Viele Stationen bis zur AfD-Fraktion
Seine Selbstdarstellung lässt schon erahnen, wohin die Reise geht. Als Student noch politisch im Umfeld der ÖVP, dann Praktikant bei Andreas Mölzer im Europäischen Parlament und jetzt – im Alter von 48 Jahren – die vorläufige Krönung einer stramm rechten christlichen Karriere: Christian Machek ist bei der Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst (die er als „religionspolitischer Sprecher der AfD” vorstellt) zum religionspolitischen Referenten in der AfD-Fraktion avanciert. Sympathien für theokratische und autoritäre Systemen waren da wohl Nachteil.
Der Lebenslauf von „Mag. Dr. Christian Machek M.A.“ umfasst viele Stationen. Die letzte bei der AfD fehlt noch. Eine andere ebenfalls: die beim Suworow-Institut. Diese äußerst kleine prorussische und rechtsextreme Propaganda-Einrichtung haben wir bereits vor Jahren als „fünfte Kolonne Putins“ vorgestellt. Das war vielleicht zu hoch gegriffen, denn es ist eher ein Forum zur Verbreitung von rechtsextremen Ideen, insbesondere des russischen Neofaschisten Alexander Dugin. Machek war bis Juli 2016 Vorstandsmitglied des Suworow-Instituts, wie in der Studie „Russian Connections of the Austrian Far-Right“ zu erfahren ist.
Die „entmannte Amtskirche“
In einem Leserbrief an die Mölzer-Postille „Zur Zeit“ (21.12.2024), für die Machek auch Beiträge verfasst hat, schwurbelt er vom „Versagen der entmannten Amtskirche(n)“, die ihrem Auftrag, die Botschaft von Gottes Reich zu verbreiten, nicht nachkomme, eines Reiches „auch des Friedens mit Russland“. Nach weiterem Geraune folgt der irritierende Hinweis: „Somit ist auch jeder Einsatz für die Bewahrung der Heimat Gottesdienst.“ Krieg als Gottesdienst? Gilt das auch für die Ukraine?
Für den Iran sicher, denn Machek beschreibt sich selbst als „Mitbegründer des ViQo-Circle for Catholic-Shi’a Dialogue on Religion, Philosophy and Political Theory“. Hinter dem Kürzel „ViQo“ versteckt sich „Vienna-Qom“, was auf die gleichnamige Stadt im Iran verweist, aber eigentlich gewichtige Mullahs von dort meint. Was da als religiöser Dialog angepriesen wird, ist eine Gesprächsrunde zwischen religiösen Vertretern des theokratischen und autoritär-repressiven iranischen Regimes und Vertretern des Neo-Integralismus aus Deutschland und Österreich.*
Christian Machek spielt beim „ViQo-Circle“ als „Mitbegründer“ und Mitglied eine gewichtige Rolle. Aus Österreich ebenfalls mit dabei ist der Heiligenkreuzer Zisterzienserpater Edmund Waldstein, einer der Chefideologen des katholischen Neo-Integralismus.
Legitimierung des islamischen Gottesstaates
Aus dem März 2026 stammt eine Stellungnahme des ViQo-Circle zum Krieg der USA gegen den Iran. Sie ist nicht gezeichnet, wird also vermutlich von allen (elf?) Mitgliedern unterstützt. Es verurteilt sehr entschieden den Angriff der USA, vor allem die Tötung des religiösen und politischen Führers („The ViQo Circle strongly condemns the unjust war of aggression against Iran and the assassination of His Eminence Imam Khamenei, Supreme Leader of Iran Khamenei“), erwähnt aber Israel (das die tödliche Attacke auf Ali Khamenei ausgeführt hat) mit keinem Wort – wohl, weil der Iran Israel die Existenz und das Existenzrecht abspricht. In der Erklärung fehlt – so wie in allen anderen Dokumenten – jede Verurteilung, sogar leise Kritik an dem Terror, den das iranische Gottes-Regime gegenüber seiner Bevölkerung ausübt.
Im Gegenteil: Der islamische Gottesstaat wird sogar legitimiert. „Political authority, even when exercised imperfectly, is understood to derive ultimately from God“ („Politische Autorität, selbst wenn sie unvollkommen ausgeübt wird, wird letztlich als von Gott abgeleitet verstanden”), heißt es in dem Pamphlet, und es sei die „allgemeine Meinung in anderen Teilen der Welt, dass der Westen unter einer Epidemie moralischer Dekadenz leidet“ („The common opinion in other parts of the world that the West is suffering from an epidemic of moral decadence”). Das ist zwar feige formuliert, weil dieses Mindset „anderen Teilen der Welt“ zugeschrieben wird, aber exakt dem entspricht, was die iranischen und österreichischen Theokratie-Fans denken.
Mit Renovatio gegen Rechtsstaat und Demokratie
Was im Lebenslauf des Christian Machek auch noch fehlt, ist seine Tätigkeit für das „Renovatio-Institut für kulturelle Resilienz“. Ein Institut war es wohl nicht, sondern eine Website, die zwischen 2020 und 2023 online war, dann aber verschwand und so gründlich gesäubert wurde, dass nicht einmal über Wayback etwas zu finden ist. Als Protagonisten von „Renovatio“ traten Simon Wunder und Christian Machek auf. „Renovatio“ hat jenseits der Selbstauslöschung nur wenig Resonanz bei anderen gefunden. Der Politikwissenschafter Markus Linden beschrieb es in der FAZ (28.10.21) zusammenfassend so:
Das Renovatio-Institut ist Teil der international vernetzten Szene eines gegenrevolutionären Konservatismus, der Gewaltenteilung und Rechtsstaat überwinden will. Diesem Rivalen hat der demokratische Konservatismus kaum einen Gedanken entgegenzusetzen und bislang vielleicht auch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Der Blog „Dokumentieren gegen Rechts“ setzte sich vor allem mit der homophoben „Renovatio“-Schrift „Der Männerbund. Träger und Bewahrer des Gemeinwesens“ auseinander und kam zu dem Schluss: „Es ist ein toxisches Bild von Männlichkeit und männlichem Verhalten, gepaart mit einer neofaschistischen Ideologie und christlichem Fundamentalismus.“
Das Nachfolgeprojekt „Europa Aeterna“ ist nicht mehr bloß ein „Institut“, sondern schmückt sich stolz mit dem Attribut „Akademie für politische Philosophie“. Ihr Sitz ist in Wien. Die Adresse, vermutlich der Wohnsitz ihres Geschäftsführers Christian Machek, ist auch die Anschrift des Vereins „Liebe Orthodox – Verein für orthodoxe Singles und zur Förderung orthodoxer Familienwerte“. Ideologisch ist keine Veränderung zur „Renovatio“ erkennbar.
Das theologische Portal „feinschwarz“ schreibt über „Europa Aeterna“ und Machek:
Zahlreiche Artikel votieren gegen liberale demokratisch-menschenrechtsbasierte Staatsformen (ebenso wie gegen die Aufklärung und ihre Ideale) und für hierarchisch-ständische, aristokratisch-monarchistische und autoritäre Gesellschaftsordnungen, orientiert am Ideal eines katholisch dominierten Gottesstaates. Besonders plakativ geschieht dies in Texten der Rubrik Ideologieforschung/Gegenwartsanalysen, die jede pseudo-akademische Zurückhaltung im Sprachgebrauch fallen lassen, ganz ungeniert das Verschwörungsnarrativ einer die Weltpolitik dominierenden linkstotalitär-globalistischen Machthaber-Elite bespielen (so Geschäftsführer Christian Machek).
„Rechte Ordnung der Liebe“ im Bundestag
Das taugt quasi als perfektes Bewerbungsschreiben für den Job bei der AfD, bei der sich Machek schon seine ersten Sporen erwerben konnte, indem er im Mai die Tagung „Die rechte Ordnung der Liebe, christliche Prinzipien für die heutige Politik“ (ein)leiten und auch seine Duftmarken im Deutschen Bundestag hinterlassen durfte: „Was mich in diesem Haus noch mehr verwundert ist, dass gewisse Politiker die wunderbaren starken Damen der Oppositionsparteien nicht einmal grüßen können, aber sehr wohl zweifelhafte Gestalten aus Syrien etwa.“
Ein anderer Satz aus seiner Einleitung gibt vermutlich nicht nur dem versammelten rechten Publikum Rätsel auf: „Es geht einmal um das Heil, um das Seelenheil, ein Gedanke, den wir bei Jesus finden, aber auch etwa bei Jesus Christus.“
*Eine geraffte Darstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU) zum Begriff „Neo-Integralismus“: NEO-INTEGRALISMUS – Eine Gefahr für die liberale Demokratie
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