Harald Ofner ist am 8. April 2026 im Alter von 93 Jahren gestorben. Die FPÖ Niederösterreich würdigt ihren ehemaligen Frontmann:
FPÖ-NÖ-Landesparteiobmann Udo Landbauer würdigt Ofner als „herausragende Persönlichkeit“, sein Wirken als Justizminister sei „von Verantwortungsbewusstsein und einem klaren Bekenntnis zum Rechtsstaat getragen“ gewesen. Als Politiker mit Ecken und Kanten sei er konsequent für seine Überzeugungen eingestanden, so Landbauer: „Damit hat er Maßstäbe gesetzt, die weit über seine politische Laufbahn hinaus wirken.“ Der freiheitliche Bundesparteiobmann Herbert Kickl bezeichnete Ofner als Mann mit einem „unzerbrechlichen Rückgrat“. Der Ex-Minister sei „ein Patriot durch und durch“ gewesen. (noen.at, 8.4.26)
Napola, FPÖ-Karriere und rechter Flügel: „Gegen den Ofner bin i a Lamperl.“
Diese Nachrufe lassen einiges weg. Zu Ofners politischer Biografie gehören seine Verankerung im deutschnationalen Flügel der FPÖ, Kontakte ins Neonazi-Milieu und Auftritte in einem Umfeld, das seit Jahrzehnten Gegenstand rechtsextremismusbezogener Forschung ist.
Ofner, geboren 1932 in Wien, besuchte während der NS-Zeit die Napola in Traiskirchen, also eine Eliteschule zur Heranbildung des Nazi-Führungsnachwuchses. Nach dem Krieg wurde er Rechtsanwalt, 1976 FPÖ-Landesparteiobmann in Niederösterreich, 1979 Nationalratsabgeordneter und von 1983 bis Jänner 1987 in der ersten Regierungsbeteiligung der FPÖ Justizminister. Der formale Werdegang ist überall nachzulesen. Weniger oft erwähnt wird, dass dem „nationalen“ Flügel der FPÖ zugeordnet wurde.
Das vom DÖW herausgegebene „Handbuch des Österreichischen Rechtsextremismus“ hielt 1994 (S. 363f.) fest, in der von Ofner geleiteten niederösterreichischen FPÖ sei „ein weiteres Zentrum stark rechtsgerichteter, ‚nationaler‘ bis rechtsextremer Strömungen“ zu sehen. Über Ofners „nationale“ Einstellung zitiert das Handbuch dessen Vorgänger Fritz Rotter-le-Beau mit dem Satz: „Gegen den Ofner bin i a Lamperl.“
Kontakte weit rechts der FPÖ
Das DÖW (Mai 2019) verweist auf eine bemerkenswerte Angabe des Neonazis Gottfried Küssel in der Zeitschrift „N.S. Heute“, wonach er 1980 für die FPÖ in Reichenau an der Rax kandidiert habe und mit dem damaligen niederösterreichischen FPÖ-Landesobmann Harald Ofner „gut bekannt“ gewesen sei. Das DÖW-Handbuch hielt jedoch schon früher fest: „Erst im Zuge des Gerichtsverfahrens 1993 wurde bekannt, daß Gottfried Küssel, Hauptaktivist des österreichischen Neonazismus, 1980 auf Wunsch von Landesparteiobmann Dr. Ofner bei der Gemeinderatswahl in Payerbach für die FPÖ kandidiert hatte.“
Im selben Handbuch wird Ofner als Protektor des „Reinthaller-Kreises“ in der niederösterreichischen FPÖ beschrieben. „An der Spitze dieser Rechtsgruppierung stand der bekannt ‚nationale‘ Kremser FPÖ-Obmann und Gemeinderat Helmuth Weiss, dessen Nationalratsambitionen 1989 an seinem öffentlich ausgesprochenen Zweifel am Holocaust scheiterten.“
Dazu führt das Handbuch ein weiteres Detail an: Ofner gab der damals rechtsextremen bundesdeutschen Zeitschrift „Mut“ ein Interview. Sein Gesprächspartner war der Rechtsextremist Konrad Windisch, „einst Ofners Vorgesetzter in dem 1959 wegen Neonazismus aufgelösten ‚Bund Heimattreuer Jugend‘“.
Harald Ofner, Norbert Burger, K IV und ein spektakulärer Prozess
Eine Publikation der KJÖ aus dem März 2010 zitiert Norbert Burger, Obmann der 1988 verbotenen „Nationaldemokratischen Partei“, über Ofner: Er sei ein Mann, der „in gar nichts unserer Weltanschauung entgegensteht, und der das lebt und vertritt, was in unserem Parteiprogramm steht, nicht weil er ein heimliches NDP-Mitglied, sondern weil er ein echter Deutscher ist“.
Der „Sozialdemokratische Kämpfer“ schrieb 1994 (Nr. 11–12, S. 7), bei einem Innsbrucker „Kommers“ im Jahr 1984 hätte neben NDP-Obmann Norbert Burger auch der damalige FPÖ-Justizminister Harald Ofner gesprochen. Einer anderen Quelle (S. 186) zufolge habe Ofner sogar das Hauptreferat gehalten. Dieselbe Quelle nennt auch Ofners Teilnahme an einer Weihnachtsfeier der Kameradschaft IV, also eines Veteranenmilieus ehemaliger Waffen-SS-Angehöriger.
Das DÖW-Handbuch bucht jedoch auf Ofners Habenseite, dass er sich während seiner Ministerzeit von rechtslastigen Aktivitäten weitgehend ferngehalten habe und 1986 im Machtkampf Haider–Steger loyal zu Steger gestanden sei. „Diese Haltung brachte Ofner nicht nur heftige Angriffe von neonazistischer Seite ein, sondern führte auch zu seiner Kaltstellung durch Haider.“
1997, fünf Jahre vor seinem Abtritt von der politischen Bühne, hatte Ofner als Rechtsanwalt noch einen Auftritt in einem spektakulären Prozess: Er verteidigte den neben der Mehrfachmörderin Elfriede Blauensteiner mitangeklagten Neonazi Harald Schmidt, der damals sieben Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge und versuchtem Betrug kassierte.
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