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Lesezeit: 4 Minuten

Rechtsgutachten: Nazi-Straßennamen bald Geschichte?

Nach lan­gen Dis­kus­sio­nen ent­schloss sich Brau­nau, zwei nach Nazis benann­te Stra­ßen umzu­be­nen­nen. Auch die Stadt Gall­neu­kir­chen will eine Stra­ße neu benen­nen. Nur das FPÖ-regier­te Wels schert aus und will sei­ne brau­nen Ver­kehrs­flä­chen belas­sen. Ein vom MKÖ in Auf­trag gege­be­nes Rechts­gut­ach­ten besagt aller­dings, dass Nazi-Hul­di­gun­gen mit Stra­ßen­be­nen­nun­gen ver­fas­sungs­wid­rig seien.

14. Juli 2025
Josef Reiter-Straße Braunau

Ein vom Maut­hau­sen Komi­tee Öster­reich (MKÖ) in Auf­trag gege­be­nes neu­es Rechts­gut­ach­ten des Ver­fas­sungs­recht­lers Mar­kus Vašek bewer­tet die Benen­nung von Stra­ßen nach Natio­nal­so­zia­lis­ten als kla­ren Ver­stoß gegen Arti­kel 9 des öster­rei­chi­schen Staats­ver­trags und die Ver­fas­sung. Vašek betont, dass jede staat­li­che Tätig­keit kom­pro­miss­los gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus gerich­tet sein müs­se und Gemein­den bei der Benen­nung von Ver­kehrs­flä­chen zwar Gestal­tungs­spiel­raum hät­ten, dabei aber weder das Ver­bots­ge­setz noch Arti­kel 9 ver­let­zen dürf­ten. Arti­kel 9 ver­langt aus­drück­lich, alle Spu­ren des Nazis­mus aus dem öffent­li­chen Leben zu ent­fer­nen. Vašek stellt fest, dass die Benen­nung einer Stra­ße nach einer Per­son als öffent­li­che Wür­di­gung zu ver­ste­hen ist und eine Ehrung für natio­nal­so­zia­lis­ti­sches Wir­ken daher unzu­läs­sig sei. Bestehen­de oder geplan­te Stra­ßen­na­men mit NS-Bezug müss­ten daher über­prüft und gege­be­nen­falls geän­dert oder ver­wor­fen werden.

Das MKÖ bezeich­net in einer Aus­sendung am 30. Juni das Gut­ach­ten als „Knall­ef­fekt“.

Das Ergeb­nis des Gut­ach­tens von Pro­fes­sor Vašek hat natür­lich Aus­wir­kun­gen in ganz Öster­reich”, betont Robert Eiter, Spre­cher des OÖ. Netz­werks gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus. „Weil alle staat­li­chen Orga­ne, also auch alle Gemein­de­rä­te und Stadt­rä­te, an die Ver­fas­sung gebun­den sind, ist die Bei­be­hal­tung von NS-belas­te­ten Stra­ßen­na­men, ob mit oder ohne Zusatz­ta­feln, kei­ne Opti­on. Das wird zahl­rei­che Gemein­den betreffen.

In Braunau rührt sich was

Ob das Rechts­gut­ach­ten nach jah­re­lan­gen Dis­kus­sio­nen dazu bei­getra­gen hat, dass sich die Stadt­ge­mein­de Brau­nau nun end­lich durch­rin­gen konn­te, eine nach dem Kom­po­nis­ten und NS-Kom­po­nis­ten Josef Rei­ter und eine nach dem SA-Ober­sturm­füh­rer Franz Resl benann­te Stra­ße umzu­be­nen­nen („28 Mit­glie­der des Gemein­de­rats stimm­ten dafür, neun dage­gen“, schreibt der „Stan­dard“ am 3.7.25 – die FPÖ stimm­te dage­gen), wur­de nicht kom­mu­ni­ziert. Gescha­det hat es sicher nicht.

Noch im Mai hat­te sich der ÖVP-Bür­ger­meis­ter Johan­nes Waid­ba­cher gewei­gert, die brau­nen Schand­fle­cke aus sei­ner Stadt zu eli­mi­nie­ren, was sogar die „Kro­nen Zei­tung“ zur Bemer­kung ver­an­lasst hat­te: „Man glaubt es kaum: In Adolf Hit­lers Geburts­stadt Brau­nau sind immer noch drei öffent­li­che Ver­kehrs­flä­chen nach fana­ti­schen Natio­nal­so­zia­lis­ten benannt.“

Nun wird von eini­gen Initia­ti­ven gefor­dert, die bei­den Stra­ßen nach Frau­en zu benennen.

Für die Josef-Rei­ter-Stra­ße haben sie Lea Olc­zak vor­ge­schla­gen. Die über­zeug­te Anti­fa­schis­tin unter­stütz­te in der NS-Zeit pol­ni­sche Zwangs­ar­bei­ter. Die Franz-Resl-Stra­ße soll nach Maria Strom­ber­ger benannt wer­den. Die katho­li­sche Kran­ken­schwes­ter ist als „Engel von Ausch­witz” bekannt. Sie mel­de­te sich frei­wil­lig für das KZ, ver­sorg­te Häft­lin­ge mit Nah­rung und Medi­ka­men­ten und unter­stütz­te die „Kampf­grup­pe Ausch­witz” bei ihrem Wider­stand. (derstandard.at, 3.7.25)

Brau­nau hat­te erst im März die­ses Jah­res beschlos­sen, den bei­den Nazis Josef Rei­ter und Edu­ard Kriech­baum die Ehren­bür­ger­schaft abzu­er­ken­nen. Zur Umbe­nen­nung der Stra­ßen hat­te damals der Wil­le noch nicht gereicht.

Auch Gallneukirchen, nicht aber Wels

Auch in der ober­ös­ter­rei­chi­schen Gemein­de Gall­neu­kir­chen wur­de nun ent­schie­den, eine eben­falls nach dem Nazi-Kom­po­nis­ten Rei­ter benann­te Stra­ße umzu­be­nen­nen – im Gegen­satz zu Brau­nau hat sich der Gemein­de­rat ein­stim­mig dazu ent­schie­den. Der Gall­neu­kirch­ner SPÖ-Bür­ger­meis­ter Sepp Wall-Strasser:

Ich bin froh, dass in Gall­neu­kir­chen die­se Dis­kus­si­on so ein­hel­lig geführt wer­den konn­te. Ich dan­ke allen Mit­glie­dern des Gemein­de­ra­tes, und auch den Anrai­nern für das Ver­ständ­nis, mit die­ser Aberken­nung auch ein kla­res Zei­chen der Abgren­zung zur unsäg­li­chen Geschich­te des Natio­nal­so­zia­lis­mus gege­ben zu haben. (zit. nach tips.at, 4.7.25)

In der FPÖ-regier­ten Stadt Wels ticken die Uhren noch anders.

In Wels gibt es ins­ge­samt 20 kri­ti­sche Stra­ßen­na­men, neben Nazis fin­den sich hier auch noch Ver­tre­ter ande­rer Cou­leur, denen man anti­de­mo­kra­ti­sche Ten­den­zen zurech­net. Auch eine Franz-Resl-Stra­ße wie in Brau­nau ist hier zu fin­den. Doch in Wels wird nicht umbe­nannt. Bür­ger­meis­ter Andre­as Rabl (FPÖ) sieht sich durch eine Aus­sa­ge von Vas­ek bestä­tigt, dass auch Zusatz­ta­feln, die die brau­ne Ver­stri­ckung des Namens­ge­bers erklä­ren, aus­rei­chen wür­den. SPÖ und Grü­ne for­dern wei­ter­hin die Umbe­nen­nung. (meinbezirk.at, 3.7.25)

Im News­let­ter des „OÖ. Netz­werk gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus” schreibt Robert Eiter:

Erin­nert Ihr Euch an Chris­ti­an Schil­cher? Der FPÖ-Poli­ti­ker mach­te 2019 bun­des­weit Schlag­zei­len: Er muss­te als Vize­bür­ger­meis­ter von Brau­nau zurück­tre­ten, weil er in einem „Rat­ten­ge­dicht“ Men­schen mit Rat­ten ver­gli­chen hat­te. Sein Unwe­sen treibt Schil­cher aber immer noch: Nach der Nie­der­la­ge der FPÖ in Sachen Stra­ßen­um­be­nen­nung pos­te­te er,Braunau sei jetzt „die lin­kes­te Stadt Österreichs“.

Christian Schilcher: "...ein starkes Signal gegen rechts..." will er gesetzt haben, der Herr Bürgermeister? Jetzt wäre es in der linkesten Stadt Österreichs dringend notwendig, endlich einmal ein starkes Signal gegen links zu setzen!!" (Screenshot FB via OÖ Netzwerk)
Chris­ti­an Schil­cher: „…ein star­kes Signal gegen rechts…” will er gesetzt haben, der Herr Bür­ger­meis­ter? Jetzt wäre es in der lin­kes­ten Stadt Öster­reichs drin­gend not­wen­dig, end­lich ein­mal ein star­kes Signal gegen links zu set­zen!!” (Screen­shot FB via OÖ Netzwerk)

➡️ Lud­wig Laher in derstandard.at (9.7.25): Nazi-Namen aus dem Stadt­bild löschen? Eine schwe­re Geburt

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