Bad Ischl-Wels/OÖ: „Heil Hitler“-Gebrüll aus „Notwehr“
Am Landesgericht Wels ist am 9. April der 28-jährige David S. wegen Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz verurteilt worden. Ausgangspunkt war ein Vorfall beim Glöcklerlauf in Bad Ischl am 5. Jänner. Laut Anklage und Polizeiwahrnehmung rief S. dort jeweils zweimal „Heil Hitler!“ und „Was der Hitler gmocht hot, woar recht“. Ein Polizeibeamter sagte als Zeuge aus, die Rufe seien in mittlerer Lautstärke gut hörbar gewesen, 50 bis 60 Personen hätten sie wahrnehmen können. Festgenommen wurde S., nachdem er auch die zweite Parole gerufen hatte.
Der Angeklagte bekannte sich zwar schuldig, versuchte die Tat aber zugleich mit einer eigentümlichen Geschichte zu erklären. Er habe seinen Bruder verloren, sei deshalb traumatisiert, er habe Alkohol, Cannabis und andere Drogen konsumiert. Als er angerempelt wurde, sei er in Panik geraten und habe nach einer Auseinandersetzung mit zwei „ausländisch aussehenden“ Männern überlegt, „vor was Ausländer Angst“ hätten. Deshalb habe er die NS-Parolen gerufen. Der Verteidiger machte daraus eine Art „Notwehrsituation“ und behauptete, sein Mandant sei „kein Rechtsradikaler, eher sogar ein Linker“. Der Staatsanwalt hielt dem trocken entgegen, er habe in zehn Jahren noch nie gehört, dass jemand mit „Heil Hitler“ eine Situation deeskalieren wollte.
Entscheidend war, dass diese Version im Beweisverfahren keine Deckung fand. Der Zeuge von der Polizei beobachtete keine Panik, sondern ein eher normales Verhalten des Angeklagten. Zwar wurden bei einer Hausdurchsuchung keine NS-Gegenstände gefunden, das half S. am Ende aber ebenso wenig wie die Bitte des Verteidigers um Freispruch. Die Geschworenen beantworteten die Schuldfrage einstimmig mit 8:0. Das Gericht verhängte die Mindeststrafe von zwölf Monaten Haft, bedingt auf drei Jahre. Mildernd wertete das Gericht die Unbescholtenheit und die teilweise Geständigkeit. Das Urteil ist rechtskräftig.
Wir danken für die Prozessbeobachtung!
Feldkirch/V: Diversion nach Hetze gegen Ukraine
Ein 68-jähriger Pensionist aus dem Vorarlberger Oberland stand am 10. April vor Gericht, weil er in einer öffentlich zugänglichen prorussischen Telegram-Gruppe mit mehr als 70.000 Mitgliedern zu Hass und Gewalt gegen Ukrainer:innen, Flüchtlinge und Politiker aufgerufen hatte.
„Denen gehört die Matschbirne zertrümmert“, „Dieses Arschloch von Selenskyj, wann wird der endlich getötet!“, „Scheiß Flüchtlinge, können sich nicht benehmen und wollen immer in der ersten Reihe stehen“, „Die Jagd ist eröffnet, sofort an die Wand und hinrichten“, „Man sollte die Politiker abfangen, aufhängen und standrechtlich erschießen“, – das sind nur einige der Kommentare des so bieder wirkenden Angeklagten. (VN, 11.4.26, S. A8)
Der Angeklagte versuchte es zuerst mit der Masche, sein Account sei gehackt worden, bevor er gestand, die Meldungen doch selbst gepostet zu haben. Er sei hochverschuldet und „geistesabwesend“ gewesen und beteuerte, nicht mehr in solchen Gruppen aktiv zu sein. Aufgrund seiner geständigen Haltung und bisherigen Unbescholtenheit wurde ihm eine Diversion gewährt. Er muss im Rahmen der Bewährungshilfe am Programm „Dialog statt Hass“ teilnehmen und steht für zwei Jahre unter Beobachtung der Justiz.
Völkermarkt/K: Mit Hitlergruß und Kuss
Beim 50. Ostertanz der Landjugend St. Stefan/Haimburg in Völkermarkt kam es am 5. April zu einem Vorfall mit dem Zeigen des Hitlergrußes. Wie bereits im Vorjahr wurde in einer öffentlich zugänglichen Fotobox ein einschlägiges Foto aufgenommen; diesmal sind fünf Jugendliche zu sehen: Während sich vier küssen, zeigt eine Person den Hitlergruß, eine weitere Person streckt zwei Mittelfinger in die Kamera. Das betreffende Bild wurde auf Instagram veröffentlicht. Die Polizeiinspektion Völkermarkt leitete von Amts wegen Ermittlungen wegen Wiederbetätigung ein.
(Quelle: meinbezirk.at, 7.4.26)
Telfs/T: Hetzer ausfindig gemacht
Ein 52-jähriger, bislang unbescholtener Mann aus Telfs hat innerhalb eines Jahres mehrfach Zettel mit rassistischen Inhalten verteilt. Nach der dritten Aktion Anfang Jänner konnte ihn die Polizei ausfindig machen. Bei einer Einvernahme zeigte der Mann späte Einsicht und gestand die Taten vollständig. Als Motiv gab er an, persönliche negative Erfahrungen mit Migranten gemacht zu haben und seine aufgestaute Wut durch das Verstreuen der Zettel abgebaut zu haben. Gegen ihn wird nun wegen Verhetzung ermittelt.
Der Mann wurde auf freiem Fuß angezeigt. Der Telfer Vizebürgermeister Johannes Augustin (Neos) will nun in Richtung Täter „die Hand entgegenstrecken“, wie die Tiroler Tageszeitung (9.4.26) berichtet: „Ich würde den Herrn gerne zu einem persönlichen Gespräch einladen, gegebenenfalls mit Vertretern der muslimischen Community, weil ich der Meinung bin, dass man Missstände am besten im Gespräch miteinander ausräumen kann.“ Dem Mann ist viel Glück zu wünschen!
OÖ/NÖ: Windkraft-Gegner, rechtsextreme Medien und das Geschäft mit der Angst
Zwei aktuelle Recherchen, der „Oberösterreichischen Nachrichten“ (3.4.26) und von „profil“ (12.4.26), zeigen, wie lokale Debatten über Windkraft von überregional vernetzten Gegner:innen gekapert wurden. Im Zentrum stehen Desinformation, anonyme Mobilisierung und Akteure aus einem Milieu, das bis zur FPÖ und in rechtsextrem anschlussfähige Medien reicht.
Die OÖN berichten über einen „Windkraft-Infoabend“ in Handenberg im Bezirk Braunau, der auf mehreren Gemeindehomepages beworben wurde und dadurch den Anschein einer offiziellen, kommunalen Informationsveranstaltung erweckte. Tatsächlich eingeladen hatte aber die „Interessengemeinschaft Weilhartsforst“. Als Referent sollte Florian Machl, Betreiber von „Report24“ auftreten.
Der OÖN-Bericht verweist darauf, dass die Gemeinden die Veranstaltung offenkundig ungeprüft in ihre Kalender übernahmen und sich erst nachträglich davon distanzierten. Zugleich wird deutlich, wie unklar die Strukturen der organisierenden „Interessengemeinschaft“ sind. Ein konkretes Windkraftprojekt im Weilhartsforst gebe derzeit noch gar nicht. Mobilisiert wird also bereits in einer Phase, in der noch kein konkretes Vorhaben vorliegt.
„profil“ beschreibt ein sehr ähnliches Muster im niederösterreichischen Burgschleinitz-Kühnring. Dort scheiterte ein Projekt mit drei Windrädern bei einer Bürgerbefragung denkbar knapp. Laut „profil“ wurden die Haushalte vor der Abstimmung mit Flugblättern, Postwürfen und Einladungen zu Informationsveranstaltungen überhäuft, in denen Desinformation über angebliche Gesundheitsgefahren, Infraschall, Trinkwassergefährdung und massenhaft verendende Tiere verbreitet wurde. Ein Teil des Materials war anonym, anderes stammte von der lokalen FPÖ, von der IG Waldviertel oder von einer „Bürgerinitiative Burgschleinitz-Kühnring“, deren tatsächliche Existenz selbst in der Gemeinde unklar blieb.
„profil“ rekonstruiert, dass das Projekt schon bei einer Dialogveranstaltung im Februar von Gegner:innen attackiert wurde, die dort ein Sonderheft des rechtsextremen Magazins „Info-Direkt“ verteilen wollten. Parallel wurde online mobilisiert, unter anderem über „Report24“. „profil“ verweist auf Überschneidungen zwischen Windkraftgegner:innen, Verschwörungsideologen und rechtsextremen Akteuren. Am Ende steht in Burgschleinitz-Kühnring eine knappe Ablehnung, von der der Verbund annimmt, dass sie durch gezielte Desinformationskampagnen von außen entscheidend beeinflusst wurde.
Zusammengenommen zeichnen beide Recherchen ein klares Bild: Windkraftkonflikte werden von organisierten Gegner:innen als Einfallstor genutzt, um mit Falschbehauptungen, verschwimmenden Verantwortlichkeiten und politisch aufgeladenen Erzählungen Stimmung zu machen. Dass dabei ausgerechnet Akteure aus dem Umfeld von Report24, Info-Direkt und FPÖ-nahen Netzwerken auftauchen, ist Teil eines Musters. Aus lokalen Infrastrukturfragen werden so Kampffelder einer rechten Mobilisierung, die weit über die betroffenen Gemeinden hinausreicht.
Dazu passt, dass das schwarz-blau regierte Land Oberösterreich die Flächen für sogenannte Beschleunigungszonen für Windkraft reduziert. Eine geplante Zone im Mühlviertel beim bestehenden Windpark Sternwald wird gestrichen. Grund dafür seien Bedenken aus Tschechien hinsichtlich möglicher negativer Auswirkungen auf grenznahe Naturschutzgebiete sowie auf verschiedene Tierarten wie Wolf, Luchs und Elch.
„Was darf Satire?“, fragt der profil-Journalist Jakob Winter auf Bluesky (9.4.26): „Das Land OÖ streicht eine Beschleunigungszone für Windkraft unter anderem mit dem Argument, dass dadurch Wölfe ‚existenziell‘ gefährdet würden. Zur Erinnerung: Oberösterreich hat erst im Vorjahr den Abschuss von Wölfen deutlich erleichtert.“

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