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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Die AfD-Maskerade

Die AfD prä­sen­tiert sich wie die FPÖ und ande­re rechts­extre­me Par­tei­en gern als Stim­me der „klei­nen Leu­te“, als Anti-Estab­lish­ment-Par­tei gegen Pri­vi­le­gi­en, Selbst­be­die­nung und poli­ti­sche Arro­ganz. Doch meh­re­re Ent­wick­lun­gen der letz­ten Tage zei­gen: Auch in der AfD regie­ren Abge­ho­ben­heit, stra­te­gi­sche Täu­schung und rechts­extre­me Kon­ti­nui­tät – mit­un­ter auf per­fi­de Art.

10. Juli 2025
AfD-Maskerade (Symbolbild; KI-generiert)
AfD-Maskerade (Symbolbild; KI-generiert)

Gehalt verdoppelt – und das ohne Debatte

Aus­ge­rech­net jene Par­tei, die regel­mä­ßig Diä­ten­er­hö­hun­gen bei ande­ren Par­tei­en anpran­gert, hat in der eige­nen Bun­des­tags­frak­ti­on kräf­tig zuge­schla­gen: Ali­ce Wei­del und Tino Chrup­al­la erhal­ten nun 12.000 Euro monat­lich zusätz­lich zu ihren Abge­ord­ne­ten­be­zü­gen – ins­ge­samt rund 24.000 Euro monat­lich. Auch die rest­li­che Frak­ti­ons­spit­ze geneh­mig­te sich Zula­gen von bis zu 6.000 Euro pro Kopf.

Bemer­kens­wert ist nicht nur die Höhe der Zah­lun­gen, son­dern auch der Ablauf: Laut Berich­ten wur­de die Gehalts­er­hö­hung am Ende einer Frak­ti­ons­sit­zung ein­ge­bracht, als vie­le Abge­ord­ne­te schon nicht mehr auf­merk­sam oder anwe­send waren. Schrift­lich waren kei­ne kon­kre­ten Sum­men genannt, erst auf Nach­fra­ge wur­den die Beträ­ge eingeräumt.

Absurd fin­den das auch AfD-Abge­ord­ne­te, in der Frak­ti­on grum­melt es ver­nehm­lich. „Unver­schämt”, fin­det einer im Gespräch mit t‑online die Erhö­hung der Zula­gen. Vor allem, da man­cher im Frak­ti­ons­vor­stand kaum Leis­tung erbrin­ge. (t‑online.de, 1.7.25)

Weni­ge Wochen zuvor war es aus­ge­rech­net die AfD, die – ganz nach dem Mot­to „außen hui, innen pfui“ laut­stark gegen die auto­ma­ti­sche Diä­ten­er­hö­hung für alle Abge­ord­ne­ten pole­mi­siert hatte.

Ausschluss eines Rechtsextremen

Eini­ge Tage spä­ter schloss die AfD den Dort­mun­der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mat­thi­as Hel­fe­rich aus der Par­tei aus – vor­erst. Hel­fe­rich hat­te sich in der Ver­gan­gen­heit selbst als das „freund­li­che Gesicht des Natio­nal­so­zia­lis­mus“ bezeich­net, sprach in inter­nen Chats von „Vie­chern“ mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund und for­der­te öffent­lich eine „Remi­gra­ti­on“ auch von Men­schen mit deut­schem Pass. (spiegel.de, 6.7.25) Erst im Mai waren Mails mit NS-affi­nen und anti­se­mi­ti­schen Inhal­ten bekannt gewor­den, die Hel­fe­rich inner­halb sei­ner dama­li­gen Bur­schen­schaft Fran­ko­nia Bonn ver­schickt haben soll.

Der Par­tei­aus­schluss wur­de vom NRW-Lan­des­schieds­ge­richt beschlos­sen, ist aber noch nicht rechts­kräf­tig. Hel­fe­rich will dage­gen juris­tisch vor­ge­hen. Wie zer­ris­sen die Lan­des­par­tei in Nord­rhein-West­fa­len ist, zeigt, dass Hel­fe­rich im Früh­jahr trotz sei­ner Vor­ge­schich­te auf einen vor­de­ren Lis­ten­platz für die Bun­des­tags­wahl gesetzt und nach sei­ner Wahl geräusch­los in die Bun­des­tags­frak­ti­on auf­ge­nom­men wurde.

Neues Parteipapier: Alte Inhalte, neue Verpackung

Ein erst am vor­letz­ten Wochen­en­de prä­sen­tier­tes Posi­ti­ons­pa­pier der AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on ver­zich­tet bewusst auf Begrif­fe wie „Remi­gra­ti­on“ und „Leit­kul­tur“. Statt­des­sen heißt es nun: Zuwan­de­rung begren­zen, Rück­füh­rung erleich­tern, Ein­bür­ge­rung erschwe­ren. Die Zie­le blei­ben unver­än­dert, doch die Wort­wahl ist nach der Hoch­stu­fung durch den Ver­fas­sungs­schutz als „gesi­chert rechts­extrem“, dem dro­hen­den Ver­bots­ver­fah­ren und der Argu­men­ta­ti­on des Gerichts im Ver­bots­ver­fah­ren gegen Com­pact stra­te­gisch angepasst.

Der Hin­ter­grund ist offen­sicht­lich: Der Begriff „Remi­gra­ti­on“ wur­de vom deut­schen Ver­fas­sungs­schutz und dem Gericht, das über das Compct-Ver­bot ent­schied, als klar rechts­extre­mis­tisch bzw. ver­fas­sungs­feind­lich ein­ge­stuft. Indem die AfD sol­che Begrif­fe mei­det, ver­sucht sie, juris­ti­sche Angreif­bar­keit zu ver­rin­gern, ohne von ihrer Ideo­lo­gie abzu­rü­cken. Frak­ti­ons­mit­glie­der wie Lars Schies­ke sagen das sogar offen: „Ob Remi­gra­ti­on oder Rück­füh­rung – der Begriff mag sich ändern. Doch das Ziel bleibt das­sel­be.“ (Web­site Schies­ke, 5.7.25)

Inhalt­lich for­dert das neue Papier wei­ter­hin Mas­sen­ab­schie­bun­gen, einen gene­rel­len Asyl­stopp, das Ende der Ener­gie­wen­de und die Auf­he­bung der Russ­land-Sank­tio­nen. Auch die Wie­der­ein­füh­rung der Wehr­pflicht steht erneut auf der Agen­da. Von einer ech­ten poli­ti­schen Mäßi­gung kann kei­ne Rede sein.

Strategie statt Substanz: Die AfD will regierungsfähig erscheinen

Die AfD-Spit­ze unter Wei­del und Chrup­al­la ver­folgt offen­bar das Ziel, die Par­tei für kon­ser­va­ti­ve Wähler*innen anschluss­fä­hig zu machen und lang­fris­tig viel­leicht sogar koali­ti­ons­fä­hig mit der Uni­on. Dazu gehö­ren ein bür­ger­li­cher Ton, pro­fes­sio­nel­le Außen­dar­stel­lung und weni­ger öffent­li­che Skan­da­le. Doch hin­ter die­ser Mas­ke­ra­de bleibt die Par­tei das, was sie ist: auto­ri­tär, natio­na­lis­tisch, rassistisch.

Eine gele­ak­te Power­point-Prä­sen­ta­ti­on skiz­ziert, wie die AfD an die Macht gelan­gen will.

Die Stra­te­gie der AfD besteht dem­nach dar­in, die Gesell­schaft wei­ter zu spal­ten. Die rechts­extre­me Par­tei will die „Wäh­ler­schaft“ mit­tels Kul­tur­kampf in ein „bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ves Lager“ und ein „links­ra­di­ka­les Lager“ ent­zwei­en. Dadurch soll sich auch die Uni­on wei­ter von SPD und Grü­nen ent­fer­nen und die ohne­hin brö­cke­li­ge „Brand­mau­er“ stür­zen. Die AfD will dafür ins­be­son­de­re „die Gegen­sät­ze zwi­schen Uni­on und SPD unüber­brück­bar machen“. Damit CDU/CSU am Ende – so stellt die rechts­extre­me Par­tei es sich offen­bar vor – nichts ande­res übrig blei­be, als mit der AfD zu koalie­ren. (zvw.de, 7.7.25)

In einem neu­en Ver­hal­tens­ko­dex für Bun­des­tagsbge­ord­ne­te will sich die AfD gemä­ßig­ter geben. Doch noch wäh­rend der Klau­sur, bei der die­ser Kodex beschlos­sen wur­de, hol­te Ali­ce Wei­del ver­bal aus und ver­glich die SPD mit dem Hit­ler-Regime. Ali­ce Wei­del nutz­te auch die ers­te Bun­des­tags­sit­zung nach dem hin­aus­po­saun­ten Mäßi­gungs­ge­bot für einen ras­sis­ti­schen Rund­um­schlag – zwei blitz­ar­ti­ge Rück­fäl­le in das bekann­te Pro­vo­ka­ti­ons­mus­ter. Es wer­den kei­nes­wegs die ein­zi­gen bleiben.

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Schlagwörter: AfD | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Rechtsextremismus | Weite Welt

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