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Harald Ofner: Ein ergänzender Nachruf

Harald Ofner wird nach sei­nem Tod als Ex-Jus­tiz­mi­nis­ter und lang­jäh­ri­ger FPÖ-Poli­ti­ker gewür­digt. Aus dem Blick gera­ten dabei sei­ne Ver­an­ke­rung im deutsch­na­tio­na­len Flü­gel, sei­ne Nähe zu Gott­fried Küs­sel und sein wei­te­res Umfeld weit rechts der Parteigrenze.

10. Apr. 2026
Harald Ofner (commons.wikimedia 2014, Franz Johann Morgenbesser; Nachbearbeitung SdR)
Harald Ofner (commons.wikimedia 2014, Franz Johann Morgenbesser; Nachbearbeitung SdR)

Harald Ofner ist am 8. April 2026 im Alter von 93 Jah­ren gestor­ben. Die FPÖ Nie­der­ös­ter­reich wür­digt ihren ehe­ma­li­gen Frontmann:

FPÖ-NÖ-Lan­des­par­tei­ob­mann Udo Land­bau­er wür­digt Ofner als „her­aus­ra­gen­de Per­sön­lich­keit“, sein Wir­ken als Jus­tiz­mi­nis­ter sei „von Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und einem kla­ren Bekennt­nis zum Rechts­staat getra­gen“ gewe­sen. Als Poli­ti­ker mit Ecken und Kan­ten sei er kon­se­quent für sei­ne Über­zeu­gun­gen ein­ge­stan­den, so Land­bau­er: „Damit hat er Maß­stä­be gesetzt, die weit über sei­ne poli­ti­sche Lauf­bahn hin­aus wir­ken.“ Der frei­heit­li­che Bun­des­par­tei­ob­mann Her­bert Kickl bezeich­ne­te Ofner als Mann mit einem „unzer­brech­li­chen Rück­grat“. Der Ex-Minis­ter sei „ein Patri­ot durch und durch“ gewe­sen. (noen.at, 8.4.26)

Napola, FPÖ-Karriere und rechter Flügel: „Gegen den Ofner bin i a Lamperl.“

Die­se Nach­ru­fe las­sen eini­ges weg. Zu Ofners poli­ti­scher Bio­gra­fie gehö­ren sei­ne Ver­an­ke­rung im deutsch­na­tio­na­len Flü­gel der FPÖ, Kon­tak­te ins Neo­na­zi-Milieu und Auf­trit­te in einem Umfeld, das seit Jahr­zehn­ten Gegen­stand rechts­extre­mis­mus­be­zo­ge­ner For­schung ist.

Ofner, gebo­ren 1932 in Wien, besuch­te wäh­rend der NS-Zeit die Napo­la in Trais­kir­chen, also eine Eli­te­schu­le zur Her­an­bil­dung des Nazi-Füh­rungs­nach­wuch­ses. Nach dem Krieg wur­de er Rechts­an­walt, 1976 FPÖ-Lan­des­par­tei­ob­mann in Nie­der­ös­ter­reich, 1979 Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter und von 1983 bis Jän­ner 1987 in der ers­ten Regie­rungs­be­tei­li­gung der FPÖ Jus­tiz­mi­nis­ter. Der for­ma­le Wer­de­gang ist über­all nach­zu­le­sen. Weni­ger oft erwähnt wird, dass dem „natio­na­len“ Flü­gel der FPÖ zuge­ord­net wurde.

Das vom DÖW her­aus­ge­ge­be­ne „Hand­buch des Öster­rei­chi­schen Rechts­extre­mis­mus“ hielt 1994 (S. 363f.) fest, in der von Ofner gelei­te­ten nie­der­ös­ter­rei­chi­schen FPÖ sei „ein wei­te­res Zen­trum stark rechts­ge­rich­te­ter, ‚natio­na­ler‘ bis rechts­extre­mer Strö­mun­gen“ zu sehen. Über Ofners „natio­na­le“ Ein­stel­lung zitiert das Hand­buch des­sen Vor­gän­ger Fritz Rot­ter-le-Beau mit dem Satz: „Gegen den Ofner bin i a Lamperl.“

Kontakte weit rechts der FPÖ

Das DÖW (Mai 2019) ver­weist auf eine bemer­kens­wer­te Anga­be des Neo­na­zis Gott­fried Küs­sel in der Zeit­schrift „N.S. Heu­te“, wonach er 1980 für die FPÖ in Rei­chen­au an der Rax kan­di­diert habe und mit dem dama­li­gen nie­der­ös­ter­rei­chi­schen FPÖ-Lan­des­ob­mann Harald Ofner „gut bekannt“ gewe­sen sei. Das DÖW-Hand­buch hielt jedoch schon frü­her fest: „Erst im Zuge des Gerichts­ver­fah­rens 1993 wur­de bekannt, daß Gott­fried Küs­sel, Haupt­ak­ti­vist des öster­rei­chi­schen Neo­na­zis­mus, 1980 auf Wunsch von Lan­des­par­tei­ob­mann Dr. Ofner bei der Gemein­de­rats­wahl in Pay­er­bach für die FPÖ kan­di­diert hatte.“

Im sel­ben Hand­buch wird Ofner als Pro­tek­tor des „Reinth­al­ler-Krei­ses“ in der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen FPÖ beschrie­ben. „An der Spit­ze die­ser Rechts­grup­pie­rung stand der bekannt ‚natio­na­le‘ Krem­ser FPÖ-Obmann und Gemein­de­rat Hel­muth Weiss, des­sen Natio­nal­rats­am­bi­tio­nen 1989 an sei­nem öffent­lich aus­ge­spro­che­nen Zwei­fel am Holo­caust scheiterten.“

Dazu führt das Hand­buch ein wei­te­res Detail an: Ofner gab der damals rechts­extre­men bun­des­deut­schen Zeit­schrift „Mut“ ein Inter­view. Sein Gesprächs­part­ner war der Rechts­extre­mist Kon­rad Win­disch, „einst Ofners Vor­ge­setz­ter in dem 1959 wegen Neo­na­zis­mus auf­ge­lös­ten ‚Bund Hei­mat­treu­er Jugend‘“.

Harald Ofner, Norbert Burger, K IV und ein spektakulärer Prozess

Eine Publi­ka­ti­on der KJÖ aus dem März 2010 zitiert Nor­bert Bur­ger, Obmann der 1988 ver­bo­te­nen „Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Par­tei“, über Ofner: Er sei ein Mann, der „in gar nichts unse­rer Welt­an­schau­ung ent­ge­gen­steht, und der das lebt und ver­tritt, was in unse­rem Par­tei­pro­gramm steht, nicht weil er ein heim­li­ches NDP-Mit­glied, son­dern weil er ein ech­ter Deut­scher ist“.

Der „Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Kämp­fer“ schrieb 1994 (Nr. 11–12, S. 7), bei einem Inns­bru­cker „Kom­mers“ im Jahr 1984 hät­te neben NDP-Obmann Nor­bert Bur­ger auch der dama­li­ge FPÖ-Jus­tiz­mi­nis­ter Harald Ofner gespro­chen. Einer ande­ren Quel­le (S. 186) zufol­ge habe Ofner sogar das Haupt­re­fe­rat gehal­ten. Die­sel­be Quel­le nennt auch Ofners Teil­nah­me an einer Weih­nachts­fei­er der Kame­rad­schaft IV, also eines Vete­ra­nen­mi­lieus ehe­ma­li­ger Waffen-SS-Angehöriger.

Das DÖW-Hand­buch bucht jedoch auf Ofners Haben­sei­te, dass er sich wäh­rend sei­ner Minis­ter­zeit von rechts­las­ti­gen Akti­vi­tä­ten weit­ge­hend fern­ge­hal­ten habe und 1986 im Macht­kampf Haider–Steger loy­al zu Ste­ger gestan­den sei. „Die­se Hal­tung brach­te Ofner nicht nur hef­ti­ge Angrif­fe von neo­na­zis­ti­scher Sei­te ein, son­dern führ­te auch zu sei­ner Kalt­stel­lung durch Haider.“

1997, fünf Jah­re vor sei­nem Abtritt von der poli­ti­schen Büh­ne, hat­te Ofner als Rechts­an­walt noch einen Auf­tritt in einem spek­ta­ku­lä­ren Pro­zess: Er ver­tei­dig­te den neben der Mehr­fach­mör­de­rin Elfrie­de Blau­en­stei­ner mit­an­ge­klag­ten Neo­na­zi Harald Schmidt, der damals sie­ben Jah­re Haft wegen Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge und ver­such­tem Betrug kassierte.

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