Das blaue Gold (I)

Die Schweiz­er Stimm­bürg­erIn­nen haben der Volksini­tia­tive „Ret­tet unser Schweiz­er Gold“, die von der recht­en Schweiz­erischen Volkspartei (SVP) lanciert wor­den ist, in der Volksab­stim­mung am 30. 11. eine klare Absage erteilt. Auch die FPÖ ver­sucht sich seit ger­aumer Zeit als Ret­terin des heimis­chen Goldes. Wem nützt das?

Die Volksini­tia­tive der SVP, mit der eine mas­sive Erhöhung der Gold­deck­ung des Schweiz­er Frankens gefordert wurde, ist von den Stimm­bürg­erIn­nen der Schweiz mit mehr als 77 % der Stim­men abgelehnt wor­den. Die Ini­tia­tive forderte, dass in Zukunft

  • die Gol­dreser­ven der Schweiz unverkäu­flich sind
  • die Gol­dreser­ven in der Schweiz gelagert wer­den müssen
  • die Goldan­teile an den Akti­va der Schweiz­erischen Nation­al­bank (SNB) 20 Prozent nicht unter­schre­it­en dürfen.
  • Der let­zte Punkt hätte bedeutet, dass die SNB in einem sehr kurzen Zeitraum mas­sive Gold­käufe hätte täti­gen müssen. Der Effekt wäre ein deut­lich höher­er Gold­preis gewe­sen. Da aber die SNB seit Jahren ( wohl auch in den näch­sten) zur Abwehr ein­er Franke­naufw­er­tung gegenüber dem Euro Mil­liar­den Euro ankauft, müsste sie auch diese zusät­zliche Erhöhung der Akti­va durch weit­ere zusät­zliche Gold­käufe abdeck­en oder das Ziel der Abwehr der Franke­naufw­er­tung aufgeben.

    Das Resul­tat: alle, die in eine Aufw­er­tung von Gold spekulieren und/oder in eine Aufw­er­tung des Schweiz­er Franken, hät­ten erhe­bliche Gewinne ver­buchen kön­nen. So ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass in den ersten Tagen nach der Volksab­stim­mung der Gold­kurs gesunken ist. Von ein­er Annahme der Volksini­tia­tive hät­ten aber nicht nur die Speku­lanten prof­i­tiert, son­dern auch Rus­s­land, das seit ger­aumer Zeit als mas­siv­er Käufer von Gold aufge­treten ist. Der Wert des rus­sis­chen Goldes wäre so deut­lich gestiegen – in ein­er Zeit, wo Öl und Rubel mas­siv ver­lieren, nicht unwichtig.

    Weit­ge­hend unbeachtet blieb bish­er, dass auch die FPÖ ähn­liche Ziele bezüglich Gold ver­tritt wie die Schweiz­erische Volksini­tia­tive. Das gesteigerte Inter­esse der FPÖ an Gold ist ziem­lich neu. Bis zum Jahr 2012 gab es kaum ein Inter­esse der FPÖ am Gold der Nation­al­bank, sieht man von den par­la­men­tarischen Ini­tia­tiv­en des FPÖ-Abge­ord­neten Ger­hard Deimek ab, der seit Ende 2009 immer wieder Anfra­gen stellte, die zunächst vom Finanzmin­is­teri­um weit­ge­hend ignori­ert wurden.

    2012 wurde dann im April von „unzensuriert.at“ und Ger­hard Deimek gemein­sam die Peti­tion „Ret­tet unser öster­re­ichis­ches Gold“ aus der Taufe gehoben. Der Anklang an die Schweiz­erische Ini­tia­tive, die 2011 ges­tartet wurde, ist nicht zufäl­lig. Auch die Forderun­gen sind teil­weise ident, in der öster­re­ichis­chen Vari­ante in ihrer Wirkung allerd­ings deut­lich abgeschwächt:

  • Lagerung auss­chließlich in Österreich
  • Sofor­tiger Stopp von Goldverkäufen
  • Kein Zugriff auf unser Gold durch die EU
  • Trans­parenz für die Nationalbank
  • Die bei der Schweiz­erischen Ini­tia­tive so wichtige Forderung nach ein­er 20-prozenti­gen Deck­ung der Akti­va der Nation­al­bank durch Gold fehlt.


    Deimek als Rhein­tochter Floßhilde, die Hüterin des Schatzes?
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    Am Parteitag der FPÖ im Dezem­ber 2013 wurde dafür die Forderung nach Gold­deck­ung um so wuchtiger gestellt. In einem Antrag wurde der Aus­tritt aus dem Euro, die Wiedere­in­führung des Schilling und dessen voll­ständi­ge, also 100-prozentige (!!) Deck­ung durch Gold und Sil­ber, gefordert. Der Antrag wurde nicht abges­timmt, son­dern an den Bun­desparteivor­stand delegiert, sprich: verräumt.

    Stra­che selb­st hat­te zuvor die Forderung in der abgeschwächt­en schweiz­erischen Vari­ante erhoben: „Neben der inländis­chen Lagerung brachte jüngst FPÖ-Bun­desparteiob­mann HC Stra­che die Forderung nach ein­er zwanzig­prozenti­gen Gold­deck­ung ins Spiel“, heißt es in ein­er Presseaussendung der FPÖ vom 24. Sep­tem­ber 2013.

    Egal, ob 20 oder 100 Prozent Deck­ung durch Gold, Sil­ber und vielle­icht auch noch andere Edel­met­alle für Euro oder gar Schilling, die Forderung ist nicht nur völ­lig retro, son­dern auch ökonomis­ch­er Irrsinn.

    Sie entspricht aber in allen Vari­anten ein­er blauen Gemen­ge­lage, die gespeist wird von Sehn­sücht­en nach ein­er irrealen heilen Welt („mit dem Schilling war alles bess­er“), der blauen Anti-EU-Hal­tung und dif­fusen Ver­schwörungs­the­o­rien, die rund um Gold beson­ders üppig sprießen.

    Ein unmit­tel­bares ökonomis­ches Inter­esse am Geschäft mit Gold — so wie bei der recht­sex­tremen Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD), die mit Gold han­delt und an ihm ver­di­ent — ist bei der FPÖ nicht auszu­machen. Denkbar ist, dass in der Umge­bung der FPÖ mit der Panik um Gold auch Geld gemacht wird. Etwa durch den Unter­gangs- und Gold­propheten Wal­ter Eichel­burg, der mit dem Steyr­er FPÖ- Gemein­der­at Kurt Lindl­gru­ber oder mit der Inter­net­pos­tille „unzensuriert.at“ passende Ver­bün­dete gefun­den hat.