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Lesezeit: 5 Minuten

Christian Machek: Ein recht extremer Gottesdiener für die AfD

Der Wie­ner Chris­ti­an Machek war ÖVP-nah, schrieb für Möl­zers „Zur Zeit“, saß im Suwo­row-Insti­tut und wirbt heu­te für theo­kra­ti­sche, auto­ri­tä­re Ord­nungs­ideen wie jene vom Iran. Nun arbei­tet er als reli­gi­ons­po­li­ti­scher Refe­rent in der AfD-Frak­ti­on – mit bes­ten Refe­ren­zen aus dem rech­ten Gottesstaats-Milieu.

15. Juni 2026
Christian Machek bei der AfD-Veranstaltung "Die rechte Ordnung der Liebe". Links neben ihm David Engels (YouTube AfD 21.5.26)
Christian Machek bei der AfD-Veranstaltung "Die rechte Ordnung der Liebe". Links neben ihm David Engels (YouTube AfD 21.5.26)

Viele Stationen bis zur AfD-Fraktion

Sei­ne Selbst­dar­stel­lung lässt schon erah­nen, wohin die Rei­se geht. Als Stu­dent noch poli­tisch im Umfeld der ÖVP, dann Prak­ti­kant bei Andre­as Möl­zer im Euro­päi­schen Par­la­ment und jetzt – im Alter von 48 Jah­ren – die vor­läu­fi­ge Krö­nung einer stramm rech­ten christ­li­chen Kar­rie­re: Chris­ti­an Machek ist bei der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Nico­le Höchst (die er als „reli­gi­ons­po­li­ti­scher Spre­cher der AfD” vor­stellt) zum reli­gi­ons­po­li­ti­schen Refe­ren­ten in der AfD-Frak­ti­on avan­ciert. Sym­pa­thien für theo­kra­ti­sche und auto­ri­tä­re Sys­te­men waren da wohl Nachteil.

Der Lebens­lauf von „Mag. Dr. Chris­ti­an Machek M.A.“ umfasst vie­le Sta­tio­nen. Die letz­te bei der AfD fehlt noch. Eine ande­re eben­falls: die beim Suwo­row-Insti­tut. Die­se äußerst klei­ne pro­rus­si­sche und rechts­extre­me Pro­pa­gan­da-Ein­rich­tung haben wir bereits vor Jah­ren als „fünf­te Kolon­ne Putins“ vor­ge­stellt. Das war viel­leicht zu hoch gegrif­fen, denn es ist eher ein Forum zur Ver­brei­tung von rechts­extre­men Ideen, ins­be­son­de­re des rus­si­schen Neo­fa­schis­ten Alex­an­der Dugin. Machek war bis Juli 2016 Vor­stands­mit­glied des Suwo­row-Insti­tuts, wie in der Stu­die „Rus­si­an Con­nec­tions of the Aus­tri­an Far-Right“ zu erfah­ren ist.

Die „entmannte Amtskirche“

In einem Leser­brief an die Möl­zer-Pos­til­le „Zur Zeit“ (21.12.2024), für die Machek auch Bei­trä­ge ver­fasst hat, schwur­belt er vom „Ver­sa­gen der ent­mann­ten Amtskirche(n)“, die ihrem Auf­trag, die Bot­schaft von Got­tes Reich zu ver­brei­ten, nicht nach­kom­me, eines Rei­ches „auch des Frie­dens mit Russ­land“. Nach wei­te­rem Gerau­ne folgt der irri­tie­ren­de Hin­weis: „Somit ist auch jeder Ein­satz für die Bewah­rung der Hei­mat Got­tes­dienst.“ Krieg als Got­tes­dienst? Gilt das auch für die Ukraine?

Für den Iran sicher, denn Machek beschreibt sich selbst als „Mit­be­grün­der des ViQo-Cir­cle for Catholic-Shi’a Dia­lo­gue on Reli­gi­on, Phi­lo­so­phy and Poli­ti­cal Theo­ry“. Hin­ter dem Kür­zel „ViQo“ ver­steckt sich „Vien­na-Qom“, was auf die gleich­na­mi­ge Stadt im Iran ver­weist, aber eigent­lich gewich­ti­ge Mul­lahs von dort meint. Was da als reli­giö­ser Dia­log ange­prie­sen wird, ist eine Gesprächs­run­de zwi­schen reli­giö­sen Ver­tre­tern des theo­kra­ti­schen und auto­ri­tär-repres­si­ven ira­ni­schen Regimes und Ver­tre­tern des Neo-Inte­gra­lis­mus aus Deutsch­land und Öster­reich.*

Chris­ti­an Machek spielt beim „ViQo-Cir­cle“ als „Mit­be­grün­der“ und Mit­glied eine gewich­ti­ge Rol­le. Aus Öster­reich eben­falls mit dabei ist der Hei­li­gen­kreu­zer Zis­ter­zi­en­ser­pa­ter Edmund Wald­stein, einer der Chef­ideo­lo­gen des katho­li­schen Neo-Integralismus.

Legitimierung des islamischen Gottesstaates

Aus dem März 2026 stammt eine Stel­lung­nah­me des ViQo-Cir­cle zum Krieg der USA gegen den Iran. Sie ist nicht gezeich­net, wird also ver­mut­lich von allen (elf?) Mit­glie­dern unter­stützt. Es ver­ur­teilt sehr ent­schie­den den Angriff der USA, vor allem die Tötung des reli­giö­sen und poli­ti­schen Füh­rers („The ViQo Cir­cle stron­gly con­demns the unjust war of aggres­si­on against Iran and the ass­as­si­na­ti­on of His Emi­nence Imam Kha­men­ei, Supre­me Lea­der of Iran Kha­men­ei“), erwähnt aber Isra­el (das die töd­li­che Atta­cke auf Ali Kha­men­ei aus­ge­führt hat) mit kei­nem Wort – wohl, weil der Iran Isra­el die Exis­tenz und das Exis­tenz­recht abspricht. In der Erklä­rung fehlt – so wie in allen ande­ren Doku­men­ten – jede Ver­ur­tei­lung, sogar lei­se Kri­tik an dem Ter­ror, den das ira­ni­sche Got­tes-Regime gegen­über sei­ner Bevöl­ke­rung ausübt.

Im Gegen­teil: Der isla­mi­sche Got­tes­staat wird sogar legi­ti­miert. „Poli­ti­cal aut­ho­ri­ty, even when exer­cis­ed imper­fect­ly, is unders­tood to deri­ve ulti­m­ate­ly from God“ („Poli­ti­sche Auto­ri­tät, selbst wenn sie unvoll­kom­men aus­ge­übt wird, wird letzt­lich als von Gott abge­lei­tet ver­stan­den”), heißt es in dem Pam­phlet, und es sei die „all­ge­mei­ne Mei­nung in ande­ren Tei­len der Welt, dass der Wes­ten unter einer Epi­de­mie mora­li­scher Deka­denz lei­det“ („The com­mon opi­ni­on in other parts of the world that the West is suf­fe­ring from an epi­de­mic of moral deca­dence”). Das ist zwar fei­ge for­mu­liert, weil die­ses Mind­set „ande­ren Tei­len der Welt“ zuge­schrie­ben wird, aber exakt dem ent­spricht, was die ira­ni­schen und öster­rei­chi­schen Theo­kra­tie-Fans denken.

Mit Renovatio gegen Rechtsstaat und Demokratie

Was im Lebens­lauf des Chris­ti­an Machek auch noch fehlt, ist sei­ne Tätig­keit für das „Reno­va­tio-Insti­tut für kul­tu­rel­le Resi­li­enz“. Ein Insti­tut war es wohl nicht, son­dern eine Web­site, die zwi­schen 2020 und 2023 online war, dann aber ver­schwand und so gründ­lich gesäu­bert wur­de, dass nicht ein­mal über Way­back etwas zu fin­den ist. Als Prot­ago­nis­ten von „Reno­va­tio“ tra­ten Simon Wun­der und Chris­ti­an Machek auf. „Reno­va­tio“ hat jen­seits der Selbst­aus­lö­schung nur wenig Reso­nanz bei ande­ren gefun­den. Der Poli­tik­wis­sen­schaf­ter Mar­kus Lin­den beschrieb es in der FAZ (28.10.21) zusam­men­fas­send so:

Das Reno­va­tio-Insti­tut ist Teil der inter­na­tio­nal ver­netz­ten Sze­ne eines gegen­re­vo­lu­tio­nä­ren Kon­ser­va­tis­mus, der Gewal­ten­tei­lung und Rechts­staat über­win­den will. Die­sem Riva­len hat der demo­kra­ti­sche Kon­ser­va­tis­mus kaum einen Gedan­ken ent­ge­gen­zu­set­zen und bis­lang viel­leicht auch zu wenig Auf­merk­sam­keit geschenkt.

Der Blog „Doku­men­tie­ren gegen Rechts“ setz­te sich vor allem mit der homo­pho­ben „Renovatio“-Schrift „Der Män­ner­bund. Trä­ger und Bewah­rer des Gemein­we­sens“ aus­ein­an­der und kam zu dem Schluss: „Es ist ein toxi­sches Bild von Männ­lich­keit und männ­li­chem Ver­hal­ten, gepaart mit einer neo­fa­schis­ti­schen Ideo­lo­gie und christ­li­chem Fun­da­men­ta­lis­mus.“

Das Nach­fol­ge­pro­jekt „Euro­pa Aeter­na“ ist nicht mehr bloß ein „Insti­tut“, son­dern schmückt sich stolz mit dem Attri­but „Aka­de­mie für poli­ti­sche Phi­lo­so­phie“. Ihr Sitz ist in Wien. Die Adres­se, ver­mut­lich der Wohn­sitz ihres Geschäfts­füh­rers Chris­ti­an Machek, ist auch die Anschrift des Ver­eins „Lie­be Ortho­dox – Ver­ein für ortho­do­xe Sin­gles und zur För­de­rung ortho­do­xer Fami­li­en­wer­te“. Ideo­lo­gisch ist kei­ne Ver­än­de­rung zur „Reno­va­tio“ erkennbar.

Das theo­lo­gi­sche Por­tal „fein­schwarz“ schreibt über „Euro­pa Aeter­na“ und Machek:

Zahl­rei­che Arti­kel votie­ren gegen libe­ra­le demo­kra­tisch-men­schen­rechts­ba­sier­te Staats­for­men (eben­so wie gegen die Auf­klä­rung und ihre Idea­le) und für hier­ar­chisch-stän­di­sche, aris­to­kra­tisch-mon­ar­chis­ti­sche und auto­ri­tä­re Gesell­schafts­ord­nun­gen, ori­en­tiert am Ide­al eines katho­lisch domi­nier­ten Got­tes­staa­tes. Beson­ders pla­ka­tiv geschieht dies in Tex­ten der Rubrik Ideologieforschung/Gegenwartsanalysen, die jede pseu­do-aka­de­mi­sche Zurück­hal­tung im Sprach­ge­brauch fal­len las­sen, ganz unge­niert das Ver­schwö­rungs­nar­ra­tiv einer die Welt­po­li­tik domi­nie­ren­den links­to­ta­li­tär-glo­ba­lis­ti­schen Macht­ha­ber-Eli­te bespie­len (so Geschäfts­füh­rer Chris­ti­an Machek).

„Rechte Ordnung der Liebe“ im Bundestag

Das taugt qua­si als per­fek­tes Bewer­bungs­schrei­ben für den Job bei der AfD, bei der sich Machek schon sei­ne ers­ten Spo­ren erwer­ben konn­te, indem er im Mai die Tagung „Die rech­te Ord­nung der Lie­be, christ­li­che Prin­zi­pi­en für die heu­ti­ge Poli­tik“ (ein)leiten und auch sei­ne Duft­mar­ken im Deut­schen Bun­des­tag hin­ter­las­sen durf­te: „Was mich in die­sem Haus noch mehr ver­wun­dert ist, dass gewis­se Poli­ti­ker die wun­der­ba­ren star­ken Damen der Oppo­si­ti­ons­par­tei­en nicht ein­mal grü­ßen kön­nen, aber sehr wohl zwei­fel­haf­te Gestal­ten aus Syri­en etwa.“

Ein ande­rer Satz aus sei­ner Ein­lei­tung gibt ver­mut­lich nicht nur dem ver­sam­mel­ten rech­ten Publi­kum Rät­sel auf: „Es geht ein­mal um das Heil, um das See­len­heil, ein Gedan­ke, den wir bei Jesus fin­den, aber auch etwa bei Jesus Christus.“

*Eine geraff­te Dar­stel­lung der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung (CDU) zum Begriff „Neo-Inte­gra­lis­mus“: NEO-INTEGRALISMUS – Eine Gefahr für die libe­ra­le Demokratie

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Schlagwörter: AfD | Rechtsextremismus | Rechtskonservatismus/Rechtskatholizismus | Weite Welt | Wien

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