Die Neonazi-Szene nach Küssel – Teil II: Prinz Eugen kommt aus der Versenkung

Nicht minder interessant ist der Fall Prinz Eugen, der Thiazi-Poster! Prinz Eugen fiel im Neonazi-Forum „Thiazi“ vor allem durch seinen rabiaten und hetzerischen Antisemitismus auf. Als Signatur verwendete Prinz Eugen stets den Satz „Judentum ist biologisch Erbkriminalität!“

Im November 2009 verschwand Prinz Eugen von der Thiazi-Bildfläche mit der Begründung: „Dank eines guten Kontaktes zur Exekutive konnte ich in den Ermittlungsakt einsehen.“

Wie bitte? Trotz dieser Aussage kam offenbar niemand in der Neonazi-Szene auf die Idee, hier einmal nachzufragen? Einer der schlimmsten Hetzer und daher im größten Neonazi-Forum angesehensten Poster mit „guten Kontakten“ zur Exekutive? Obwohl nach Darstellung auch eines Prinz Eugen, die Verfolgung so schlimm ist? Wohl eher musste Prinz Eugen seine Tätigkeit auf Wunsch dieser Behörden einstellen!

Aber was geschah nach der Verhaftung Küssels und den ersten Prozessen zu Alpen-Donau?

Mjölnir, der Betreuer des Unterforums „NSPF“ auf Thiazi, stand im September 2011 wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung und Postings auf Thiazi vor Gericht. Wie üblich in diesen Kreisen, war alles nicht so gemeint und überhaupt waren Alkohol, Einsamkeit und Frauen schuld!


Ein Antisemit verabschiedet sich

Mjölnirs Verteidigungsstrategie wurde unter den Thiazi-Kameraden scharf kritisiert. Mjölnir war schließlich nicht irgendein kleiner Neonazi, sondern Administrator des nationalsozialistischen Privatforums (NSPF).

Auf Thiazi begann nach dem Prozess und dem milden Urteil gegen Mjölnir die Abrechnung mit den elitären Österreichern. Kommentare wie „Da fallen sie um wie die Fliegen“ und „es entbehrt halt nicht einer gewissen Komik, wenn der neue Führer Großdeutschlands (oder zumindest Reichsführer-SS) vor Gericht auf Heulsuse macht“ waren noch das netteste, was der „Obermotz“ zu hören bekam.

Nach derart viel Schmähung für einen Kameraden, der sich vor Gericht streichelweich gab und trotz seiner hohen Stellung innerhalb der Naziszene, nur eine geringe Strafe ausfasste (warum wohl?), meldete sich nach zwei Jahren überraschend wieder Prinz Eugen auf Thiazi zurück. „Nach knappen zwei Jahren Thiaziabstinenz muss ich doch etwas loswerden“, so Prinz Eugen. Zwei Jahre war er abgetaucht, aber just nachdem die mutmaßliche Chefetage von Alpen-Donau verhaftet wurde, die ersten Prozesse gegen User des Alpen-Donau-Forums stattfanden und die Neonazi-Szene ihre Führer verloren hatte, taucht der heftige Nazi mit den „guten Kontakten“ zu den Behörden wieder auf! Ist es in der heimischen Naziszene auch schon normal geworden, dass Kameraden „gute Kontakte“ zu Behörden besitzen (siehe NSU)? Prinz Eugen war überall dabei: im NSPF, auf Thiazi sowieso und auch im Forum von Alpen-Donau. Passiert ist ihm bisher nichts.


Prinz Eugen meldet sich mit einer Verteidigungsrede zurück

Warum wir das thematisieren? Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob die Behörden V-Leute in der Neonaziszene brauchen, um diese richtig einschätzen zu können (die jüngsten Entwicklungen mit 130 V-Personen in der NPD, die alle zur NSU schwiegen, widersprechen dieser Idee), aber Prinz Eugen ist offensichtlich nicht nur ein Informant, er gehört zu den rabiatesten Antisemiten in der Neonazi-Szene und hetzt beispiellos gegen Menschen. Eine parlamentarische Anfrage hat sich ja bereits mit „Prinz Eugen“ beschäftigt, die Antwort ist „aus kriminaltaktischen Gründen“ etwas zu dürftig ausgefallen.

Vielleicht kann eine Anfrage zu Prinz Eugen an das Verteidigungsministerium ein paar Fragen beantworten?

Teil I: Die Neonazi-Szene nach Küssel – Verräter Küssel?
Teil III: Die Neonazi-Szene nach Küssel: Stolz und Blöd