Nationale Jugend: Eine Jugend renoviert (EJR)

Nach­dem der Chef der Jun­gen Nationalen Volkspartei (JNVP), Mario Aula­bauer, in Wiener Neustadt erst vor kurzem zu ein­er mehrjähri­gen Haft­strafe verurteilt wurde, hat die Nationale Volkspartei (NVP) des Robert Fall­er mit Aula­bauer auch gle­ich das Pro­jekt JNVP zu Grabe getra­gen. Seit kurzem gibt es neue Hoff­nung für Öster­re­ich Jung­nazis: die „Nationale Jugend“ wird mit Jahreswech­sel ins Leben gerufen.

Fall­er, dessen poli­tis­che Pro­jek­te bish­er immer von kurzen Ver­fall­szeit­en geprägt waren, will sich also eine neue „Nationale Jugend“ basteln. Dabei kommt er mit sein­er Partei noch immer nicht zurecht: die NVP-Home­page gibt seit dem Vor­jahr ihren Bun­desvor­stand so bekan­nt: „Vor­stands­seite ist, wie angekündigt auf­grund von Umstruk­turierungsar­beit­en derzeit in Arbeit.“

Bei der Umstruk­turierung der Jugen­dar­beit kommt ihm hinge­gen zugute, dass er sich auf eine funk­tion­ierende Jugend­gruppe stützen kann: die Gruppe EJR (Eine Jugend rebel­liert), die bish­er nur in Vorarl­berg aktiv war. Der Name der Gruppe ist offen­sichtlich abgeleit­et von dem gle­ich­nami­gen Song der Nazi-Band „Sleip­nir“. EJR betreibt eine Home­page mit ein­er öster­re­ichis­chen Webadresse (bis vor weni­gen Tagen war EJR auch auf Face­book mit ein­er Fan-Seite vertreten). Das ist für eine Neon­azi-Grup­pierung (und um eine solche han­delt es sich zweifels­frei), die keine fix­en organ­isatorischen Struk­turen hat, dur­chaus ungewöhn­lich. Offen­sichtlich fühlt sich EJR sehr sicher.

EJR ist ein Nach­fol­ger der in Vorarl­berg sehr starken und gewalt­täti­gen Nazi-Skin-Szene, die noch Anfang der 2000er-Jahre durch ihre gute Ver­net­zung mit der süd­deutschen und Schweiz­er Szene hun­derte Men­schen auf die Straße oder zu ein­schlägi­gen Konz­erten brin­gen kon­nte. Nach­dem die Exeku­tive das wilde Treiben des Blood & Hon­our-Ablegers Motor­rad­fre­unde Bodensee (das mit der Ermor­dung eines Nazi-Skins 2009 seinen Höhep­unkt fand) durch polizeiliche Maß­nah­men und zulet­zt das Vere­insver­bot der Motor­rad­fre­unde eindäm­men kon­nte, ist EJR in der recht­sex­tremen Szene Vorarl­bergs weit­ge­hend allein auf weit­er Flur. Dabei kam den Neon­azis zugute, dass der Vorarl­berg­er Ring Frei­heitlich­er Jugend (RFJ) in den let­zten Jahren wed­er präsent noch so recht­sex­trem posi­tion­iert war wie die meis­ten anderen Lan­des­or­gan­i­sa­tio­nen. EJR hat in der Ver­gan­gen­heit auch immer wieder einzelne FPÖ-Posi­tio­nen und ‑Aktio­nen gelobt wie etwa die anti­semi­tis­chen Äußerun­gen des FPÖ-Chefs Egger. Ob es auch per­son­elle Über­schnei­dun­gen mit der FPÖ gibt, wis­sen wir nicht.

Jeden­falls bedi­ent EJR The­men­bere­iche (die auch von der FPÖ ange­sprochen wer­den), die für des­ori­en­tierte Jugendliche beson­ders inter­es­sant scheinen: die Angst vor ein­er Islamisierung Öster­re­ichs, ver­bun­den mit ein­er sehr aggres­siv­en Kam­pagne zu ange­blich massen­haften Verge­wal­ti­gun­gen durch türkische (islamis­che) Migranten nach dem Mot­to: „Diese Türken­ben­gels kön­nten auch Deine Tochter schwängern. Ver­hin­dert es!“. Dazu kom­men noch die anti­semi­tisch unter­legten Ver­schwörungsphan­tasien, die von den Freimau­r­ern, den Illu­mi­nat­en über die Bilder­berg­er bis hin zu B’nai B’rith, den Roth­schilds und Brigitte Eder­er zum üblichen Gebräu ver­mis­cht wer­den. Einzig der Kampf gegen die Ver­frem­dung der deutschen Sprache kommt bei den Nazi-Skins (die sich gerne englis­che Nick­names geben) nicht so richtig an.

EJR wirbt auf sein­er Home­page bere­its für das Fall­er-Pro­jekt „Nationale Jugend“ (NJ), dem es sich offen­sichtlich auch unterord­nen will: Aktivis­ten des EJR sind seit Tagen mit dem Ban­ner von NJ auf Wer­be­fahrt bei Face­book unterwegs.

Siehe auch: alpen­do­del