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Lesezeit: 2 Minuten

Ungarn: Regierung und extreme Rechte hetzen gegen Paul Lendvai

Paul Lend­vai , der lang­jäh­ri­ge ORF-Kom­men­ta­tor, hat ein Buch („Mein ver­spiel­tes Land“) ver­fasst, das sich kri­tisch mit der poli­ti­schen Ent­wick­lung Ungarns, auch der fak­tisch tota­len Macht­über­nah­me durch die Regie­rungs­par­tei Fidesz, beschäf­tigt. Seit­her ist die Höl­le los. 

28. Nov. 2010

Lend­vai ist die Ziel­schei­be regie­rungs­na­her unga­ri­scher Medi­en und der extre­men Rech­ten, wird als Spit­zel des Kadar-Regimes denun­ziert und bedroht. Sein Auf­tritt in Frankfurt/Main muss­te nach einer mas­si­ven anti­se­mi­tisch ein­ge­färb­ten Hetz­kam­pa­gne abge­sagt wer­den. Bei der Buch­prä­sen­ta­ti­on in Zürich war es zu Demons­tra­tio­nen gekom­men und die öster­rei­chi­sche Bot­schaft in Ber­lin hat­te schon im Okto­ber eine Ver­an­stal­tung mit Lend­vai aus Angst vor einer Ver­schlech­te­rung der Bezie­hun­gen wie­der abgesagt.

„pro­fil“ berich­tet in der neu­en Aus­ga­be über die Ruf­mord-Kam­pa­gne gegen Lend­vai, Pusz­t­ar­an­ger lie­fert – wie immer – umfang­rei­ches Hin­ter­grund­ma­te­ri­al, aus dem her­vor­geht, wie regie­rungs­na­he Medi­en Vor­wür­fe und Het­ze gegen Lend­vai beglei­ten. Auch die Rechts­extre­men um Job­bik haben sich auf Lend­vai ein­ge­schos­sen, ver­mut­lich, weil sie in ihm genau­so wie bei den unga­ri­schen Schrift­stel­lern Imre Ker­tesz, Peter Nadas und Peter Ester­ha­zy ihre anti­se­mi­ti­schen Refle­xe aus­le­ben können.

Fas­sungs­los macht die Hal­tung der öster­rei­chi­schen Poli­tik. Damit ist nicht nur die Absa­ge der Buch­prä­sen­ta­ti­on in Ber­lin durch den öster­rei­chi­schen Bot­schaf­ter gemeint, was schon jäm­mer­lich genug ist. Bis­her war noch kein lau­tes Wort aus dem öster­rei­chi­schen Aus­sen­mi­nis­te­ri­um zu ver­neh­men, womit man etwa Sor­ge wegen der anti­se­mi­ti­schen Het­ze regie­rungs­na­her unga­ri­scher Medi­en zum Aus­druck bringt. Die unga­ri­sche Regie­rungs­par­tei Fidesz mit Vik­tor Orbán ist aller­dings ein treu­er Part­ner der ÖVP und Voll­mit­glied im Ver­band euro­päi­scher christ­de­mo­kra­ti­scher Parteien.

Die kon­ser­va­ti­ve ÖVP schweigt vor­nehm, die extre­me Rech­te in Öster­reich arbei­tet ganz gut mit der extre­men Rech­ten in Ungarn zusam­men. Damit sind nicht nur die qua­si offi­zi­el­len, wenn auch ver­schäm­ten guten Bezie­hun­gen zwi­schen FPÖ und Job­bik gemeint, man trifft sich auch auf ande­rer Ebe­ne. Der Ver­band Volks­deut­scher Lands­mann­schaf­ten, der im „Haus der Hei­mat” in Wien mit Mit­teln der schwarz­blau­en Regie­rung sei­nen Unter­schlupf gefun­den hat, pflegt eine gute Koope­ra­ti­on mit dem „Welt­bund der Ungarn“, der Lend­vais Ver­an­stal­tung in Zürich gestört hat.

Seit 2004 gibt es ein gegen­sei­ti­ges Unter­stüt­zungs­ab­kom­men zwi­schen Sude­ten­deut­schen Lands­mann­schaf­ten und dem Welt­bund der Ungarn. Jenem Welt­bund der Ungarn übri­gens, der 2004 den in Öster­reich leben­den Rechts­extre­mis­ten und Anti­se­mi­ten David Duke zu einer Vor­trags­rei­he nach Ungarn ein­ge­la­den hat

➡️ contextxxi.at: Ver­söh­nung auf Sudetendeutsch 

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