Keine Partei beschäftigen die Themen „trans” und „woke” so sehr wie die FPÖ. Wie eine Auswertung des Parlamentsdienstes im Auftrag des SPÖ-Abgeordneten Mario Lindner zeigt, sind die Blauen für 85 Prozent aller Nennungen im Hohen Haus verantwortlich. 50 Mal kam „trans/transgender” 2025 in Anträgen der FPÖ vor – über vier Mal so oft wie in allen Anträgen der vier restlichen Parteien. Ganze 95 Prozent der Nennungen von „woke” in Aussendungen seit 2023 stammen von der FPÖ. (standard.at, 3.4.26)
Das grenzt an Besessenheit, urteilt der SPÖ-Abgeordnete Lindner. Es könnte aber auch mit Angst vor der eigenen Sexualität und mit Unsicherheit über die eigene Identität zu tun haben. Natürlich auch mit der Selbstermächtigung einer gefühlten Mehrheit, auf vermeintliche Minderheiten einzudreschen.
Jedenfalls lassen sich Menschen mit diesen Erregungsthemen Menschen so in Rage versetzen, dass sie ihr Hirn komplett ausschalten. Weil Linke und Grüne dafür keinen ausreichenden Nachschub liefern, wird er in den eigenen rechten Giftküchen produziert und in geeigneter Form transportiert.
False-Flag-Projekt „Gesellschaft für Demokratie“
Ein gutes Beispiel dafür ist die „Gesellschaft für Demokratie“ (GfD). Sie will ein „[b]reites Bündnis von Demokrat:innen für eine offene Gesellschaft & allgemeine Impf- und Wehrpflicht“ sein, existiert aber ausschließlich – und wohl nicht zufällig – nur auf Elon Musks Plattform X. Ein Link zu einer Website, der sie auch auf der Plattform ausweist, führt gleichermaßen ins Nirwana wie ihre angebliche Adresse außerhalb der virtuellen Welt: Unter den Linden 198 in Berlin. Diese Hausnummer an der Berliner Prachtstraße gibt es nicht. Die Adresse ist genauso ein Luftschloss wie die Gesellschaft selbst, die natürlich auch im Vereinsregister nicht zu finden ist.

Warum wir diese GfD überhaupt erwähnen? Weil sie immerhin mehr als 13.000 Follower hat und von vielen, vorwiegend Rechten und Leichtgläubigen, für ein linkes Projekt gehalten wird. Die GfD bedient sich nämlich einiger simpler stilistischer Mittel, die linken Stallgeruch verbreiten sollen, den rechten Mist aber nur schlecht verdecken.
So erregt sich am 8.4.26 eine „Fae Joenne Bruckner“, die mit „she oder they“ angesprochen werden will und vorgeblich die „GfD-Expert:in für Hass und Hetze“ ist, über den Begriff „Schwarzfahren“, der „rassistische Kackscheiße“ und unter keinen Umständen akzeptabel sei.

Am selben Tag wird eine Meldung produziert, in der Expert:innen befürchten (!), dass die Spritpreise nach einer Öffnung der Straße von Hormuz sinken und dem Staat dadurch Einnahmen wegbrechen könnten. Deshalb würden die (natürlich ungenannten und wohl erfundenen) Expert:innen eine entsprechende Anhebung der CO2-Steuer befürworten.
Die zahlreichen wütenden Reaktionen auf dieses angebliche „linksgrüne“ Geschreibsel belegen eindrücklich, dass die Meldungen der GfD ernst genommen und unter linksgrünen „woken“ Schwachsinn eingeordnet werden.
Zu diesem vermeintlich „linksgrünen“ Narrativ passt auch der Vorschlag eines kurzen „Lockdowns“ zu Ostern, „bis der Konflikt endet, um Ressourcen zu schonen & die Umwelt zu entlasten. Ausgangs- & Fahrverbote könnten dann z.B. durch Checkpoints durchgesetzt werden.“ Damit werden alle rechten Vorurteile bedient: Verbote, strikte Kontrollen, Umweltentlastung und ein Lockdown als Trigger für alle Plandemie-Schwurbler.

Der „Plagiatsjäger“ versagt
In Österreich ist der selbsternannte Plagiatsjäger Stefan Weber ein eifriger Verbreiter von Tweets der GfD. Viele retweetet er einfach nur ohne Anmerkungen. Bei einigen kommentiert er aber doch: „Wichtig!“ schreibt er zu einem Tweet der GfD vom 3.4., in dem die „GfD-Expert:in für Hass im Netz“ zu einer „kultursensiblen Sprache“ zum „Eierfest“auffordert. „Frohe Festtage“ solle man sagen und nicht „Frohe Ostern“.

„Wichtig!“ befindet der selbsternannte Plagiatsjäger den Schwachsinn also. Glaubt er das wirklich? Sollte er dem „False Flag“-Account auf dem Leim gegangen sein, müsste er als Experte für „Ehrlichkeit“ (er betreibt einen gleichnamigen Blog) auf der Stelle abdanken.
Wer sich als Experte für wissenschaftliche „Ehrlichkeit“ verstanden wissen will, kann das GfD-Geschreibsel allenfalls als (grottenschlechte) Satire lesen. Dann schreibt man aber „Lustig“ und nicht „Wichtig!“ dazu. Vor allem aber müsste ein Experte für „Ehrlichkeit“ wohl auf das False-Flag-Projekt hinweisen.

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