Putins Koch und der Nazi-Handlanger

Über recht­sex­treme Paramil­itärs und Grup­pen in der Ukraine haben wir bere­its vor Jahren geschrieben und ja: Das Reg­i­ment Asow gibt es lei­der immer noch. Der Ein­fluss von Recht­sex­tremen und Neon­azis auf die ukrainis­che Poli­tik wurde allerd­ings in den let­zten Jahren – auch durch Wahlen – deut­lich ver­ringert. Für Rus­s­land lässt sich das lei­der nicht so behaupten. Aber wer ken­nt schon Dmitri Waler­je­w­itsch Utkin? Wir stellen ihn vor.

Ein Satz noch zum Reg­i­ment Asow. Der stammt von der Band „Feine Sahne Fis­chfilet“, die ger­ade einen Hil­f­sein­satz für die Ukraine hin­ter sich hat: „Und wenn irgendw­er noch sein dummes Maul auf­macht und meint so megaschlau zu sein, weil er davon labert, dass auf ukrainis­ch­er Seite ja auch Faschos, wie Asow rum­laufen: Ja, danke für die bahn­brechende Info, dass es über­all Wichser gibt.

Dann sehen wir uns zur Abwech­slung statt der öster­re­ichis­chen Faschis­ten und Recht­sex­tremen die rus­sis­chen an. Schließlich hat der ober­ste Kriegsh­err Rus­s­lands, Wladimir Putin, davon gesprochen, dass er den Krieg wegen der notwendi­gen Ent­naz­i­fizierung führen würde: „Dass wir uns im Krieg mit Neon­azis befind­en, zeigt der Ver­lauf der Feind­seligkeit­en“, hat­te er in sein­er Rede beim Nationalen Sicher­heit­srat eine Woche nach Kriegs­be­ginn erklärt.

Ziem­lich sich­er hat er damit nicht die „Gruppe Wag­n­er“ gemeint, deren Chef Dmitri Waler­je­w­itsch Utkin heißt. Die „Gruppe Wag­n­er“ ist eine rus­sis­che paramil­itärische Söld­nertruppe, die in der Regel verdeckt operiert und nach allen ver­füg­baren Infor­ma­tio­nen vom Oli­garchen Jew­geni Prigoschin finanziert wird, der auch unter dem Namen „Putins Koch“ bekan­nt ist. Das ist aber nicht die einzige Verbindung zu Putin.

Prigoschin ("Putins Koch") gesucht vom FBI

Prigoschin („Putins Koch”) gesucht vom FBI

Die „Gruppe Wag­n­er“ erledigt die mil­itärischen Dreckar­beit­en für Putin und den rus­sis­chen Staat. Ob in Syrien, wo ihr erster Ein­satz stat­tfand, oder in Arme­nien, dem Sudan, Libyen, Mali, der Zen­tralafrikanis­chen Repub­lik, Mosam­bik und in möglicher­weise in etlichen anderen Län­dern: Über­all, wo das Putin-Regime seine Ein­flusssphäre aus­dehnen oder auch fes­ti­gen will, tauchen die verdeckt operieren­den Söld­ner der „Gruppe Wag­n­er“ auf. Natür­lich auch in der Ukraine, wo sie seit 2014 in der Don­bass-Region ihr Unwe­sen treiben. Manch­mal hin­ter­lassen sie auch Spuren. Braune Spuren, wie sie etwa durch den „Times“-Journalisten Samer Al-Atrush oder über die Recherche-Plat­tform „inform­na­palm” doku­men­tiert sind: aus Libyen oder auch aus Syrien.

Manch­mal sind es ein­fach mörderische Spuren, die Rückschlüsse auf die Gesin­nung in der „Gruppe Wag­n­er“ zulassen. Etwa wenn sie unbeteiligte Zivilis­ten mor­den oder einen rus­sis­chen Jour­nal­is­ten, der ihnen nachrecher­chiert hat, oder hier:

Im Novem­ber 2019 iden­ti­fizierten Jour­nal­is­ten der Nowa­ja Gase­ta auf einem Video im Inter­net einen rus­sis­chen Staats­bürg­er als Wag­n­er­söld­ner, der dabei zu sehen ist, wie er gemein­sam mit Kam­er­aden im Jahr 2017 in ein­er Tankstelle bei Homs einen Syr­er zu Tode foltert. Der Syr­er war ver­mut­lich zuvor desertiert und wurde von den offen­bar betrunk­e­nen Wag­n­er­leuten mit einem Vorschlagham­mer geschla­gen und anschließend mit einem Feldspat­en geköpft. Der Leiche wur­den die Arme abge­tren­nt und der Kör­p­er wurde mit einem Brandbeschle­u­niger über­gossen und angezün­det. (Wikipedia)

Doch woher kommt der Name der Gruppe, „Wag­n­er“? Ihr Grün­der Dmitri Waler­je­w­itsch Utkin hat sich diesen Namen als Kampf­na­men gegeben. Er bezieht sich dabei auf Richard Wag­n­er, den Lieblingskom­pon­is­ten von Adolf Hitler. Klingt kon­stru­iert, aber der Zweifel löst sich rasch auf, wenn man sich den nack­ten Oberkör­p­er von Dmitri etwas näher betra­chtet. Da sieht man dann ein­tä­towiert als Kra­gen­spiegel die Siegrunen der SS und das Rangabze­ichen eines Haupt­sturm­führers. Darunter auf der Brust – damit kein Zweifel aufkommt – der Reich­sadler, der mut­maßlich das Hak­enkreuz umkrallt. Aber das ist auf dem Foto nicht genau zu erken­nen. In Lugan­sk ließ er seine Truppe mit NS-Wehrma­cht­shel­men antreten.

Utkin mit eintätowiertem Kragenspiegel eines SS-Hauptsturmführers (Siegrunen SS und Rangabzeichen) und Reichsadler

Utkin mit ein­tä­towiertem Kra­gen­spiegel eines SS-Haupt­sturm­führers (Siegrunen SS und Rangabze­ichen) und Reichsadler

2016 hat Utkin von Putin eine Ausze­ich­nung für „beson­deres Helden­tum“ erhal­ten. Auch andere Söld­ner der „Gruppe Wag­n­er“ waren für ihren ille­galen Ein­satz im Don­bass vom Putin-Regime aus­geze­ich­net wor­den, obwohl bis 2017 pri­vate Söld­nertrup­pen in Rus­s­land ver­boten waren, wie das Por­tal Fontan­ka damals berichtete.

fontanka.ru zur Gruppe Wagner: "Sie kämpften für Palmyra"

fontanka.ru zur Gruppe Wag­n­er: „Sie kämpften für Palmyra”

Die „Gruppe Wag­n­er“ ist keine mörderische Stiefel­truppe wie die SA, son­dern eine hoch­pro­fes­sionelle und bestens ent­lohnte Mordein­heit mit mehreren tausend Söld­nern, die über ein bre­ites Waf­fe­narse­nal – von Panz­ern über Artillerie bis hin zu Raketen – ver­fügt. Sie agiert fast auss­chließlich im Aus­land (Aus­nahme Tschetsche­nien) und in Ein­sätzen, die für das offizielle Rus­s­land zu riskant bzw. zu mörderisch sind. An ihrer Spitze ste­ht ein Nazi-Fan, der jet­zt in der Ukraine mit sein­er Ein­heit offen­sichtlich darauf ange­set­zt ist, die Staatsspitze der Ukraine, voran deren Präsi­den­ten Selen­s­ki, auszuschal­ten. „Ent­naz­i­fizieren“ heißt das dann in Putin­schem Neusprech.

➡️ Bell­tow­er: Putins recht­sex­treme Schattenarmee
➡️ Res Pub­li­ca: Signs of Neo-Nazi Ide­ol­o­gy Amongst Russ­ian Mercenaries