Mit ernstem Blick schaut Stefan Magnet in die Kamera: „Das ist so heftig, sowas habt ihr garantiert noch nie gehört. Die Bücherverbrennung kommt zurück!“
Magnet ist Betreiber und Chef von AUF1. Er ist ein Meister der Falschinformation, sein Unternehmen eine Desinformationswerkstatt im Journalismusmäntelchen. Magnet hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Das ist bedenklich. Aber noch bedenklicher ist, wenn ihm eine öffentliche Institution, finanziert durch Steuergelder, eine Plattform bietet und es ihm ermöglicht, sein Business noch weiter voranzutreiben. Das soll in einer kleinen Gemeinde in Kärnten, in Afritz am See im Bezirk Villach-Land passieren.
Der „größere Plan“
Im Zusammenhang mit der Corona-Schutzimpfung spricht Magnet von „hunderttausenden Toten und von Abermillionen sogenannten Impf-Nebenwirkungen“ – klare Desinformation. Aber seine Emotionalisierung und Angstmache endet nicht bei CoV19. Die Empörung über die Corona-Schutzmaßnahmen ist zwar sein liebstes Thema, aber die Verschwörung soll noch weiter reichen: Alles folge einem „größeren Plan“, denn „die Genspritze“ sei lediglich der „Einstieg in den Transhumanismus“.
„Transhumanismus“ ist ja eigentlich eine technologisch-philosophische Schule, die den menschlichen Körper und seine Fähigkeiten durch Technik und Wissenschaft erweitern und verbessern möchte. Dazu gehören etwa die Überwindung von Krankheiten, die Verlängerung des Lebens und die Verbindung menschlicher Körper mit Technologien. Dass sich bei dem Thema auch Spinner und Größenwahnsinnige einfinden, ist naheliegend. Dass alles einem „größeren Plan“ von „Globalisten“ folge, wie es AUF1 und Magnet darstellen, ist eine Verschwörungserzählung. Die nämlich behaupten: „Die Ideologie des Transhumanismus schickt sich an, die Spezies Mensch auszulöschen.“
Und Magnet schickt sich an, dieses erfundene Horrorszenario in sein rechtsextremes Weltbild einzubauen:
Der Angriff begann mit geistiger und weltanschaulicher Umerziehung, mit Verbildung, mit Propaganda und falschen Werten. Es ging weiter mit der Zerstörung und Zerschlagung der Sippe und der Familie.
Ausverkauft!
Aber Stefan Magnet wäre nicht der Geschäftsmann, der er ist, würde er das Thema nur zigmal über seine daueraufgeregten Kanäle jagen. Nein, im Sommer 2022 veröffentlichte er dazu im Eigenverlag ein ganzes Buch. Im Klappentext heißt es: „Der Transhumanismus ist der konkrete Versuch, den Großteil der Menschheit auszulöschen, den Rest zu unterjochen und 0,001 Prozent der Weltbevölkerung für immer an die Spitze der Pyramide zu stellen.“
Ein halbes Jahr (!) nach Veröffentlichung behauptet Stefan Magnet, die erste Auflage seines Buches sei „nach drei Wochen ausverkauft!“ gewesen – 10.000 Stück. Klingt nach einer Rhetorik der Verknappung, um ein wenig erfolgreiches Produkt interessanter zu machen. Denn: „Die zweite Auflage ist da!“
„Moderne Bücherverbrennung?!“
Im Frühjahr 2025 regte der deutsche Verfassungsschutz eine Indizierung bei der Prüfstelle für jugendgefährdende Medien an. Die nahm das Prüfverfahren auf Basis des deutschen Jugendschutzgesetzes für die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) auf. Im Herbst 2026 verkündete Stefan Magnet dann etwas „Heftiges“, nämlich die „moderne Bücherverbrennung?!“

Neben der detaillierten Darstellung von Gewalthandlungen, der Verletzung der Menschenwürde oder Diskriminierung kann auch die Gefährdung der Demokratiefähigkeit eine Listung auf dem Index zur Folge haben. Dem Gesetz folgend wird „dem Urheber, Nutzungsrechteinhaber oder Anbieter“, sprich: Stefan Magnet, „Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben“. Bücherverbrennung? Haben die Nazis jene Autoren und Autorinnen um eine Stellungnahme gebeten, bevor deren Bücher verbrannt wurden und nicht mehr erscheinen durften?
Der Verkauf des Buches in Deutschland wäre auch nach einer Listung als jugendgefährdend noch möglich, jedoch nur an Erwachsene, per Versand nur mit Alterskontrolle. Auf den Handel in Österreich sollte die deutsche Gesetzlage gar keine Auswirkungen haben. Dennoch Grund genug für Magnet, das Thema – faktenwidrig – hochzujazzen, mutmaßlich um den Verkauf anzukurbeln: „Wenn das Buch, womöglich schon nächste Woche, auf der Liste landet, muss der Verkauf in allen Läden und online sofort eingestellt werden.“

Uns stellt sich die Frage: Gilt eigentlich das Werbeverbot des deutschen Jugendschutzgesetzes auch für einen in Österreich ansässigen Verlag beziehungsweise Onlineshop, der ein laufendes deutsches Indizierungsverfahren als Verkaufsargument nutzt, um sein Buch potenziell auch in Deutschland zu vertreiben? Denn es heißt im deutschen Gesetz (§ 15 Abs. 5 JuSchG): „Bei geschäftlicher Werbung für Trägermedien darf nicht darauf hingewiesen werden, dass ein Verfahren zur Aufnahme des Mediums (…) in die Liste anhängig ist oder gewesen ist.“
Verschwörung im Gemeindezentrum
Am 19. November soll Stefan Magnet in Kärnten öffentlich sprechen. Organisiert wird die Veranstaltung vom „Demoteam Spittal“ um Martin Schneider, das aus den Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen hervorgegangen ist. Das Demoteam wird im Rechtsextremismusbericht des DÖW mehrfach genannt, darunter mit einer Veranstaltung mit der AfD-Politikerin Christine Anderson.
Beworben wird die Veranstaltung in Afritz am See als „Abend der Superlative“. Stattfinden soll das Ganze im Kultursaal des Afritzer Gemeindezentrums. Bürgermeister des Ortes ist der FPÖ-Nationalrat Maximilian Linder.

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