Alle nicht ganz dicht?

53 Schauspieler*innen haben es nicht so gemeint – wobei: Einige vielle­icht doch. Was sie mit ihren „iro­nis­chen“ Videos unter „Alles dicht machen“ ange­blich woll­ten, ist das eine. Was sie aus­gelöst haben, das andere: näm­lich viel Applaus aus der Corona-Leugner*innen-Szene und von ganz weit Recht­saußen. Da helfen auch keine nachträglichen Dis­tanzierun­gen mehr. Aus­gewählte Reak­tio­nen zur Kam­pagne der Schauspieler*innen.

RND (Imre Grimm): Stars gegen den Lock­down: Warum die Aktion „Alles dicht machen“ eine Ver­höh­nung der Coro­na­toten ist

Das Erschreck­ende ist: Die Pop­u­lar­ität der Aktion­steil­nehmer sorgt automa­tisch für tosenden Applaus von recht­saußen. „In Deutsch­land gibt es tat­säch­lich noch regierungskri­tis­che Satire“, staunt „Tichys Ein­blick“. Die AfD schert in den Jubelge­sang ein. Die üblichen Verdächti­gen verneigen sich in Bewun­derung vor den Granden der Kul­tur, die den „Mut“ hät­ten, auch mal etwas gegen die Regierung zu sagen. Man fragt sich ern­sthaft, unter welchem Stein diese Jubelpers­er in den let­zten Monat­en geschlafen haben.
„FCKNZS“ (Fuck Nazis) ste­ht anlass­los, ein­sam und winzig klein am unteren Ende der Web­site mit den Videos. Es wirkt wie ein typografis­ches Feigen­blättchen. Ganz so, als habe man am Ende doch irgend­wie geah­nt, wessen Ungeist man mit dieser gratismuti­gen Aktion beschwören kön­nte, die wenig mit legit­imer Kri­tik an den Coro­na­maß­nah­men zu tun hat, son­dern vor allem die Leg­ende von der macht­geilen Regierung nährt, für die Coro­na nur ein Vor­wand sei, uns alle zu knechten.
Was für ein kom­mu­nika­tiv­er Fehlschlag, wenn man sich schnell noch von Nazis dis­tanzieren muss, um keine Missver­ständ­nisse aufkom­men zu lassen. (gesamter Artikel: rnd.de, 23.4.21)

Tagesspiegel (Sebas­t­ian Leber): „Alles dicht machen“ ist so schäbig, dass es weh tut

Die Videos enthal­ten Botschaften, wie man sie von Quer­denken-Demos ken­nt: Die Pan­demie sei Panikmache, die Medi­en seien gle­ichgeschal­tet, die Bun­desregierung regiere autoritär. (…)
Gefeiert wird die Aktion dage­gen von Quer­denkern, Recht­sex­trem­is­ten und anderen Ver­schwörungs­gläu­bi­gen. Hans-Georg Maaßen ist begeis­tert. Nein, dafür kön­nen die beteiligten Schauspieler:innen nichts. Aber es kön­nte ihnen zu denken geben.
Wer die Idee zu der Kam­pagne hat­te, ist noch unklar. Im Impres­sum der zuge­höri­gen Inter­net­seite ste­ht ein Mann, der das Coro­n­avirus schon vor Monat­en mit dem Grippe­virus gleichsetzte. (…)
Unter denen, die sich beteiligt haben, sind einige, denen man diese Unver­schämtheit nicht zuge­traut hätte. Wotan Wilke Möhring und Meret Beck­er zum Beispiel. Man hat die leise Hoff­nung, dass sie schnell alles aufk­lären wer­den: War doch nur Spaß. Und dass sie dann vielle­icht stattdessen zum Impfen aufrufen. Aber das wird nicht passieren. Die meinen das so. Es ist eben nicht vorherse­hbar, wer in dieser Pan­demie sta­bil und vernün­ftig bleibt und wer lei­der abdriftet. (…)
Einige der Schauspieler:innen wer­den sich in den kom­menden Tagen sich­er über den mas­siv­en Gegen­wind beschw­eren. Sie wer­den argu­men­tieren: Das wird man doch wohl noch sagen dür­fen. Ja, das darf man. Aber man muss auch damit leben, dass solch­er Unsinn nicht unwider­sprochen bleibt. (gesamter Artikel: tagesspiegel.de, 23.4.21)

 

Nichts gegen einen kri­tis­chen Diskurs. @JanJosefLiefers mag sich von der #AfD dis­tanzieren, aber der Stil von #alles­dicht­machen ist der des Pop­ulis­mus: Aber mit recht­en Kern­nar­ra­tiv­en, wie Manip­u­la­tion durch die Medi­en, Applaus von rechts außen provozieren. Vor allem: Aufmerk­samkeit durch den großen Wider­spruch von anderen provozieren. Dann: halb­herzige Entschuldigun­gen. Das ken­nen wir von Gauland und Co. Und weil das Game so läuft, sitzen Liefers und Co sich­er in Kürze neben Streeck und anderen in den TV-Stu­dios der „Manip­u­la­tion“.

 

Weil hier Leute find­en, die #alles­dicht­machen-Videos seien ja bloß Kri­tik an der Regierung usw, möchte ich hier dar­legen, warum sie in ihrer Gesamtheit recht­sradikale Inhalte transportieren.

 

Alt­nazi Dieter Riefling gefällt das — läuft für @Jan­Jose­fLiefers

 

Also falls @JanJosefLiefers von der #AfD gefeiert wer­den wollte, hat er es geschafft.

 

Wenn Atti­la Hild­mann dich wohlwol­lend teilt, bist du auf der ganz falschen Seite der Geschichte. #allenicht­ganzdicht

 

Mit seinen presse­feindlichen Sug­ges­tivfra­gen bedi­ent Liefers ein Lügen­presse-Nar­ra­tiv, wie es auch in Quer­denken-Kreisen kul­tiviert wird. Der sug­ges­tive Charak­ter der Fra­gen wird spätestens beim „auch” der vor­let­zten Frage überdeutlich.

 

Und zum Schluss eine Empfehlung, der wir uns anschließen: