Klagenfurt: 15 Monate für Hitler-Gruß

Die Justiz ist derzeit an verschiedenen Orten mit „Hitler“-grüßenden Neonazis beschäftigt. Nicht nur in Salzburg, wo sich ein 23-jähriger Techniker vor Gericht verantworten musste, weil er unter anderem an seinem Arbeitsplatz eine rotweißrote Fahne mit Hakenkreuz aufgepflanzt und dazu „Sieg Heil“ gebrüllt hatte. In Klagenfurt gab es ein ähnlich gelagertes Verfahren.

Die Anklage warf dem 35-jährigen Arbeitslosen vor, sich am 17. Dezember 2010 in einem Klagenfurter Lokal das Hemd vom Leib gerissen, die Hand zum Hitler-Gruß erhoben und dazu mehrmals „Heil Hitler“ gebrüllt zu haben. Auf seinem Facebook-Profil fanden die Ermittler dann das Foto eines Kleinkindes, das eine Hitler-Uniform und einen Oberlippenbart trug.

Vor Gericht bestritt der Angeklagte den Hitler-Gruß und sagte: „Ich habe vielleicht Heil geschrien, weil man das in Tirol auch macht. Das Kinderfoto habe ich auch nur aus Jux auf Facebook gestellt“ (Kärntner Tageszeitung, 14.8.2013).

Für die „88“, die er sich auf seinen Hals tätowiert hatte, hatte der Angeklagte auch eine etwas seltsame Erklärung parat: die Zahlenkombination, die als Code für „Heil Hitler“ beliebt ist, sollte ihm offensichtlich als Erinnerungshilfe dienen: „Das ist das Geburtsdatum meines Sohnes. Er ist im August 2008 geboren. Ich wusste nicht, dass das Heil Hitler bedeutet.“ – Aha!

Die Geschworenen wollten den Interpretationen des Angeklagten nicht so recht folgen und erkannten auf schuldig im Sinne der Anklage. Das Urteil – 15 Monate unbedingt – ist noch nicht rechtskräftig.

(Quelle: Kärntner Tageszeitung, 14.8.2013)