RND (Imre Grimm): Stars gegen den Lockdown: Warum die Aktion „Alles dicht machen“ eine Verhöhnung der Coronatoten ist
Das Erschreckende ist: Die Popularität der Aktionsteilnehmer sorgt automatisch für tosenden Applaus von rechtsaußen. „In Deutschland gibt es tatsächlich noch regierungskritische Satire“, staunt „Tichys Einblick“. Die AfD schert in den Jubelgesang ein. Die üblichen Verdächtigen verneigen sich in Bewunderung vor den Granden der Kultur, die den „Mut“ hätten, auch mal etwas gegen die Regierung zu sagen. Man fragt sich ernsthaft, unter welchem Stein diese Jubelperser in den letzten Monaten geschlafen haben.
„FCKNZS“ (Fuck Nazis) steht anlasslos, einsam und winzig klein am unteren Ende der Website mit den Videos. Es wirkt wie ein typografisches Feigenblättchen. Ganz so, als habe man am Ende doch irgendwie geahnt, wessen Ungeist man mit dieser gratismutigen Aktion beschwören könnte, die wenig mit legitimer Kritik an den Coronamaßnahmen zu tun hat, sondern vor allem die Legende von der machtgeilen Regierung nährt, für die Corona nur ein Vorwand sei, uns alle zu knechten.
Was für ein kommunikativer Fehlschlag, wenn man sich schnell noch von Nazis distanzieren muss, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. (rnd.de, 23.4.21)
Tagesspiegel (Sebastian Leber): „Alles dicht machen“ ist so schäbig, dass es weh tut
Die Videos enthalten Botschaften, wie man sie von Querdenken-Demos kennt: Die Pandemie sei Panikmache, die Medien seien gleichgeschaltet, die Bundesregierung regiere autoritär. (…)
Gefeiert wird die Aktion dagegen von Querdenkern, Rechtsextremisten und anderen Verschwörungsgläubigen. Hans-Georg Maaßen ist begeistert. Nein, dafür können die beteiligten Schauspieler:innen nichts. Aber es könnte ihnen zu denken geben.
Wer die Idee zu der Kampagne hatte, ist noch unklar. Im Impressum der zugehörigen Internetseite steht ein Mann, der das Coronavirus schon vor Monaten mit dem Grippevirus gleichsetzte. (…)
Unter denen, die sich beteiligt haben, sind einige, denen man diese Unverschämtheit nicht zugetraut hätte. Wotan Wilke Möhring und Meret Becker zum Beispiel. Man hat die leise Hoffnung, dass sie schnell alles aufklären werden: War doch nur Spaß. Und dass sie dann vielleicht stattdessen zum Impfen aufrufen. Aber das wird nicht passieren. Die meinen das so. Es ist eben nicht vorhersehbar, wer in dieser Pandemie stabil und vernünftig bleibt und wer leider abdriftet. (…)
Einige der Schauspieler:innen werden sich in den kommenden Tagen sicher über den massiven Gegenwind beschweren. Sie werden argumentieren: Das wird man doch wohl noch sagen dürfen. Ja, das darf man. Aber man muss auch damit leben, dass solcher Unsinn nicht unwidersprochen bleibt. (tagesspiegel.de, 23.4.21)
Nichts gegen einen kritischen Diskurs. JanJosefLiefers mag sich von der #AfD distanzieren, aber der Stil von #allesdichtmachen ist der des Populismus: mit rechten Kernnarrativen, wie Manipulation durch die Medien, Applaus von rechts außen provozieren. Vor allem: Aufmerksamkeit durch den großen Widerspruch von anderen provozieren. Dann: halbherzige Entschuldigungen. Das kennen wir von Gauland und Co. Und weil das Game so läuft, sitzen Liefers und Co sicher in Kürze neben Streeck und anderen in den TV-Studios der „Manipulation“.
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