Blauer Sommer 2011 – eine Nachlese (III)

Der Som­mer 2011 war ziem­lich ver­reg­net – für die Frei­heitlichen. Ein frei­heitlich­er Skan­dal jagte den näch­sten. Wir wollen sie hier nicht noch ein­mal aufzählen. Stattdessen wollen wir einige promi­nente Stim­men zu Wort kom­men lassen: über die FPÖ, aber auch von FPÖlern. Wir find­en näm­lich, dass nicht alle Wort­mel­dun­gen und Aktio­nen von FPÖ-Spitzen aus­re­ichend gewürdigt wor­den sind.

Angst vor den Irrlichtern

pro­fil: Warum ist in Öster­re­ich der Recht­spop­ulis­mus so stark wie in kaum einem anderen Land?
Taschn­er: Der Recht­spop­ulis­mus, den wir haben, ist in Wahrheit kein eingewurzel­ter, son­dern ein irrlichtern­des Wesen, das ver­sucht, irgend­wie der Stimme des Volkes zu lauschen und gewisse Ten­den­zen her­auszuhören. Stra­che geht sog­ar nach Israel, um den dor­ti­gen Pop­ulis­ten schönzu­tun — das sind alles Irrlichter. Davor habe ich Angst. Vor Irrlichtern in der Poli­tik muss man Angst haben.

Rudolf Taschn­er ist Math­e­matik­er. Das Inter­view mit ihm erschien in pro­fil 30/2011 vom 25.7.2011

Angst vor ausländerfeindlichen Parolen

Meiss­nitzer: …..gewisse For­mulierun­gen machen mir Angst …
pro­fil: Welche Formulierungen?
Meiss­nitzer: In den ver­gan­genen Jahren waren gewisse Wahlkam­pag­nen zu weit rechts. Ich bin da an Wahlplakat­en vor­beige­fahren, bei denen ich mir gedacht habe: Diese extrem aus­län­der­feindlichen Sachen, muss das sein? Diese Parolen sind mir zu heftig, das taugt mir nicht.
pro­fil: Laut Umfra­gen kommt H. C. Stra­che bei Jugendlichen ganz gut an.
Meiss­nitzer: Viele reden halt irgen­det­was nach. Stra­che wirkt sehr jung, dynamisch, er ist super gek­lei­det, das kommt bei den Jun­gen gut an. Insofern wun­dere ich mich über­haupt nicht über die Umfra­gen, in denen die FPÖ mit­tler­weile fast 30 Prozent hat. Vielle­icht sind auch wir schuld, vielle­icht ver­mit­teln wir nichts. Bei mir ist mein Papa schon sehr dahin­tergewe­sen, da ist am Son­ntagstisch sehr viel über diese Dinge gesprochen worden.

Alexan­dra Meiss­nitzer, Skirennläuferin bis 2008 im Inter­view mit pro­fil 28/2011 vom 11.7.2011

Strache arbeitet mit Angst

pro­fil: Schreckt es Sie, dass Stra­che vielle­icht Kan­zler wird?
Ofczarek: Das schreckt mich natür­lich. Aber wir sind eine Demokratie, und anscheinend möchte ein Teil der Wäh­ler Stra­che als Kan­zler erleben. Er arbeit­et mit Pop­ulis­mus und Angst und trifft offen­bar damit bei vie­len ins Schwarze. Sollte er Kan­zler wer­den, wird sich schnell zeigen, dass sich das nicht aus­ge­ht. Die FPÖ war ja schon ein­mal in der Regierung, und es hat nicht funk­tion­iert. Was damals an Kor­rup­tion und Fre­un­derl­wirtschaft passiert ist, kommt erst jet­zt ans Licht. Lei­der scheinen die Leute das schon wieder vergessen zu haben.

Nicholas Ofczarek ist Schaus­piel­er. Das Inter­view erschien in pro­fil 27/2011 vom 4.7.2011