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Lesezeit: 4 Minuten

Walch in Schnellroda: Die lächerliche „Privatreise“-Ausrede der FPÖ

Nach unse­rer Recher­che über Fabi­an Walchs Besuch beim neu­rech­ten Som­mer­fest in Schnell­ro­da wächst der Druck auf die Tiro­ler FPÖ. ÖVP, SPÖ und Grü­ne ver­lan­gen Kon­se­quen­zen, wäh­rend Lan­des­ge­ne­ral­se­kre­tär Patrick Haslwan­ter mit einer aben­teu­er­li­chen Erklä­rung ausrückt.

29. Juli 2026
Fabian Walch mit Ehefrau (links neben Walch), die als Pressesprecherin der Anti-Abtreibungsinitiative "Jugend für das Leben" fungiert, am 7.3.26 in Innsbruck (Foto: Presseservice Wien)
Fabian Walch mit Ehefrau (links neben Walch), die als Pressesprecherin der Anti-Abtreibungsinitiative "Jugend für das Leben" fungiert, am 7.3.26 in Innsbruck (Foto: Presseservice Wien)

Kritik von ÖVP, SPÖ und Grünen

Die von Stoppt die Rech­ten doku­men­tier­te Teil­nah­me des Inns­bru­cker FPÖ-Gemein­de­rats am Som­mer­fest des Ver­lags Antai­os in Schnell­ro­da lös­te bin­nen eines Tages brei­te poli­ti­sche Reak­tio­nen aus. Der ORF (28.7.26) griff die Recher­che auf und berich­te­te über Walchs Besuch bei dem Tref­fen, des­sen Ver­an­stal­ter der deut­sche Ver­fas­sungs­schutz als „gesi­chert rechts­extre­mis­tisch“ ein­stuft. Auf den Fotos von recher­che-nord sind neben Walch unter ande­rem Mar­tin Sell­ner, wei­te­re Iden­ti­tä­re, Neo­na­zis und Ver­tre­ter des äußers­ten rech­ten Spek­trums zu sehen.

Inns­brucks SPÖ-Vize­bür­ger­meis­te­rin Eli­sa­beth Mayr for­dert Kon­se­quen­zen und hält Walch im Gemein­de­rat für untrag­bar. Auch der SPÖ-Gemein­de­rat Domi­nik Pit­tra­cher ver­weist auf Walchs Des­in­ter­es­se an Ver­bes­se­run­gen für die Stadt Inns­bruck und stellt fest: „Wer von sich behaup­tet, fest auf dem Boden unse­rer Ver­fas­sung zu ste­hen, kann sol­che Umtrie­be nicht dul­den, ver­harm­lo­sen oder als Pri­vat­sa­che abtun.“

Der Grü­ne Rechts­extre­mis­mus­spre­cher Lukas Ham­mer bezeich­net die FPÖ-Erklä­rung als „zynisch“ und schreibt: „Dass ein FPÖ-Man­da­tar, der enge Kon­tak­te in die rechts­extre­me Sze­ne bis nach Deutsch­land pflegt, wei­ter­hin für die FPÖ im Inns­bru­cker Gemein­de­rat sit­zen kann, ist eine Schan­de.“ SPÖ-Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Klaus Sel­ten­heim sieht in Walchs Teil­nah­me einen wei­te­ren Beleg für ein gewach­se­nes Netz­werk zwi­schen FPÖ und Identitären.

Auch die Tiro­ler ÖVP übt deut­li­che Kri­tik. Klub­ob­mann Sebas­ti­an Kol­land fragt FPÖ-Chef Mar­kus Abwerz­ger, wie lan­ge der extre­mis­ti­sche Flü­gel der Lan­des­par­tei wei­ter „unbe­hel­ligt schal­ten und wal­ten“ dürfe.

Die „Tiro­ler Tages­zei­tung“ (28.7.26) beschreibt Walch inzwi­schen als wach­sen­de Belas­tung für die Tiro­ler FPÖ. Selbst aus Par­tei­krei­sen sei zu hören, dass man sich stän­dig für ihn recht­fer­ti­gen müs­se. Abwerz­ger schwieg gegen­über dem ORF zum jüngs­ten Fall. Die Lan­des­par­tei schick­te dafür ihren Gene­ral­se­kre­tär Patrick Haslwan­ter vor.

Die unpolitische Reise ins politische Herz der Neuen Rechten

Haslwan­ter erklär­te gegen­über dem ORF Walchs Auf­ent­halt zur „rei­nen Pri­vat­rei­se“. FPÖ-Mit­glie­der und Funk­tio­nä­re wür­den „weder gechippt noch dazu ver­pflich­tet, Pri­vat­rei­sen von der Lan­des­par­tei geneh­mi­gen zu las­sen oder ande­ren Stel­len zu mel­den“. Der Satz beant­wor­tet eine Fra­ge, die nie­mand gestellt hat. Weder Stoppt die Rech­ten noch die übri­gen Kritiker:innen ver­lang­ten eine Rei­se­ge­neh­mi­gung oder eine elek­tro­ni­sche Über­wa­chung frei­heit­li­cher Funktionäre.

Schnellroda 11,.7.26: Fabian Walch mit Ehefrau, links dahinter Melanie Mair (Foto: recherche-nord)
Schnell­ro­da 11,.7.26: Fabi­an Walch mit Ehe­frau, links dahin­ter Mela­nie Mair (Foto: recher­che-nord)

Der Hin­weis auf den pri­va­ten Cha­rak­ter soll Walchs Besuch poli­tisch ent­ker­nen. Dafür eig­net er sich nicht annä­hernd. Ein gewähl­ter Man­da­tar kann pri­vat zu einer Demons­tra­ti­on, einem Par­tei­tag oder einem Ver­net­zungs­tref­fen rei­sen. Die poli­ti­sche Aus­sa­ge ent­steht durch das Ziel, den Ver­an­stal­ter und das Umfeld. Walch fuhr zum jähr­li­chen Som­mer­fest von Götz Kubit­scheks Ver­lag Antai­os, einer zen­tra­len Insti­tu­ti­on der deutsch­spra­chi­gen Neu­en Rech­ten. Ob er sei­ne Rei­se­kos­ten selbst bezahl­te, ist für die­se Ein­ord­nung belanglos.

Die angeblich unbekannten Schnellroda-Gäste

Noch dün­ner fällt Haslwan­ters zwei­te Ver­tei­di­gungs­li­nie aus. Walch habe vor­ab unmög­lich „eru­ie­ren“ kön­nen, wer anwe­send sein wer­de. Immer­hin hät­ten „Hun­der­te Poli­ti­ker aus ganz Euro­pa“ teilgenommen.

Abge­se­hen davon, dass es kei­ne Hun­dert­schaf­ten an Politiker:innen waren, die nach Schnell­ro­da pil­ger­ten, braucht nie­mand – und auch nicht Walch – für die poli­ti­sche Ein­ord­nung eine Gäs­te­lis­te. Ver­an­stal­ter, Ort und Funk­ti­on des Som­mer­fests sind seit Jah­ren bekannt und bes­tens doku­men­tiert. Schnell­ro­da ist Kubit­scheks Zen­trum für Ver­lags­ar­beit, Ideo­lo­gie­pro­duk­ti­on und Ver­net­zung. Antai­os ver­treibt jene Lite­ra­tur, die Walch selbst regel­mä­ßig prä­sen­tiert und emp­fiehlt. Regel­mä­ßig prä­sen­tiert er auf X neue Bücher aus dem Ver­lag für sei­ne pri­va­te Lek­tü­re. Wer eine sol­che Rei­se plant, fährt mit vol­ler Absicht zu einem Ver­net­zungs­tref­fen von AfD-Funktionär:innen, ande­ren Rechtsaußen-Politiker:innen, Iden­ti­tä­ren, Neo­na­zis, neu­rech­ten Publi­zis­ten und ein­schlä­gi­gen Aktivist:innen.

Walchs konsequenter Weg nach Rechtsaußen

Schnell­ro­da bil­det ein kon­se­quen­tes Rei­se­ziel in Walchs poli­ti­scher Bio­gra­fie. 2023 besuch­te er den „Berg-Kon­gress“ des Ver­eins Hay­mon, bei dem Iden­ti­tä­re und wei­te­re Rechts­extre­me zusam­men­tra­fen. Im März 2026 trat er bei der Bur­schen­schaft Cru­xia gemein­sam mit dem Iden­ti­tä­ren Chris­toph Albert auf. Walch pro­pa­giert seit Jah­ren „Remi­gra­ti­on“, ver­brei­tet die Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung vom „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“, ver­tei­digt Sell­ner und über­nimmt den Duk­tus iden­ti­tä­rer Accounts.

Haslwan­ters Stel­lung­nah­me schei­tert damit am poli­ti­schen Gesamt­bild. Walch beweg­te sich erneut in einem Milieu, des­sen Begrif­fe, Akteu­re und Publi­ka­tio­nen sei­ne eige­ne Arbeit seit Jah­ren prä­gen. Die Tiro­ler FPÖ kennt die­sen Weg. Sie schützt Walch wei­ter­hin mit Aus­flüch­ten. Dass nun aus­ge­rech­net der Tiro­ler Par­tei­chef Mar­kus Abwerz­ger zum Han­deln auf­ge­ru­fen wird, ist nicht ohne Iro­nie: Die von der Staats­an­walt­schaft Inns­bruck gegen ihn ange­streng­ten Ermitt­lun­gen wegen des Ver­dachts auf Ver­het­zung sol­len abge­schlos­sen sein. Wer wird zum Han­deln auf­ge­ru­fen, falls es zu einer Ankla­ge kommt?

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Schlagwörter: FPÖ | Identitäre | Neonazismus/Neofaschismus | Rechtsextremismus | Tirol | Weite Welt

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