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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Über den Maaßen peinlich und rechts

Gehei­me Tref­fen mit Son­nen­bril­le, ein Neo­na­zi als Ghost-Pro­du­cer und eine Par­tei im Auf­ruhr: Der Ex-Chef des deut­schen Ver­fas­sungs­schut­zes, Hans-Georg Maa­ßen, stol­pert über sei­ne Tik­Tok-Akti­vi­tä­ten – und die „Wer­te­uni­on“ gleich mit. Heu­te könn­te ihr För­der­ver­ein die nächs­te Run­de des Macht­kampfs einläuten.

4. Okt. 2025
Erik Ahrens outet Hans Georg Maaßen als seinen ehemaligen Kunden (Screenshot Video Ahrens, TG)
Erik Ahrens outet Hans Georg Maaßen als seinen ehemaligen Kunden (Screenshot Video Ahrens, TG)

Es wäre lite­ra­ri­scher Stoff vom Feins­ten: Der abge­half­ter­te Ex-Chef eines Geheim­diens­tes beauf­tragt einen Neo­na­zi damit, für sich und sei­ne Mini-Par­tei Wer­be­vi­de­os zu dre­hen. Weil der Neo­na­zi bekannt ist wie ein bun­ter Hund, muss er zu den Dreh­ter­mi­nen getarnt mit Son­nen­bril­le und Müt­ze erschei­nen. Der Neo­na­zi dik­tiert dem Ex-Geheim­dienst­chef das Skript für die Vide­os. Die Koope­ra­ti­on fliegt auf, in der Mini-Par­tei spielt’s Ram­bazam­ba. Das ist aber nicht Fik­ti­on, son­dern Rea­li­tät in Deutschland.

Die meis­ten deut­schen Medi­en berich­ten nicht über die in mehr­fa­cher Hin­sicht pein­li­chen und ver­stö­ren­den Ereig­nis­se rund um die Mini-Par­tei „Wer­te­uni­on“ und deren Vor­sit­zen­den, den Ex-Ver­fas­sungs­dienst­chef Hans-Georg Maa­ßen. Maa­ßen, der schon in der Zeit als Prä­si­dent des deut­schen Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz deut­lich rech­te Posi­tio­nen ver­trat, ist nach sei­ner Ver­set­zung in den vor­läu­fi­gen Ruhe­stand, immer wei­ter nach rechts gewan­dert, bis ihn schließ­lich sein frü­he­rer Arbeit­ge­ber 2024 als Beob­ach­tungs­ob­jekt im Bereich Rechts­extre­mis­mus aufnahm.

Die Ant­wort auf die Fra­ge, wie es zu sei­ner Koope­ra­ti­on mit dem damals bereits in den offe­nen Neo­na­zis­mus abge­rutsch­ten Erik Ahrens kam, lie­fert Maa­ßen jetzt selbst nach den Ent­hül­lun­gen durch Ahrens. Weil Maa­ßen für sich und sei­ne in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit schlit­tern­de „Wer­te­uni­on“ Reich­wei­te auf Tik­Tok gesucht habe, enga­gier­te er Erik Ahrens. Ahrens, der mitt­ler­wei­le behaup­tet, aus der rechts­extre­men Sze­ne aus­ge­stie­gen zu sein, ist durch sei­ne Vide­os für den AfD-Abge­ord­ne­ten Maxi­mi­li­an Krah und sei­ne Teil­nah­me am Pots­da­mer Tref­fen in der Vil­la Adlon bekannt­ge­wor­den. Poli­tisch hat er eini­ge Häu­tun­gen hin­ter sich, dar­un­ter auch eine als beken­nen­der Neo­na­zi. Aus­ge­rech­net in die­ser Pha­se, im Mai/Juni 2024, hat ihn Maa­ßen für sei­ne Tik­Tok-Vide­os engagiert.

Maa­ßen behaup­tet zwar, von der Ein­stel­lung Ahrens‘ nichts geahnt zu haben (was Ahrens bestrei­tet), hat ihn aber zu kon­spi­ra­ti­ven Tref­fen verpflichtet.

[G]esehen wer­den woll­te der Vor­sit­zen­de der Par­tei „Wer­te­uni­on” und frü­he­re Chef des Bun­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz offen­bar nicht mit Ahrens. „Ich muss­te mit Son­nen­bril­le und Müt­ze zu den Tref­fen kom­men, und vor oder nach ihm, damit man uns nicht mit­ein­an­der sieht”, sagt Ahrens t‑online. (t‑online.de, 26.9.25)

Der aus­führ­li­che Bericht auf t‑online und die Ent­hül­lun­gen über die Koope­ra­ti­on, die Ahrens in einem sei­ner Vide­os schon vor­her ver­öf­fent­licht hat, haben die bereits vor­her bestehen­den Dif­fe­ren­zen in der deut­lich rech­ten “Wer­te­uni­on“ und dem ihr vor­ge­la­ger­ten „Wer­te­uni­on För­der­ver­ein“ wei­ter angeheizt.

In sei­ner Mini-Par­tei stand Maa­ßen nach den Ent­hül­lun­gen zunächst ohne Mehr­heit da und vor der Abwahl als Vor­sit­zen­der. Der als Vor­sit­zen­der der AfD geschei­ter­te Jörg Meu­then, heu­te Vize-Chef der „Wer­te­uni­on“, for­der­te Maa­ßen auf, die Ver­trau­ens­fra­ge zu stel­len: „[E]r sei nicht aus der AfD aus­ge­tre­ten, um nun ‚die offe­ne Tole­rie­rung von Rechts­extre­mis­mus zu erle­ben‘ und das aus­ge­rech­net durch den Vor­sit­zen­den“, zitiert ihn die NZZ (27.9.25).

Die offe­ne Meu­te­rei in sei­ner Trup­pe beant­wor­te­te Maa­ßen so, wie es zu einer auto­ri­tä­ren Struk­tur gehört: „Mit dem Raus­wurf von zwei Vor­stands­mit­glie­dern hat er plötz­lich wie­der eine Mehr­heit – und zieht durch.“ (t‑online)

Meu­then gehört zwar noch nicht zu den Aus­ge­schlos­se­nen, ihm wur­de aber per Beschluss des neu aus­ge­rich­te­ten Vor­stan­des „par­tei­schä­di­gen­des Ver­hal­ten“ attes­tiert. Damit ist der schon lan­ge gären­de Streit in der „Wer­te­uni­on“ natür­lich noch kei­nes­wegs been­det. Maa­ßens Gegner*innen berei­ten schon eine neue Run­de vor; heu­te, am 4.10., will der „Wer­te­uni­on För­der­ver­ein“, der eben­falls von der Spal­tung erfasst ist, einen neu­en Vor­sit­zen­den wäh­len. Der­zeit ist Maa­ßen auch dort noch Vorsitzender.

Übri­gens: 2023 war Maa­ßen auf Ein­la­dung der „Frei­heit­li­chen Aka­de­mie Wien“, des „Frei­heit­li­chen Bil­dungs­in­sti­tuts“ und des FPÖ-Par­la­ments­klubs Haupt­red­ner bei der Enquete „Wie gefähr­det ist die frei­heit­li­che Demo­kra­tie in Deutsch­land?“ Ein Titel, der ange­sichts der poli­ti­schen Ver­or­tung von Ver­an­stal­tern und Gast wie Hohn wirkt.

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Schlagwörter: FPÖ | Neonazismus/Neofaschismus | Rechtsextremismus | Verfassungsschutz | Weite Welt

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