Italienische Neofaschisten: Beste Kontakte nach Österreich

Während die ital­ienis­che Polizei nach dem Mor­dat­ten­tat in Flo­renz noch ermit­telt, ziehen die Neo­faschistIn­nen von Cas­a­Pound Italia die Roll­balken herunter. Der Atten­täter Gian­lu­ca Casseri habe mit der Gruppe nichts zu tun, er sei ein „her­ren­los­er Hund“. Cas­a­Pound jeden­falls hat auch beste Kon­tak­te zu öster­re­ichis­chen Rechtsextremen.

Die neo­faschis­tis­che Organ­i­sa­tion Cas­a­Pound Italia ist jeden­falls derzeit mas­siv damit beschäftigt, Spuren zu ver­wis­chen und zu beschwichti­gen. Die Beiträge, die der Atten­täter für die von Cas­a­Pound betriebene Seite Ideo­dro­mo geschrieben hat, sind nicht mehr abruf­bar. Casseri, der mit den Neo­faschis­ten demon­stri­ert und noch im Juni an der Eröff­nung ein­er Cas­a­Pound-Fil­iale in Mai­land teilgenom­men hat, wird von ihnen als „her­ren­los­er Hund“ bzw. als ent­fer­n­ter Sym­pa­thisant beschrieben.

Cas­a­Pound ist geübt im Ver­wis­chen von Spuren, es ist ihr Pro­gramm! Die Gewalt und Bru­tal­ität des ital­ienis­chen Faschis­mus wird in der öffentlichen Darstel­lung weichge­spült, linke Aktions­for­men wie z.B. Haus­be­set­zun­gen wer­den imi­tiert und das Ganze mit einem Schuss Ästhetik verziert. Ihre Stu­den­tenor­gan­i­sa­tion, der Bloc­co Stu­den­tesco, war in Rom bei Wahlen zu einem Stu­den­ten­beirat mit 20 Prozent der Stim­men erschreck­end erfol­gre­ich.

„Casa Pound hat es geschafft, durch die Verbindung von Pop-Kul­tur und Neo­faschis­mus ein für junge Leute attrak­tives Umfeld zu schaf­fen“, erk­lärt der Ham­burg­er His­torik­er Volk­er Weiß dem Spiegel. „Dazu gehört auch die Verbindung von Ästhetik und Gewalt, wie sie im ital­ienis­chen Faschis­mus Tra­di­tion hat.“

Dazu gehört auch neben der Verehrung für Mus­soli­ni und Hitler als „Rev­o­lu­tionäre“ die ide­ol­o­gis­che Beru­fung auf die Ide­olo­gie der „Neuen Recht­en“. Hin­ter dem dün­nen Neuanstrich der „Iden­titären“ quillt aber schnell die alte braune Scheiße hervor.

Deut­lich­er als in ihrem ide­ol­o­gis­chen Gebräu, das mit Ezra Pound, Carl Schmitt und Mar­tin Hei­deg­ger durchgemixt wird, wird das durch ihre Verbindun­gen sicht­bar . Cas­a­Pound hat nicht nur beste Beziehun­gen nach Deutsch­land und zur „Blauen Narzisse“, son­dern auch zur NPD, wie der „Spiegel“ in dem schon erwäh­n­ten Beitrag schreibt.

Aber auch in Öster­re­ich gibt es das neurechte Spiel mit der Verklei­dung und die guten Verbindun­gen zu Cas­a­Pound. Rund um die Gruppe „Der Funke“ schwurbeln einige Stu­den­ten von der Metapoli­tik und den iden­titären Kräften: “Die Vere­ini­gung aller iden­titären Kräfte Europas ist die große Auf­gabe unser­er Gen­er­a­tion“. John R.R. Tolkien, dessen Mytholo­gie den ital­ienis­chen Atten­täter und Neo­faschis­ten Casseri so fasziniert hat, wird als Kro­nzeuge aufgerufen: „Tolkiens Herr der Ringe ist voll von Meta­phern, die genau dieser Vision entsprechen.“

Und so wie der eine oder andere vom braunen „Funken“ Getrof­fene schon vor Jahren mit dem „Jugend­bund Stur­madler“ gen Ital­ien mit schmuck­er Uni­form aus­ge­zo­gen ist, um dort eine Swasti­ka zu bewun­dern, so haben sich die Kam­er­aden vom „Funken“ bei der Cas­a­Pound einge­fun­den, um sich erleucht­en zu lassen: „Unsere Reise zur Casa Pound hat einen tiefen Ein­druck hinterlassen.“

In Ital­ien selb­st wird nicht nur über Cas­a­Pound und deren Verbindun­gen zum Atten­täter disku­tiert, son­dern auch über die in den let­zten Jahren sprung­haft gestiegene Frem­den­feindlichkeit, die durch das Regierungs­bünd­nis um Berlus­coni, das auch faschis­tis­che und ras­sis­tis­che Posi­tio­nen von der Lega Nord bis zu Alessan­dra Mus­soli­ni umfasste, salon­fähig gewor­den ist. Angriffe auf afrikanis­che Straßen­händler oder auf Roma, die erst vor weni­gen Tagen in Turin von einem brand­schatzen­den Mob attack­iert wur­den sind nicht sel­ten. Jet­zt führen sie zu ein­er öffentlichen Debatte.

In Rom hob die Polizei einen Tag nach den Mor­den von Flo­renz eine Gruppe namens „Mili­tia“ aus, die Anschläge gegen jüdis­che und rumänis­che Bürg­erIn­nen plante. In Öster­re­ich beschäftigt sich ein Kom­men­tar in der „Wiener Zeitung“ mit der ver­hal­te­nen Reak­tion der Medi­en auf die recht­sex­trem motivierten Morde.

➡️ publikative.org — Das “Casa Pound” – Vor­bild für deutsche Neonazis