Reichenthal (OÖ): Schlachtrufe arischer Krieger? (Teil I)

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Zum drit­ten Mal fin­det zwi­schen dem 24. und 25. Juni 2011 in Reichenthal/Freistadt das „Nor­t­hern Lights“-Metalfestival statt. Unter den zahl­rei­chen für das Kon­zert ange­kün­dig­ten Musik­grup­pen, die vor­wie­gend „unpo­li­ti­schen“ Cha­rak­ters sind, fin­den sich auch eine neo­na­zis­ti­sche Band aus der Ukrai­ne und meh­re­re Bands, die offen­bar kei­ne Berüh­rungs­ängs­te zur rech­ten Sze­ne haben. So bezeich­net die ukrai­ni­sche Band „Kro­da“, die als Haupt­act in Rei­chen­thal auf­tre­ten soll, ihre Musik als „Ertö­nen schreck­li­cher Schlacht­ru­fe von ari­schen Krie­gern (…) und das wüten­de Gebrüll von ari­scher arche­ty­pi­scher wöl­fi­scher Natur“.
DOSSIER zu den rech­ten Bands beim „Nor­t­hern Lights Fes­ti­val“ in Rei­chen­thal — Teil I

von: Mag. Mar­kus Rachbauer

Schon in den letz­ten bei­den Jah­ren fand das soge­nann­te „Nor­t­hern Lights Fes­ti­val“ — ein Black bzw. Pagan Metal-Kon­zert im Schloss Wal­den­fels in Rei­chen­thal bei Frei­stadt statt, heu­er soll es in der „Grasslmüh­le“ im sel­ben Ort über die Büh­ne gehen. Die­se Musik­rich­tun­gen sind Vari­an­ten des Hea­vy Metals, die in den 1980ern bzw. 1990ern ent­stan­den sind. Inner­halb der Black/Pagan Metal-Sze­ne gibt es einen rech­ten bis neo­na­zis­ti­schen Flü­gel, der sze­nein­tern auch als „Natio­nal Socia­list Black Metal“ (NSBM oder NS-Black Metal) bezeich­net wird. Das „Nor­t­hern Lights Fes­ti­val“ sorg­te bereits im Jahr 2009 für Dis­kus­sio­nen, da die auf­grund ihrer Rechts­las­tig­keit umstrit­te­ne deut­sche Band „Nar­ga­roth“ für einen Auf­tritt ange­kün­digt war.1 Der Auf­tritt konn­te den­noch statt­fin­den, 2010 spiel­te die Band erneut bei dem Fes­ti­val. Eine Aus­sa­ge des Besit­zers des Schlos­ses, in dem die Kon­zer­te bis­her statt­fan­den, mit der er Kri­tik an der Ver­an­stal­tung zurück­ge­wie­sen hat­te, muss an die­ser Stel­le hin­ter­fragt wer­den: Er hat­te gemeint, die Ver­an­stal­tung (das „Nor­t­hern Lights Fes­ti­val“ im Jahr 2009) sei fried­lich abge­lau­fen und: „Nazis sehen anders aus“.2 Die Zei­ten, in denen man Neo­na­zis ganz ein­fach an ihrem Aus­se­hen erken­nen konn­te, sind jedoch längst vor­bei: Heu­te tre­ten Rech­te und Neo­na­zis häu­fig nicht mehr in der bekann­ten, kli­schee­haf­ten Mon­tur (Sprin­ger­stie­fel, Glat­ze, Bom­ber­ja­cke) auf, son­dern klei­den sich rela­tiv unauf­fäl­lig. Brau­ne Recken erschei­nen im Nadel­streif-Anzug oder im moder­nen Out­fit mit Ska­ter­ho­sen, Pier­cings und bun­ten T‑Shirts oder eben in schwar­zer Klei­dung und mit lan­gen Haa­ren. Um ein Ver­leug­nen des rech­ten Pro­blems auch beim „Nor­t­hern Lights Fes­ti­val“ zu ver­hin­dern, wer­den im Fol­gen­den Infor­ma­tio­nen zu eini­gen der ange­kün­dig­ten Musik­grup­pen gebo­ten. Beim dies­jäh­ri­gen „Nor­t­hern Lights Fes­ti­val“ sol­len neben „unpo­li­ti­schen“ Grup­pen eini­ge rech­te (dar­un­ter auch eine neo­na­zis­ti­sche) Musik­grup­pen auftreten:

„Sal­tus“: Die­se ultra-natio­na­lis­ti­sche Band beweg­te sich jah­re­lang im Dunst­kreis der pol­ni­schen NS-Black Metal-Sze­ne. Schon vor zehn Jah­ren (2001) ver­öf­fent­lich­ten „Sal­tus“ unter dem Titel „Hail Pagan Europe“einen gemein­sa­men Ton­trä­ger mit den Bands „Gon­ty­na Kry“, „Selbst­mord“, „Ohtar“ und „Kata­xu“.3 Jede ein­zel­ne der genann­ten Bands ist dem neo­na­zis­ti­schen Spek­trum der Black Metal-Sze­ne zuzu­rech­nen.4


Ein wei­te­rer Ton­trä­ger der Band „Ohtar“ — „ver­ziert“ mit Haken­kreuz und SS-Runen.5 „Sal­tus“ mach­ten mit die­ser Band gemein­sa­me Sache.

Der­ar­ti­ge gemein­sa­me Ton­trä­ger die­nen in der Sze­ne u.a. dazu, die Ver­bun­den­heit zuein­an­der zum Aus­druck zu brin­gen. 2002 folg­te eine wei­te­re CD von „Sal­tus“ mit der NS-Black Metal-Band „Lega­cy of blood“, die­se betei­lig­te sich an der Ver­öf­fent­li­chung mit dem Lied „Fla­me of Aryan Hate“ (über­setzt: „Flam­me des Ari­schen Has­ses“).6 Meh­re­re ehe­ma­li­ge Mit­glie­der der Band, etwa der Mit­be­grün­der „Woj­nar“ (der die Band nach wie vor unter­stützt), waren auch in diver­sen neo­na­zis­ti­schen Band­pro­jek­ten wie etwa „Sun­wheel“ und „Swasty­ka“ aktiv.7 Im Früh­jahr 2010 waren „Sal­tus“ gemein­sam mit der eben­falls rechts­las­ti­gen Band „North“ für ein Kon­zert8 in der „Erleb­nis­scheu­ne“ im thü­rin­gi­schen Kirch­heim ange­kün­digt, Ver­an­stal­ter war Hen­drik Möbus (ehe­ma­li­ger Schlag­zeu­ger der Neo­na­zi-Band „Absurd“ und brau­ner Ver­sand­händ­ler). Das Kon­zert wur­de jedoch abge­sagt.9 Bei der „Erleb­nis­scheu­ne“ han­delt es sich um einen Treff­punkt der loka­len Neo­na­zi-Sze­ne.10


Screen­shot von der „Myspace“-Seite von „Sal­tus“: „Saltus“-Bassist und Band-Mit­be­grün­der „Bit­horn“ mit einem T‑Shirt sei­ner Band.11 Der Band-Schrift­zug ist mit einem acht­ar­mi­gen Haken­kreuz hin­ter­legt. „Bit­horn“ frei­lich strei­tet jeg­li­che Sym­pa­thien für den Natio­nal­so­zia­lis­mus ab.12

Der Rücken-Auf­druck des „Saltus“-T-Shirts erin­nert an ein wei­te­res belieb­tes Sym­bol der brau­nen Sze­ne: Die wei­ße Faust:

Zum Ver­gleich: „White Power“-Symbol – ein inter­na­tio­nal von Neo­na­zis und Ras­sis­ten ver­wen­de­tes Sym­bol:13

„Dies Ater“: Auch die­se Band muss sich den Vor­wurf gefal­len las­sen, mit der rech­ten Sze­ne zu lieb­äu­geln: In einem Inter­view, das sie der neo­na­zis­ti­schen Zeit­schrift „Blut­ver­gie­ßen“ gaben, droh­ten Mit­glie­der der Band, dass „Abschaum“ wie „Tech­no-Affen und kri­mi­nel­les Pack zur Not geräumt wird, wenn sie mei­nen, frech zu wer­den.“ Das Inter­view been­de­te die Band mit dem Gruß: „Heil an unse­re Freun­de aus dem Reich.“ In einem CD-Bei­heft grüß­te die Band das Neo­na­zi-Label „Dar­ker Than Black Records“ und auch die NS-Black-Metal-Band „Toten­burg“. Dar­über hin­aus wird in einem Black-Metal-Maga­zin berich­tet, wie „Dies Ater“ eine Cover­ver­si­on des Songs “Jew Clan” der rech­ten Band „Vil­ka­tes“ mit anti­se­mi­ti­schen Äuße­run­gen ankün­dig­ten.14 Zwei Mit­glie­der von „Dies Ater“ spie­len zusam­men mit Sven Zim­per, Mit­glied der bekann­ten deut­schen Neo­na­zi-Band „Absurd“, in der Band „Cryo­ge­nic“.15

„Djur“: Mit­glie­der die­ser Band spie­len auch in den neo­na­zis­ti­schen Bands „Oskal“ und „Veli­mor“.16 „Oskal“ ver­öf­fent­lich­ten zB einen Ton­trä­ger, auf dem sich ein Lied mit dem Titel „Marsch des tota­len Krie­ges“ befin­det.17 „Veli­mor“ betei­lig­ten sich mit dem Lied „Rudolf Hess“ an einem Ton­trä­ger, der zu Ehren von Mari­usz Szc­zer­ski, dem ver­stor­be­nen Sän­ger der Neo­na­zi-Band „Honor“, im Jahr 2009 ver­öf­fent­licht wur­de.18 Der Sän­ger und Gitar­rist von „Djur“ unter­stützt auch die neo­na­zis­ti­sche Grup­pe „Tem­no­zor“ bei Live-Auf­trit­ten.19 Letz­te­re mein­te 2004 über ihre Musik: „Tem­no­zor’ (…) was born back in 1996 (…) to revo­ke the Fla­me of the Aryan Hea­then Spi­rit in the Hearts of the Young (…)“.20

➡️ Rei­chen­thal (OÖ): Schlacht­ru­fe ari­scher Krie­ger? Teil II

Fuß­no­ten

  1. Vgl. Ober­ös­ter­rei­chi­sche Nach­rich­ten, 28. Mai 2009, http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/muehlviertel/art69,181221 ; Bezirks­rund­schau, 2. Juli 2009
  2. Vgl. Bezirks­rund­schau, 2. Juli 2009.
  3. Vgl. http://www.metal-archives.com/albums/Saltus/Hail_Pagan_Europe/231102
  4. So will die Band „Gon­ty­na Kry“ ihren Zuhö­re­rIn­nen mit ihrer Musik ver­mit­teln, „alles, das arisch ist“, zu unter­stüt­zen, die­se „Wer­te“ sei­en das wich­tigs­te für die Band; vgl. Inter­view mit „Gon­ty­na Kry“, http://www.mourningtheancient.com/gontyna.htm; Die Band „Selbst­mord“ ver­öf­fent­lich­te etwa 2010 einen Ton­trä­ger mit dem Titel „Aryan Voice of Hat­red“ (über­setzt: „Ari­sche Stim­me des Has­ses“), vgl. http://www.metal-archives.com/bands/Selbstmord/7340; Die Grup­pe „Ohtar“ ver­öf­fent­lich­te etwa im Jahr 2000 einen Ton­trä­ger, des­sen CD-Cover mit einem Haken­kreuz ver­se­hen ist, vgl. http://www.metal-archives.com/albums/Ohtar/Wolfschanze/15881;
  5. Vgl. http://www.nsbm.org/bands/ohtar/
  6. Vgl. http://www.metal-archives.com/albums/Saltus/Symbols_of_Forefathers_-_In_Blacksmith_of_Hate/34811
  7. Vgl. http://www.metal-archives.com/bands/Saltus/2235.
  8. Vgl. http://agst.afaction.us/index.php?menu=news&aid=372.
  9. Vgl. http://fightfascism.wordpress.com/2010/03/14/misserfolgs-serie-fur-hendrik-mobus/.
  10. So fin­det die­ser auch auf der Home­page des thü­rin­gi­schen Ver­fas­sungs­schut­zes mehr­mals Erwäh­nung, vgl. http://www.thueringen.de
    /de/verfassungsschutz/praevention_oeffentlichkeitsarbeit/monatschronik/
    .
  11. Quel­le für die Abbil­dung: http://www.myspace.com/officialsaltus.
  12. Vgl. http://pestwebzine.ucoz.com/news/new_interview_saltus/2011–01-31–412.
  13. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/White_Power.
  14. Vgl. http://www.turnitdown.de/526.html.
  15. Vgl. http://www.metal-archives.com/bands/Cryogenic/11045.
  16. Vgl. http://www.metal-archives.com/bands/Djur/3540308453.
  17. Vgl. http://www.metal-archives.com/albums/Oskal/Stahlkrieg/110328.
  18. Vgl. http://forum.thiazi.net/showthread.php?p=1619086, http://forum.thiazi.net/showthread.php?t=159129.
  19. Vgl. http://www.metal-archives.com/bands/Djur/3540308453.
  20. Inter­view mit dem „Resis­tance Maga­zi­ne“, 2004.