoll. Als der dann behauptet, dass diese Aus­sagen für ihn eher keinen Bezug zur NS Zeit hät­ten, reicht es dem Richter: “Das ist jet­zt nicht Ihr Ernst. Sind Sie über­haupt zurech­nungs­fähig, wenn Sie so etwas sagen oder brauchen wir ein Gutachten?“

Zum Gutacht­en kam es dann doch nicht: ein umfassendes Geständ­nis in aller­let­zter Minute und die Aus­sage sein­er Fre­undin, wonach es in den let­zten Monat­en zu keinen ähn­lichen Vor­fällen gekom­men sei, ver­hin­dern zwar nicht den Schuld­spruch, ver­helfen aber zu einem milden Straf­maß. Die sechs Monate bed­ingt sind auch bere­its rechtskräftig.

Der Richter hat ja eigentlich recht, wenn er an den Angeklagten appel­liert: „Mit diesem Urteil ver­bauen wir ihnen nicht Ihre Zukun­ft, ein Arbeit­slos­er mehr bringt auch nie­man­dem etwas. Nutzen Sie die Chance“ (OÖN).

Aber ver­ste­ht der auch die Botschaft bzw. reicht so ein Appell? Auf seinem FB-Pro­fil gibt er sich als erbärm­lich prim­i­tiv gestrick­ter Vertreter des männlichen Geschlechts zu erken­nen: ihm gefall­en nach wie vor Autos, Autos, Autos und Fick­en, Fick­en, Fick­en, HC Stra­che und Chris­t­ian Höbart (ver­mut­lich hat ihn dessen „Höhlenmenschen“-Botschaft beson­ders ange­sprochen), „Islamisierung — nein danke!“ und – wie schon erwäh­nt – ‚Landser‘, ‚Sleip­nir‘ und Hitlers ‚Mein Kampf‘.