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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Die freiheitlichen Verteidiger der weißen Männer

Harald Wal­ser, Grü­ner Spre­cher für Bil­dung und Ver­gan­gen­heits­po­li­tik, setzt sich in einem Gast­kom­men­tar für die „Pres­se“ mit der NS-Ver­gan­gen­heit der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker und der die­se behüb­schen­den Auf­ar­bei­tung durch Cle­mens Hells­berg, Vor­stand der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker, aus­ein­an­der. Ein Auf­schrei der Empö­rung war die Fol­ge – aus­ge­rech­net durch zwei Freiheitliche!

20. Dez. 2012

Die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker sind ein Spit­zen­or­ches­ter – kei­ne Fra­ge. Aber sie haben zwei gro­ße Pro­ble­me: die Auf­ar­bei­tung ihrer NS-Ver­gan­gen­heit und die Frau­en. Mit der Auf­ar­bei­tung der NS-Ver­gan­gen­heit setzt sich der Gast­kom­men­tar von Harald Wal­ser aus­ein­an­der. Das Pro­blem, das die Phil­har­mo­ni­ker mit Frau­en haben, wur­de in meh­re­ren par­la­men­ta­ri­schen Anfra­gen the­ma­ti­siert. Der frü­he­re Vor­stand der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker, Wer­ner Resel, hat 1997 nach der Bestel­lung der ers­ten Frau zur Har­fi­nis­tin sei­ne Funk­ti­on zurück­ge­legt. Im Jahr zuvor erklär­te er: „Die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker sind ein Orches­ter von wei­ßen Män­nern, die von wei­ßen Män­nern geschrie­be­ne Musik für wei­ße Män­ner spielen.”


Bild­quel­le: orf.at

Hängt das eine Pro­blem viel­leicht mit dem ande­ren zusam­men? Fast nahe­lie­gend, wenn man die Aus­sen­dun­gen der bei­den ein­sa­men frei­heit­li­chen Ver­tei­di­ger liest. Hei­de­ma­rie Unter­rei­ner, Kul­tur­spre­che­rin der FPÖ, sieht in dem Kom­men­tar von Wal­ser „Het­ze“, „absur­de Nazi-Vor­wür­fe“ und „übels­te Dif­fa­mie­rung“: „Offen­bar pas­sen kon­ser­va­tiv-ele­gant geklei­de­te Frau­en und Män­ner (…) nicht in das kru­de lin­ke Welt­bild Walsers.“ (OTS 19.12.12). Frau­en? Wo sieht sie Frau­en bei den Phil­har­mo­ni­kern und wie­vie­le? Ihr gefällt auch nicht, dass die Kri­tik von einem Bil­dungs­spre­cher kommt.

Wal­ter Rosen­kranz, der FPÖ-Bil­dungs­spre­cher, holt da schon brei­ter aus: „Es ist skan­da­lös, wie die Grü­nen sys­te­ma­tisch – ob aus Gen­der­fra­gen, Sub­ven­ti­ons­fra­gen oder eben wegen einer Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung – eine der renom­mier­tes­ten kul­tu­rel­len Insti­tu­tio­nen des Lan­des wie die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker anpat­zen.” (OTS 19.12.12)

Der Satz ist eine Offen­ba­rung! Renom­mier­te Insti­tu­tio­nen wie die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker dür­fen wegen der feh­len­den Auf­ar­bei­tung ihrer NS-Ver­gan­gen­heit, ihres nach wie vor extrem nied­ri­gen Frau­en­an­teils und auch nicht wegen ihrer Sub­ven­tio­nen offen­bar nicht kri­ti­siert wer­den. Aber: Ist es nicht die FPÖ, die ger­ne staat­li­che Sub­ven­tio­nen an Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de kritisiert?

Ist der Umkehr­schluss zuläs­sig, dass man weni­ger renom­mier­te Insti­tu­tio­nen schon kri­ti­sie­ren darf? Dann fan­gen wir doch bei der Bur­schen­schaft Liber­tas an, der Rosen­kranz ange­hört: Der Frau­en­an­teil dort ist noch nied­ri­ger als bei den Phil­har­mo­ni­kern – näm­lich bei null. Und wie sieht’s mit der Auf­ar­bei­tung der NS-Ver­gan­gen­heit und der eben­falls trü­ben Vor­ge­schich­te aus? War nicht die Bur­schen­schaft Liber­tas Wien die ers­te, die den Arier­pa­ra­gra­fen 1878 ein­führ­te? Bei der auch der rabia­te Anti­se­mit Georg Schö­ne­rer Mit­glied war?


Poli­ti­sier­te Orches­ter. Die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker und das Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­sche Orches­ter im Nationalsozialismus

War­um lesen wir auf der Sei­te der Bur­schen­schaft Liber­tas über die­se Peri­ode was völ­lig ande­res?: „Vie­le Bun­des­brü­der zeich­ne­ten sich im Völ­ker­ker­ker der Donau­mon­ar­chie mit sei­nen zahl­rei­chen ant­ago­nis­ti­schen Natio­na­li­tä­ten in her­vor­ra­gen­den poli­ti­schen Funk­tio­nen durch beson­ne­nes aber ent­schlos­se­nes Rin­gen um die deut­sche Sache aus.“

Und weil Rosen­kranz auch „Sub­ven­ti­ons­fra­gen“ ange­spro­chen hat: War­um hat die Bur­schen­schaft Liber­tas aus­ge­rech­net die neo­na­zis­ti­sche Grup­pe Bund frei­er Jugend mit dem „Carl von Hochenegg“-Preis für ihre „volks­treu­en Akti­vi­tä­ten“ bedacht? Ein Geld­preis an eine Neo­na­zi-Grup­pe für deren „volks­treue Akti­vi­tä­ten“ – dar­über wür­den wir ger­ne eine Erklä­rung hören!

➡️ Harald Wal­ser: Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker und NS-Zeit — His­to­ri­en­ma­le­rei statt Aufklärung!

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