Kritik von ÖVP, SPÖ und Grünen
Die von Stoppt die Rechten dokumentierte Teilnahme des Innsbrucker FPÖ-Gemeinderats am Sommerfest des Verlags Antaios in Schnellroda löste binnen eines Tages breite politische Reaktionen aus. Der ORF (28.7.26) griff die Recherche auf und berichtete über Walchs Besuch bei dem Treffen, dessen Veranstalter der deutsche Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft. Auf den Fotos von recherche-nord sind neben Walch unter anderem Martin Sellner, weitere Identitäre, Neonazis und Vertreter des äußersten rechten Spektrums zu sehen.
Innsbrucks SPÖ-Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr fordert Konsequenzen und hält Walch im Gemeinderat für untragbar. Auch der SPÖ-Gemeinderat Dominik Pittracher verweist auf Walchs Desinteresse an Verbesserungen für die Stadt Innsbruck und stellt fest: „Wer von sich behauptet, fest auf dem Boden unserer Verfassung zu stehen, kann solche Umtriebe nicht dulden, verharmlosen oder als Privatsache abtun.“
Der Grüne Rechtsextremismussprecher Lukas Hammer bezeichnet die FPÖ-Erklärung als „zynisch“ und schreibt: „Dass ein FPÖ-Mandatar, der enge Kontakte in die rechtsextreme Szene bis nach Deutschland pflegt, weiterhin für die FPÖ im Innsbrucker Gemeinderat sitzen kann, ist eine Schande.“ SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim sieht in Walchs Teilnahme einen weiteren Beleg für ein gewachsenes Netzwerk zwischen FPÖ und Identitären.
Auch die Tiroler ÖVP übt deutliche Kritik. Klubobmann Sebastian Kolland fragt FPÖ-Chef Markus Abwerzger, wie lange der extremistische Flügel der Landespartei weiter „unbehelligt schalten und walten“ dürfe.
Die „Tiroler Tageszeitung“ (28.7.26) beschreibt Walch inzwischen als wachsende Belastung für die Tiroler FPÖ. Selbst aus Parteikreisen sei zu hören, dass man sich ständig für ihn rechtfertigen müsse. Abwerzger schwieg gegenüber dem ORF zum jüngsten Fall. Die Landespartei schickte dafür ihren Generalsekretär Patrick Haslwanter vor.
Die unpolitische Reise ins politische Herz der Neuen Rechten
Haslwanter erklärte gegenüber dem ORF Walchs Aufenthalt zur „reinen Privatreise“. FPÖ-Mitglieder und Funktionäre würden „weder gechippt noch dazu verpflichtet, Privatreisen von der Landespartei genehmigen zu lassen oder anderen Stellen zu melden“. Der Satz beantwortet eine Frage, die niemand gestellt hat. Weder Stoppt die Rechten noch die übrigen Kritiker:innen verlangten eine Reisegenehmigung oder eine elektronische Überwachung freiheitlicher Funktionäre.

Der Hinweis auf den privaten Charakter soll Walchs Besuch politisch entkernen. Dafür eignet er sich nicht annähernd. Ein gewählter Mandatar kann privat zu einer Demonstration, einem Parteitag oder einem Vernetzungstreffen reisen. Die politische Aussage entsteht durch das Ziel, den Veranstalter und das Umfeld. Walch fuhr zum jährlichen Sommerfest von Götz Kubitscheks Verlag Antaios, einer zentralen Institution der deutschsprachigen Neuen Rechten. Ob er seine Reisekosten selbst bezahlte, ist für diese Einordnung belanglos.
Die angeblich unbekannten Schnellroda-Gäste
Noch dünner fällt Haslwanters zweite Verteidigungslinie aus. Walch habe vorab unmöglich „eruieren“ können, wer anwesend sein werde. Immerhin hätten „Hunderte Politiker aus ganz Europa“ teilgenommen.
Abgesehen davon, dass es keine Hundertschaften an Politiker:innen waren, die nach Schnellroda pilgerten, braucht niemand – und auch nicht Walch – für die politische Einordnung eine Gästeliste. Veranstalter, Ort und Funktion des Sommerfests sind seit Jahren bekannt und bestens dokumentiert. Schnellroda ist Kubitscheks Zentrum für Verlagsarbeit, Ideologieproduktion und Vernetzung. Antaios vertreibt jene Literatur, die Walch selbst regelmäßig präsentiert und empfiehlt. Regelmäßig präsentiert er auf X neue Bücher aus dem Verlag für seine private Lektüre. Wer eine solche Reise plant, fährt mit voller Absicht zu einem Vernetzungstreffen von AfD-Funktionär:innen, anderen Rechtsaußen-Politiker:innen, Identitären, Neonazis, neurechten Publizisten und einschlägigen Aktivist:innen.
Walchs konsequenter Weg nach Rechtsaußen
Schnellroda bildet ein konsequentes Reiseziel in Walchs politischer Biografie. 2023 besuchte er den „Berg-Kongress“ des Vereins Haymon, bei dem Identitäre und weitere Rechtsextreme zusammentrafen. Im März 2026 trat er bei der Burschenschaft Cruxia gemeinsam mit dem Identitären Christoph Albert auf. Walch propagiert seit Jahren „Remigration“, verbreitet die Verschwörungserzählung vom „Bevölkerungsaustausch“, verteidigt Sellner und übernimmt den Duktus identitärer Accounts.
Haslwanters Stellungnahme scheitert damit am politischen Gesamtbild. Walch bewegte sich erneut in einem Milieu, dessen Begriffe, Akteure und Publikationen seine eigene Arbeit seit Jahren prägen. Die Tiroler FPÖ kennt diesen Weg. Sie schützt Walch weiterhin mit Ausflüchten. Dass nun ausgerechnet der Tiroler Parteichef Markus Abwerzger zum Handeln aufgerufen wird, ist nicht ohne Ironie: Die von der Staatsanwaltschaft Innsbruck gegen ihn angestrengten Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verhetzung sollen abgeschlossen sein. Wer wird zum Handeln aufgerufen, falls es zu einer Anklage kommt?
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