Salzburg: Neuerlich Nazi-Schmiererei

Das Denkmal der Opfer für Frei­heit und Men­schen­würde am Salzburg­er Kom­mu­nal­fried­hof wurde in der Nacht auf Donnerstag,19.12., großflächig mit dem Namen „Horst Wes­sel“ beschmiert, wobei das Dop­pel – S mit den SS-Runen aus­ge­führt wurde. Damit ist klar, dass trotz der Ver­haf­tung von zwei Per­so­n­en, die der neon­azis­tis­chen Attack­en auf Stolper­steine, Syn­a­goge und andere Objek­te verdächtig sind, die recht­sex­treme Szene in Salzburg weit­er­hin aktiv ist.

Der Salzburg­er Ver­fas­sungss­chutz geht laut „der­Stan­dard“ davon aus, dass es sich bei den Nazi-Schmier­ern am Kom­mu­nal­fried­hof möglicher­weise „um eine eigene neue Täter­gruppe“ han­delt. Als Begrün­dung wird das Schrift­bild und der Bezug zur Gedenkstätte angeführt.

Bei let­zterem ist wohl gemeint, dass ein­er­seits die Stolper-Nazis deut­lich anti­semi­tis­che Botschaften trans­portiert haben und ander­er­seits das jet­zt geschän­dete Ehren­mal am Kom­mu­nal­fried­hof nach Ansicht des Salzburg­er His­torik­ers Gert Ker­schbaumer „christlich und patri­o­tisch“ geprägt ist.

Wir wür­den der Geschichte da nicht so viel Bedeu­tung beimessen. Die Fried­hof-Nazis haben den Namen des 1939 ermorde­ten SA-Mannes Horst Wes­sel mit den Runen der SS geschmiert, also jen­er (SA-)Truppe, die 1934 die gesamte SA-Spitze ermordete.

Auch der Hin­weis des His­torik­ers Gert Ker­schbaumer ist zweis­chnei­dig. Mit seinen eige­nen Forschun­gen belegt er in einem – übri­gens sehr lesenswerten – Doku­ment die nicht sehr rühm­liche Entste­hungs­geschichte des Ehren­mals, das zu Sil­vester 1955 eröffnet und eingewei­ht wurde. Bei der Eröff­nung des Ehren­mals, das aus der Abwehr eines ein­deuti­gen Denkmals entsanden war, legte auch eine Abor­d­nung der Frei­heitlichen Partei einen imposan­ten Kranz mit blauer Schleife nieder mit der Inschrift: „Dem Gedenken der Opfer – der Nationalen und Frei­heitlichen“.

Ker­schbaumer schreibt dazu: „Darunter ver­ste­ht die FPÖ keineswegs die Opfer des Nazi-Ter­rors….., son­dern aus­drück­lich die eige­nen „Opfer für Frei­heit und Men­schen­würde“, näm­lich jene ille­galen Nation­al­sozial­is­ten, die in der öster­re­ichis­chen Dik­tatur ver­fol­gt oder hin­gerichtet wor­den sind, wie aus einem Bericht des FPÖ-Organs Die neue Front unschw­er her­vorge­ht“.

Von dieser Geschichte des Ehren­mals waren die Salzburg­er Fried­hofs-Nazis ver­mut­lich eben­so wenig belastet wie von der Zeit­geschichte insgesamt.

Das Nachricht­en­por­tal „Salzburg24“ berichtet von einem anderen möglichen Zusam­men­hang mit Neon­azi-Aktiv­itäten im benach­barten Bay­ern. In Traun­stein wurde die Inschrift eines Gedenksteins an ein Opfer des Nation­al­sozial­is­mus zerkratzt und ein Plakat­stän­der, der auf die Ausstel­lung „Recht­sradikalis­mus in Bay­ern“ hin­wies, beschädigt.

Ver­mut­lich ist auch dieser Bezug etwas weit herge­holt, aber er ver­weist immer­hin darauf, dass die Salzburg­er Neon­azi-Szene ziem­lich eng ver­woben ist mit der bayrischen, wie sich bei den Fans der mit­tler­weile geschlosse­nen „Odins Bar“ zeigte.