Wien: Rassismus ist kein Kavaliersdelikt!

Anfang Jän­ner stieß der 51-jährige Josef S. eine Frau auf das U‑Bahn-Gleis, nach­dem zuvor seine Frau gegen die Keni­aner­in und ihre Fre­undin ras­sis­tisch aus­fäl­lig gewor­den war. Josef S. flüchtete nach der Tat und wurde wenige Stun­den später wegen Mord­ver­suchs ver­haftet. Am Don­ner­stag, 7. März, fand der Prozess gegen Josef S. und seine Frau statt. Die Anklage lautete auf absichtliche schwere Kör­per­ver­let­zung und unter­lassene Hilfeleistung.

Der „Kuri­er“ gibt in seinem Bericht über den Prozess auch die Beobach­tung von Zeu­gen wieder, die Josef S., den Täter, bei fol­gen­dem Dia­log mit sein­er Frau gehört haben, nach­dem er die Frau auf das Gleis gestoßen hat:

„Zeu­gen wollen gese­hen haben, wie er davor auf die Anzeigetafel geschaut und dann zu sein­er Frau gesagt hat: „In drei Minuten ist alles vor­bei, dann lauf.“”

Fahrgäste haben allerd­ings den Not­stopp aus­gelöst, mit dem die ank­om­mende U‑Bahn rechtzeit­ig abge­bremst wer­den kon­nte. Josef S. – so die Staat­san­waltschaft auf­grund der Auswer­tung der Überwachungskam­era – hat beim Stoß „Anlauf genom­men“ und die Frau „mit Schwung gestoßen“. Die Rich­terin entsch­ied in ihrem Urteil den­noch , dass eine absichtlich her­beige­führte schwere Kör­per­ver­let­zung nicht nach­weis­bar sei und verurteilte Josef S. zu der skan­dalös milden Strafe von einem Jahr bed­ingter Haft.

Die Anklage gegen die Frau des Täters, die über die schw­er ver­let­zt (Fersen­bein­bruch) auf dem U‑Bahn-Gleis liegende Frau geurteilt hat­te „Die Negerin simuliert nur“, wegen unter­lassen­er Hil­feleis­tung wurde über­haupt fallengelassen.

Während des Prozess­es bzw. nach dem Urteil kam es zu Unmut­säußerun­gen gegen das Urteil, das von fast allen Medi­en als „mild“ bzw. „zu mild“ beurteilt wurde. Deut­liche Kom­mentare zu dem Urteil gab es in der „Presse“ („Ein Urteil, das aufregt“) , vom Jus­tizsprech­er der Grü­nen, Albert Stein­hauser und von der Black Com­mu­ni­ty , die Entset­zen und Zorn über das Fehlurteil gegen den ras­sis­tis­chen Gewalt­täter äußerte und auch die Vor­gangsweise von Jus­tiz und Exeku­tive gegenüber den über das Urteil Protestieren­den kritisierte 

Die Staat­san­waltschaft hat gegen das Urteil Beru­fung eingelegt.