Linz(OÖ): BZÖ-Gemeinderat benutzt braune Leimrute

Die Krise des kap­i­tal­is­tis­chen Wirtschafts-und Finanzsys­tems ver­langt nach Erk­lärun­gen. Einige suchen und find­en sie lei­der in Ver­schwörungs­the­o­rien, in Vari­anten der Frei­wirtschaft­slehre oder in den von dem Nazi Got­tfried Fed­er verkün­de­ten Appell zur Brechung der Zinsknechtschaft.

Was hat das mit dem Linz­er Gemein­der­at und BZÖ (Bünd­nis Zukun­ft Österreich)-Obmann Rein­hard Reiman zu tun?

Reiman, ein umtriebiger Busi­ness-Mann, der in Linz das gle­ich­namige „Kul­turhaus“, die „Reiman-Akademie“ mit Reiman-TV leit­et, lädt für Sam­stag, 6.November zum Vor­trag „Pleite!“ – Warum über­all Geld fehlt. Der Abend begin­nt um 19 h mit einem „Aufk­lärungs-Refer­at“ von – errat­en! – Reiman him­self mit dem Ham­mer­ti­tel:“Banken Brot & Bomben“. Der Aufk­lärung fol­gen im Pro­gramm „50 auf­schlussre­iche Minuten über den grundle­gen­den Fehler in unserem Geldsys­tem und das grundle­gende Geheim­nis des Banken- und Geld­we­sens“: ein Film mit dem Titel „Gib mir die Welt plus fünf Prozent. Die Geschichte des Gold­schmieds Fabi­an“. Dann fol­gt der 3. Teil der Ver­anstal­tung, für die der smarte Reiman den sym­bol­is­chen Ein­trittspreis von 1 Euro haben will: „Anschließende Diskus­sion und Frage“.

Wir hät­ten da nicht nur eine Frage. Hat der BZÖ-Mann den Film schon gese­hen? Warum zeigt er ger­ade diesen Film? Hat er vielle­icht auch ein biss­chen gegoogelt dazu?

Wir schon! Der Film „Die Geschichte des Gold­schmieds Fabi­an“ wurde2008 von Secret TV und dem Kopp-Ver­lag pro­duziert. Secret TV gehörte damals noch dem recht­sex­tremen Eso­terik-Spezial­is­ten Jan Udo Holey (alias Jan van Hels­ing), der es mit seinen Büch­ern über die Geheimge­sellschaften geschafft hat, wegen Anti­semitismus auf den Index zu kom­men. Auch Anfra­gen der Grü­nen beschäftigten sich schon vor Jahren mit Jan Udo Holey: http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX/J/J_06477/fnameorig_124065.html und
http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX/J/J_01848/fnameorig_119356.html

Der Kopp-Ver­lag war ursprünglich nur auf Eso­terik und Ver­schwörungs­the­o­rien spezial­isiert, hat aber in den let­zten Jahren auch einen deut­lich recht­sex­tremen Ein­schlag. Er vertreibt unter anderem die Büch­er von Geerd Hamers Neuer Ger­man­is­ch­er Medi­zin. Der Trick­film über den „Gold­schmied Fabi­an“ ist nicht nur in der Eso- und Tauschkreis-Szene sehr beliebt, son­dern wird auch von deutschen Neon­azis sozusagen als Schu­lungs­ma­te­r­i­al ver­trieben und ins Inter­net gestellt, etwa bei „widerstand.info“, einem Por­tal der „autonomen Nation­al­is­ten“. Dort wird er so vorgestellt: „Ein inter­es­san­ter Trick­filtm der Erk­lärt wie Geld, aber auch die Abhängigkeit vom Geldes, ent­stand.“ (Für die unzure­ichende Hand­habung der deutschen Sprache sind wie immer die Nazis verantwortlich!)

Das anti­semi­tisch einge­färbte Film­chen kur­siert viral – das bedeutet auch, es gibt kaum kri­tis­che Auseinan­der­set­zung, weil es nur sel­ten eine größere Öffentlichkeit erre­icht. Grund­lage für den Trick­film ist eine Geschichte des Aus­traliers Lar­ry Han­ni­gan, die 2006 von Michael Kent ins Deutsche über­set­zt und ver­trieben wurde. Mit Michael Kent alias Hinz kommt Sci­en­tol­ogy und wieder Geerd Hamer ins Spiel. Eine lesenswerte Recherche zu den Hin­ter­grün­den des Film­chens find­et sich etwa bei: gegenrede.info.

Der smarte BZÖ-Gemein­der­at Reiman sollte eigentlich wis­sen, was er da zeigt. Wenn er’s weiß, wäre es schle­u­nigst Zeit, zurück­zutreten. Wenn er’s nicht gewusst haben will, eigentlich auch! Für braun einge­färbte anti­semi­tis­che Ver­schwörungs­the­o­rien gibt es schon andere Organ­i­sa­tio­nen, die seine Face­book-Fre­unde Alfred Nech­vatal (seine Web­seite: wienerfotos.npage) , Wolf­gang Schrö­gen­dor­fer und Gün­ther Har­muss auch gut kennen.


Fak­sim­i­le von Nech­vatals Web­seite, die es ver­di­ent als ganzes gezeigt zu wer­den. The­men: „Schauprozesse? Gerd Hon­sik”, „Benes-Dekrete” oder auch „Zion­imus”. Auch wird Stim­mung für die soge­nan­nten „Väter­rechtler” gemacht, also Grup­pierun­gen und Per­so­n­en die antifem­i­nist­siche Posi­tio­nen vertreten