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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Gudenus und Strache beim Schummeln ertappt

Nach sei­nem eher kläg­li­chen Ver­such, aus einer wegen hef­ti­gen Andrangs ver­leg­ten Niko­lo-Akti­on einen Angriff von „Isla­mis­ten“ zu machen, rei­tet Johann Gude­nus, Klub­ob­mann der FPÖ im Wie­ner Gemein­de­rat, jetzt eine neue Atta­cke: Er ver­öf­fent­licht das Foto eines Lern­be­helfs mit Erläu­te­run­gen in tür­ki­scher Spra­che. Die blaue Gefolg­schaft heult ent­setzt auf.

20. Dez. 2013

So kläg­lich der Hetz­ver­such mit dem Niko­laus auch ver­lau­fen ist, so erfolg­reich war er den­noch. Kaum hat­te Gude­nus die Hetz­ge­schich­te mit dem bedräng­ten Niko­laus auf sei­ne Face­book-Pinn­wand gestellt, spru­del­ten die Kom­men­ta­re vor Erre­gung über. Die­se Erre­gung brau­chen frei­heit­li­che Poli­ti­ker wie einen Bis­sen Brot. Gespeist von dump­fen Befürch­tun­gen und Vor­ur­tei­len legt sie das Gehirn lahm und setzt die Peris­tal­tik in Gang: Alles darf raus­ge­kotzt werden!

Johann Gude­nus hat sei­ne Niko­lo-Geschicht­erln („Jedes Wort ist wahr“) mitt­ler­wei­le kom­men­tar­los gelöscht. Da muss natür­lich etwas Neu­es her, damit es kei­ne Nach­denk­pau­se gibt! Es ist ein Foto, auf dem Drei­ecke zu erken­nen sind und For­mel­be­rech­nun­gen und Erläu­te­run­gen in tür­ki­scher Spra­che. Dazu der knap­pe Kom­men­tar von Gude­nus: „Unter­richts­spra­che Deutsch??? Aus einer Schu­le im zwei­ten Bezirk!“

Das Echo sei­ner Fans ist ein­deu­tig: „eine Saue­rei für unse­re deut­schen Schü­ler, die Prio­ri­tät haben“, „Frech­heit! Sowas gibt’s in kei­nem ande­ren Land“, „Ein Wahn­sinn“, „Scho­ckie­rend“. Natür­lich darf auch die schon fast obli­ga­te Anru­fung des „Füh­rers“ nicht feh­len: „Adi, schau obe!!!“

Die Fra­gen von kri­ti­schen Use­rIn­nen, um wel­che Schu­le bzw. Situa­ti­on es sich denn hand­le, wer­den nicht beant­wor­tet. War­um nicht? Weil die Auf­lö­sung zu dem Foto-Rät­sel eine ande­re ist. Wir haben uns kun­dig gemacht und vom Wie­ner Stadt­schul­rat eine Aus­kunft erhalten.

Von wel­cher Schu­le das Foto stammt, weiß auch der Stadt­schul­rat nicht – es ist auch uner­heb­lich. An zahl­rei­chen Wie­ner Schu­len fin­det im Rah­men unver­bind­li­cher Übun­gen auch mut­ter­sprach­li­cher Unter­richt statt. Unver­bind­li­che Übun­gen gibt es in der Regel nach dem Unter­richt und zu vie­len Berei­chen: krea­ti­ves Gestal­ten, Chor, Sport, Musik usw. – und auch als Ange­bot für Fremd­spra­chen und mut­ter­sprach­li­chen Unter­richt. Letz­te­rer ist ein sinn­vol­les Ange­bot, und des­halb schreibt der Stadt­schul­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me auch:

Mut­ter­sprach­li­cher Zusatz­un­ter­richt fin­det als „Unver­bind­li­che Übung“ an zahl­rei­chen Wie­ner Schu­len statt. Er erfolgt der­zeit in 20 Spra­chen und wird von ca. 16.000 Kin­dern in Anspruch genom­men. Wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen bestä­ti­gen, dass mut­ter­sprach­li­cher Ergän­zungs­un­ter­richt äußerst erfolg­reich ist. Vor allem aber auch, dass der siche­re Umgang mit der eige­nen Mut­ter­spra­che eine zen­tra­le Vor­aus­set­zung für das gute Erler­nen einer ande­ren Spra­che ist. Mit ande­ren Wor­ten: Nur wer sei­ne eige­ne Mut­ter­spra­che gut beherrscht, lernt auch leich­ter und bes­ser Deutsch.

16.000 Kin­der neh­men in Wien an der unver­bind­li­chen Übung mut­ter­sprach­li­cher Unter­reicht teil und erwer­ben so bes­se­re Vor­aus­set­zun­gen für den Umgang mit der deut­schen Spra­che. Was soll­te man dar­an kri­ti­sie­ren oder als „scho­ckie­rend“ finden?

Es ist aber nicht das Geschäft des Johann Gude­nus, für Auf­klä­rung zu sor­gen. Mit sei­nem Rät­sel­fo­to legt er den Ein­druck nahe, dass an Schu­len in Wien Tür­kisch im Vor­marsch ist und die Ober­hand gewinnt. Sei­ne Fans fol­gen ihm, weil sie – schon aus­rei­chend durch ande­re blaue Paro­len vor­kon­di­tio­niert – das ger­ne glau­ben wol­len. Nur sei­ne Fans? Auch sein Par­tei­chef Stra­che ver­brei­tet bereit­wil­lig die Bot­schaft. Wir ver­mu­ten, er hat ein­fach abgeschrieben.

Wie soll man das nen­nen? Schum­meln oder doch eher Hetze?

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Schlagwörter: FPÖ | Hetze | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Wien

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