Salzburg: Ein ÖVP-Mann gegen „zeitgeistorientierte Geschichtsfälschung“

Bernd Huber ist der Büroleit­er des Salzburg­er Vize­bürg­er­meis­ters Har­ald Pre­uner (ÖVP). Er hat uns schon ein­mal beschäftigt, als er dem ver­stor­be­nen Alt- und Neon­azi Hajo Her­rmann einen loben­den Nachruf in der Pos­tille des Salzburg­er Kam­er­ad­schafts­bun­des wid­mete. Jet­zt gibt es wieder eine Debat­te um Huber. Er hat näm­lich gemein­sam mit Her­bert Hodurek 1997 die Pub­lika­tion „Ein kleines Edel­weiß“ her­aus­gegeben, in der sich eine Huldigung an den wohl bru­tal­sten Nazi-Gen­er­al, Feld­marschall Fer­di­nand Schörn­er, befindet.

Die Zeitschrift „Echo Salzburg“ hat die Schrift „Das kleine Edel­weiß“ durchgear­beit­et und dabei Bemerkenswertes fest­stellen müssen. Huber hat den ehe­ma­li­gen Ober­stleut­nant Hodurek regel­recht „bestürmt“, seine Kriegser­leb­nisse zu erzählen und hat sie dann gemein­sam mit ihm zu Papi­er gebracht. Hodurek kann dazu nicht mehr befragt wer­den, weil er 2003 ver­stor­ben ist. Jeden­falls enthält das Büch­lein auch einen Abschnitt „Per­sön­liche Erin­nerun­gen an Gen­er­alfeld­marschall Fer­di­nand Schörn­er“. Schörn­er war eine der wider­lich­sten Nazi-Fig­uren in der Wehrma­cht. Der „blutige Fer­di­nand“ war nicht nur fanatis­ch­er Nazi, son­dern bis zum bit­teren Ende der bru­tal­ste, wenn es darum ging, jede Abwe­ichung vom bedin­gungslosen „Führer“-Gehorsam stan­drechtlich mit Aufhän­gen „am näch­sten Baum“ zu bestrafen. Hubers Koau­tor Hodurek war offen­sichtlich per­sön­lich mit dem Kriegsver­brech­er Schörn­er befre­un­det, den sog­ar Franz Josef Strauss, der ehe­ma­lige bayrische Min­is­ter­präsi­dent, als „Unge­heuer in Uni­form“ bezeichnete.

Was also ver­an­lasst den Büroleit­er Huber dazu, ein Büch­lein her­auszugeben, in dem für den „bluti­gen Fer­di­nand“ geschwärmt wird? Huber dazu in ein­er schriftlichen Stel­lung­nahme an „Echo Salzburg“:

Die Moti­va­tion, die mein­er­seits hin­ter der geleis­teten Arbeit stand, ist von fol­gen­der Absicht getra­gen: ein­er­seits soll der jun­gen Gen­er­a­tion verdeut­licht wer­den, daß (sic!) es sich bei den Sol­dat­en der Wehrma­cht über­wiegend um her­vor­ra­gend aus­ge­bildete, von ein­er hohen Moral geleit­ete Sol­dat­en han­delt, die abseits der Ver­brechen des nation­al­sozial­is­tis­chen Regimes standen, daher in Sieg und Nieder­lage ihre Ehre zu wahren wussten und die die schäbige und her­ab­set­zende Behand­lung der heuti­gen Zeit, die let­ztlich eine zeit­geis­to­ri­en­tierte Geschichts­fälschung zur Folge hat, in kein­ster Weise verdienen.


Links: Fer­di­nand Schörn­er, in Moldaw­ien 1944

Huber ist Schrift­führer im Salzburg­er Kam­er­ad­schafts­bund, betreut dessen Zeitschrift „Kam­er­ad­schaft aktiv“ und dort auch zeitweise die Kolumne „Auf Horch­posten“, in der auch seine Würdi­gung für Hajo Her­rmann erschienen ist. Warum sucht sich Huber, um die „hohe Moral“ deutsch­er Sol­dat­en zu demon­stri­eren, die übel­sten Nazis in der deutschen Wehrma­cht aus?

Huber ist mit sein­er Ein­stel­lung zu den Sol­dat­en der Deutschen Wehrma­cht offen­sichtlich auf ein­er Lin­ie mit dem Präsi­den­ten des Öster­re­ichis­chen Kam­er­ad­schafts­bun­des, Lud­wig Bieringer (ÖVP), der ger­ade in einem Denkmal für Deser­teure im Nazi-Regime eine Desavouierung „gefal­l­en­er Sol­dat­en“ erkan­nt haben will.

Huber und sein ÖKB- Präsi­dent Bieringer ken­nen offen­sichtlich nicht die ganze Geschichte des Gen­er­alfeld­marschalls Schörn­er. Noch am 5. Mai 1945, als Nazi-Deutsch­land schon in Schutt und Asche lag, erließ er einen let­zten Tages­be­fehl zum Durch­hal­ten und ver­sprach seien Sol­dat­en, sie „geschlossen und in stolz­er Hal­tung in die Heimat zurück­zuführen“ , ver­bun­den mit den üblichen Dro­hun­gen, dass streng­stens bestraft werde, wer auf eigene Faust den Weg in die Heimat suche (Ian Ker­shaw, Das Ende.DVA, München 2011, S. 507).

Am 8. Mai, dem Tag der Kapit­u­la­tion Nazi-Deutsch­lands, brach Schörn­er sein Ver­sprechen an die Truppe und floh in Zivilk­lei­dung in die öster­re­ichis­chen Alpen, wo er sich ein­er Hütte ver­steck­te. Bis an sein Lebensende behauptete Schörn­er, er sei nur deshalb geflo­hen, um entsprechend einem Befehl Hitlers eine Front in den Alpen aufzubauen. Hitler war da zwar schon etliche Tage mause­tot, aber was tut ein alter Nazi nicht alles, um sein Bild in der Öffentlichkeit etwas aufzupolieren?

Warum poliert aber Huber, der Büroleit­er, dabei mit und spricht auch noch von „hoher Moral“ und „zeit­geis­to­ri­en­tiert­er Geschichts­fälschung“? Und warum schweigt die Salzburg­er ÖVP dazu?

Links:

Echo Salzburg, Der rechte Büroleiter
Wikipedia, Fer­di­nand Schörner