Klagenfurt: Die Nazi-Prügler vom Volxhaus

Vier Neon­azis sind am 8.11.2009 bei einem Fest im Kla­gen­furter Volx­haus anwe­send. Als der Sänger die Kärnt­ner Lan­deshymne inter­pretiert, drehen die Neon­azis durch. Sie brüllen „Sieg Heil“, zeigen den Hitler-Gruß, stür­men die Bühne, prügeln den Sänger mit Faustschlä­gen nieder, bis er bewusst­los am Boden liegt. Auch der Kell­ner bekommt Schläge ab. Dann flücht­en die Neon­azis, ver­lieren dabei eine Stahlrute, wer­den aber bald von der Polizei gestellt.

Gestern standen 3 der 4 prügel­nden Neon­azis vor einem Geschwore­nen­gericht in Celovec ob Kla­gen­furt. Der vierte, der eben­falls an der Nazi-Aktion teilgenom­men hat­te, wurde bere­its in einem anderen Ver­fahren recht­skräftig verurteilt.

Es war nur eine leichte Kör­per­ver­let­zung, behaupten die zwei Angeklagten, die sich schuldig beken­nen. Der dritte ver­sucht es mit dem Tot­stell-Reflex: er will von der Brüllerei und der Schlägerei über­haupt nichts mit­bekom­men haben und sei an der Bar gestanden.

Ein­er der Angeklagten, Alexan­der W., der als Beruf Maler angibt, ist trotz sein­er 21 Jahre schon ein alter Bekan­nter in der Nazi-Skin-Szene Klagenfurts.


Fak­sim­i­le der Face­book­seite von Alexan­der W.
-

Auf Face­book bre­it­et W. seine poli­tis­chen Ansicht­en aus. Ihm gefall­en so ziem­lich alle Ein­heit­en der SS, die NVP, die NPD, der RFJ und natür­lich auch HC Stra­che. Zu seinen Kon­tak­ten zählt alles, was in der Nazi-Szene Rang und Namen hat. Unter Fre­un­den grüßt man sich mit „88“ oder „S8“.

W. ist gut ver­net­zt in der Nazi-Szene. Im Sep­tem­ber macht er mit Fre­un­den einen Aus­flug nach Wiener Neustadt, trifft sich dort mit lokalen Nazi-Skins. Gemein­sam posieren sie mit Totschläger vor der Kam­era. Die Wiener Neustädter Kam­er­aden haben zu der Zeit auch Ver­fahren wegen NS-Wieder­betä­ti­gung vor sich: sie sind im Eisen­städter-Prozess vom Novem­ber 2010 dabei und kom­men dort teil­weise mit Diver­sion davon.

Vor der Ver­hand­lung spuckt W. noch große Töne: Wenn ihn die Rich­terin um seine Schluss­worte frage, werde er sagen: „ich hoffe ich darfs noch erleben wenn ihr dan an mein­er stelle hier ste­ht werdet! SIEG8“.

Bei der Ver­hand­lung gibt sich W. ein­sichtig und reumütig: „Im Nach­hinein tut mir die Sache ja leid, die Prügelei hat­te nichts mit mein­er Ein­stel­lung zu tun. Man kann die Ein­stel­lung ja im Kopf haben, man muss sie ja nicht unbe­d­ingt zeigen“. (APA) Die Hal­tung ist nur Pose!


„Kam­er­ades aus Kärn­ten” Fak­sim­i­le der Facebookseite
-

Nach der Ver­hand­lung klingt er dann so: „Wir lieben unser Land, aber wir has­sen diesen Staat. Wir wer­den sie noch aufge­hen sehn, unsere Saat. Und dann gibt es keine Gnade, unser Hass ist viel zu groß. Ihre Dämme wer­den brechen und der deutsche Sturm bricht los. Sturm bricht los!”

W. ist kein Poet, seine hol­pri­gen Reime hat er sich von der Nazi-Band „Lunikoff-Ver­schwörung“ organisiert.

Alexan­der W. erhält wie der zweite Angeklagte eine teilbe­d­ingte Strafe in der Höhe von 18 Monat­en. Der dritte Angeklagte (offen­sichtlich der, der nichts mit­bekom­men haben will) wird zu 15 Monat­en bed­ingt auf drei Jahre verurteilt.

Die Neon­azis haben ihre Urteile bere­its angenom­men, die Staat­san­waltschaft über­legt noch.