Neonazis im Nahen Osten

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Noch gibt es kei­ne Hin­wei­se dar­auf, wer für den Brand­an­schlag auf die Moschee in Tuba San­gria in Nord­ga­li­läa (Isra­el) ver­ant­wort­lich ist. Vie­les deu­tet aber auf radi­ka­le jüdi­sche Sied­ler hin. Es gibt in Isra­el, wo sich die poli­ti­sche Land­schaft in den letz­ten zehn Jah­ren ins­ge­samt sehr weit nach rechts ver­scho­ben hat, seit Jah­ren eine akti­ve rechts­extre­me Sze­ne. Vor weni­gen Tagen wur­de auch in Ägyp­ten eine neo­na­zis­ti­sche Par­tei gegründet.

Rund 300 Mit­glie­der will die ägyp­ti­sche Neo­na­zi-Par­tei schon haben und inner­halb von zehn Jah­ren auch im Par­la­ment ver­tre­ten sein: „Unser poli­ti­sches Ziel ist es, die ara­bi­sche Ras­se, die Spre­cher der ara­bi­schen Ras­se, zur bes­ten Ras­se zu machen.“ (APA 0390, 30.9.2011) Der Fern­seh­mo­de­ra­tor von Dream1 TV, der die Obsku­ran­ten der Nazi-Par­tei inter­view­te, hat­te in der Ein­lei­tung den Nazis­mus als eine tyran­ni­sche, faschis­ti­sche poli­ti­sche Ideo­lo­gie vor­ge­stellt, die der Welt Ruin und Zer­stö­rung gebracht hatte.

Die extre­me Rech­te in Isra­el ist durch die Poli­tik der Regie­rung Netan­ja­hu salon­fä­hig gemacht wor­den. Das zeigt vor allem die gewich­ti­ge Posi­ti­on, die Avigdor Lie­ber­mann mit sei­ner Par­tei rus­si­scher Ein­wan­de­rer inne­hat. Auch das kur­ze Tech­tel­mech­tel, das sich Stra­ches FPÖ und ande­re euro­päi­sche Rechts­aus­le­ger mit extre­men jüdi­schen Sied­lern und dem Likud-Vize­mi­nis­ter Ayoob Kara gege­ben haben, ist sym­pto­ma­tisch. Zum gemein­sa­men Feind wur­de damals der Islam erklärt.

Es gibt aber neben extrem rech­ten und natio­na­lis­ti­schen Tei­len der Sied­ler­be­we­gung, die zum Bei­spiel für das Rohr­bom­ben-Atten­tat auf den lin­ken His­to­ri­ker und Frie­dens­ak­ti­vis­ten Zeev Stern­hell im Jahr 2008 ver­ant­wort­lich waren, auch eine offen anti­se­mi­ti­sche und anti­zio­nis­ti­sche Neo­na­zi-Sze­ne In Isra­el. Als die Poli­zei im Jahr 2007 eine Zel­le, bestehend aus acht rus­sisch-stäm­mi­gen Neo­na­zis aus­hob, war die israe­li­sche Öffent­lich­keit fas­sungs­los. Die Neo­na­zis, die auf Fotos mit dem Hit­ler­gruß posier­ten, hat­ten zuvor reli­giö­se Juden, Aus­län­der und Homo­se­xu­el­le atta­ckiert und Haken­kreu­ze geschmiert. Bei Haus­durch­su­chun­gen fand die Poli­zei Nazi-Pro­pa­gan­da, Waf­fen und selbst gedreh­te Gewalt­vi­de­os, in denen aus­län­di­sche Arbei­ter und Dro­gen­ab­hän­gi­ge bru­tal zusam­men­ge­schla­gen wurden.

Anti­se­mi­ti­sche Angrif­fe sind in Isra­el nicht gera­de sel­ten. Nach einem Bericht der „Pres­se“ (11.9.2007) wer­den jähr­lich rund 500 anti­se­mi­ti­sche Atta­cken gezählt, die meis­ten davon nicht von Ara­bern, son­dern von rus­si­schen Zuwan­de­rern aus­ge­führt. Die rechts­extre­men Posi­tio­nen vie­ler rus­si­scher Zuwan­de­rer, die eine brei­te Ska­la von pro­zio­nis­ti­schen bis zu anti­se­mi­ti­schen Hal­tun­gen abde­cken, haben des­halb immer wie­der zu Debat­ten über Zuwan­de­rungs­re­geln geführt.

(Quel­len: APA, „Die Presse“)