Burschenschaftliche Gemeinschaft führt Selbstgespräche

Am Anfang war die Sorge um den Fortbestand. Die hat einen „Alten Herren“ noch einmal so richtig auf Touren gebracht. In einem Rundbrief versuchte er, die noch verbliebenen Bünde der Deutschen Burschenschaft (DB) zu mobilisieren, um die „inneren Spannungen“ zu lindern. Der Alte Herr wollte ein Verfahren finden, mit dem “ein weiteres Schrumpfen“ verhindert werden kann. Das Rezept – Spannungsabbau durch Gespräch – dürfte wegen der Kontraindikation Rechtsextremismus scheitern.

Am 8. März trafen sich Vertreter von 15 Burschenschaften der DB in Fulda, um über die anhaltende Krise der DB und Auswege aus dem fortdauernden Schrumpfungsprozess zu beraten. Mittlerweile haben schon 21 Mitgliedsbünde den Dachverband verlassen, sodass die Gesamtzahl der in der DB verbliebenen Bünde unter 100 gefallen ist. Auslöser für die Krise ist der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen gemäßigten und deutlich rechtsextremen Bünden. Letztere sind vor allem in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) organisiert, in der wiederum die österreichischen (deutschen) Burschenschaften den Ton angeben.

Innerhalb der DB bildet die BG faktisch eine Fraktion, den „braunen Block“ (Die Zeit). Mit rund 40 Bünden ist die BG fast mehrheitsfähig und hat in den letzten Jahren die wichtigsten Verbandspositionen besetzt. Beim außerordentlichen Burschentag im November 2012 wurde die schwer rechte Wiener Burschenschaft Teutonia sogar zur vorsitzenden Burschenschaft gewählt. Die BG und ihre Bünde sind der Motor der rechtsextremen Entwicklung innerhalb der DB und damit auch der Austrittsbewegung. Die BG ist (mit) die Ursache für die Krise und die Auflösungstendenzen innerhalb der DB und nicht die Lösung!


Einladung der Teutonia zur “Schönererkneipe”. Georg Ritter von Schönerer war einer der radikalsten Vertreter des modernen „rassisch“ begründeten Antisemitismus („Die Religion ist einerlei – im Blute liegt die Schweinerei“)

Der Alte Herr, der Mitte Februar „aus Sorge um den Fortbestand des Verbandes der Deutschen Burschenschaft“ Rundbriefe verfasste, um „die inneren Spannungen im Verband lindern zu helfen“, sieht das anders. Er setzt auf eine bessere Zusammenarbeit mit dem „braunen Block“ der BG:

„Es geht darum, die in der Deutschen Burschenschaft verbliebenen Bünde, soweit sie nicht in der burschenschaftlichen Gemeinschaft bereits (sic! Hervorhebung durch SDR) organisiert sind, handlungsfähig zu machen und damit innerhalb der Deutschen Burschenschaft Einfluss zu behalten.“

Mit den Rundschreiben vom 15.2. lud er nicht nur Mitgliedsbünde der DB zu einem offensichtlich schon gut vorbereitetem „Fuldaer Forum“ am 8.3., sondern richtete seine Einladung auch an die vorsitzende Burschenschaft Teutonia und an die Burschenschaftliche Gemeinschaft. Im Schreiben an die BG erklärte er den Zweck des „Fuldaer Forums“: „Es soll (…..) der Versuch gemacht werden, ein neues Forum zu schaffen, welches Gesprächspartner der burschenschaftlichen Gemeinschaft sein kann“.

Noch deutlicher wird der Alte Herr an anderer Stelle: „Ich begreife deshalb ein solches Gespräch auch als Chance für die burschenschaftliche Gemeinschaft hier im Vorfeld des Burschentages einen neuen Gesprächspartner zu erhalten, welcher an einem Konsens für den nächsten Burschentag mit wirkt“.

Eine – neue – Chance für den „braunen Block“? Die ließ sich die BG natürlich nicht entgehen und marschierte beim sonst eher dürftig besetzten „Fuldaer Forum“ auf. Von 15 erschienenen Bünden sind 6 der BG zuzurechnen: Germania Hamburg, Thessalia Prag aus Bayreuth, Teutonia Wien, Brixia Innsbruck, Cheruskia Graz und Arminia Czernowitz Linz. Die Ösi- Deutschen besonders stark vertreten! Dazu kommen noch die Oberösterreicher Germanen aus Wien, die zwar Ende 2012 aus der BG ausgetreten sind, hier aber wieder das Gespräch suchen. Unter den restlichen auf dem Fuldaer Forum vertretenen Burschenschaften finden sich weitere prächtige Exemplare: etwa die Normannia Nibelungen Bielefeld, bei der auch Jan Ackermeier von der Wiener Teutonia Mitglied ist. Zur ideologischen Orientierung der Normannia gibt es hier bzw. auch hier Infos. Dann wäre noch zu nennen die Teutonia Freiburg, die erst vor kurzem dadurch aufgefallen ist, weil sie ihr Semesterprogramm mit dem Spruch eines „deutschen Lyrikers Regener“ schmückte. Bei dem „Lyriker“ handelt es sich um Michael Regener, Kopf und Sänger der als „kriminelle Vereinigung“ verbotenen Neonazi-Band Lunikoff-Verschwörung. Das ist aber noch nicht alles! Bei der Teutonia Freiburg ist auch der Anwalt Klaus Harsch Alter Herr, der mit seiner Kanzlei „H3“ bzw. seinen KollegInnen und deren Klienten ziemlich in Bedrängnis kam.

Jetzt hat der Anwalt Harsch, der so gute Verbindungen in die Neonazi-Szene hatte und „jahrelang militante Neonazis vor Gericht vertrat“, eine neue Aufgabe: er ist einer der drei Sprecher des „Fuldaer Forums“!

Ziel dieses Forums soll sein „die Organisation und Förderung der Verständigung der Bünde innerhalb der Deutschen Burschenschaft auf der Basis der geltenden Verfassung der DB in ihrer ganzen Breite“.

Dazu wird die Burschenschaftliche Gemeinschaft auch noch ganz devot „gebeten, die Verlautbarungen des Fuldaer Forums innerhalb der Burschenschaftlichen Gemeinschaft weiter zu publizieren“.

Die Burschis von der BG werden sich darüber wohl einen Ast ablachen. In einer Phase, wo es innerhalb der DB scheinbar keine organisierte Gegenbewegung gegen die BG mehr gibt, bieten sich einige Alte Herren als Gesprächspartner für die BG an, gründen ein Forum, in dem die BG fast schon die Mehrheit hat, und hoffen auf (Selbst-)Gespräche!