Wels (OÖ): Objekt 21 – Obernazis neuerlich verurteilt

Die Haft­strafen für die bei­den Ban­denchefs der Neon­azi-Truppe vom Objekt 21 sum­mieren sich. Nach­dem Jür­gen W. (30) bere­its zu sechs und Manuel S. (33) zu vier Jahren Haft wegen NS-Wieder­betä­ti­gung verurteilt wor­den waren, haben sie gestern weit­ere sechs Jahre und neun Monate bzw. vier Jahre und acht Monate Haft für diverse andere krim­inelle Delik­te ausgefasst.

Mit dem Urteil gegen den informellen Boss von Objekt 21, Jür­gen W. alias „Suben Kna­ki“ bzw. „Otto Ernst Remer“, und gegen den formellen Boss des Vere­ins, Manuel S. alias „Speedy“ wurde eine weit­ere Etappe in der strafrechtlichen Auseinan­der­set­zung mit der Neon­azi-Truppe abgeschlossen. Lei­der weit­ge­hend ohne Öffentlichkeit, denn der auf acht Tage anber­aumte Prozess fand nur bei der Eröff­nung und zum Abschluss medi­ale Beachtung.

Die Angeklagten bekan­nten sich schon zu Beginn des Prozess­es teil­weise schuldig im Sinn der Anklage, die sich, so „Öster­re­ich“, wie ein hal­ber Rundgang durch das Strafge­set­zbuch las. Das bedeutete aber nur, dass sie jene Straftat­en, die schon zuvor mit anderen Tat­beteiligten abge­han­delt und abgeurteilt wor­den waren, nicht bestrit­ten – alles andere aber schon.


„Otto Ernst Remer” und die Hakenkreuze

Das fiel ihnen auch deshalb nicht schw­er, weil sich ein wichtiger Belas­tungszeuge, der zuvor in den polizeilichen Ein­ver­nah­men die bei­den schw­er belastet hat­te, vor Gericht an nichts mehr erin­nern kon­nte, „was die bei­den Angeklagten mit einem bre­it­en Grin­sen quit­tierten“ (Öster­re­ich, 20.8.14). Schon im Vor­feld des Prozess­es waren mas­sive Dro­hun­gen gegen Belas­tungszeu­gen bekan­nt gewor­den, aber auch finanzielle Ange­bote. Die bish­eri­gen Gerichtsver­hand­lun­gen fan­den deshalb unter mas­siv­en Sicher­heitsvorkehrun­gen statt.

19 Haft­strafen (bei weit­em nicht alle recht­skräftig) waren bis zu diesem Prozess gegen Objekt 21-Neon­azis ver­hängt wor­den; jet­zt sind es 21. Das sind zwar mehr als unsere Zwis­chen­bi­lanz im April ergeben hat, aber noch immer um etliche weniger als eigentlich angezeigt.

Die bei­den Angeklagten, die in den polizeilichen Ein­ver­nah­men weit­ge­hend jede Schuld geleugnet und sich auch im Prozess wegen NS-Wieder­betä­ti­gung „nicht schuldig“ bekan­nt hat­ten, nah­men dies­mal die Urteile an, nach­dem am vor­let­zten Tag wesentliche Teile der Anklage aus dem Ver­fahren aus­geschieden wur­den. Da die Staat­san­waltschaft noch keine Erk­lärung abgegeben hat, sind die Urteile noch nicht rechtskräftig.