Der Antisemitismus der Zurückgebliebenen

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Das Tem­po der Radi­ka­li­sie­rung bei den Frei­heit­li­chen ist rasant. Mög­li­cher­wei­se kommt aber jetzt nur das zum Vor­schein, was ohne­hin schon immer in die­ser Par­tei vor­han­den war. Die Alli­anz von Her­bert Kickl und vie­len ande­ren Blau­en mit Neo­na­zis, Iden­ti­tä­ren, Anti­se­mi­ten und ande­ren Rechts­extre­men bei der Coro­na-Demo am 6. März macht es sicht­bar. Die zuhau­se Zurück­ge­blie­be­nen ste­hen ihnen aber in Nichts nach.

Ilse Bür­baum ist auf Face­book mit einem Kon­to ver­tre­ten, das sie als Spre­che­rin beim ORF, die jetzt in Pen­si­on ist, aber beim ORF arbei­tet, aus­weist. Genaue­res geht aus ihren Anga­ben nicht her­vor. Egal. Über sons­ti­ge per­sön­li­che Kenn­da­ten, reli­giö­se oder poli­ti­sche Ein­stel­lung, ver­rät ihr Face­book-Kon­to nichts.

Wer­ner Rogner, mul­ti­pler FPÖ-Funk­tio­när und ‑Man­da­tar aus Nie­der­ös­ter­reich, glaubt mehr über Ilse Bür­baum zu wis­sen. Frau Bür­baum hat sich näm­lich in einem Kom­men­tar über die Coro­na-Demons­tran­ten empört und ihnen nahe­ge­legt, doch aus­zu­wan­dern: nach Russ­land oder Ungarn, in die Tür­kei oder nach Syri­en: „Nur Demos gibt’s dort kei­ne – nur lebens­lang, Straf­la­ger oder gleich ent­sorgt…. nur bit­te BEI UNS NICHT MEHR, WIR WOLLEN UNSEREN FRIEDEN UND HABEN GENUG PROBLEME!!“ Eine emo­tio­na­le Stel­lung­nah­me, die nicht beson­ders über­legt ist, aber ange­sichts von Coro­na-Demons­trie­ren­den, die Öster­reich als Dik­ta­tur und Putin und Trump als Erlö­ser sehen, auch nicht völ­lig unverständlich.

Rogner über Bürbaum: "Eine ältere Linkslinke"

Rogner über Bür­baum: „Eine älte­re Linkslinke”

Dem FPÖ-Funk­tio­när Rogner ist der Kom­men­tar der Frau Bür­baum in die Hän­de gefal­len, und er arbei­tet sich an ihm ab – mit unsau­be­ren Metho­den: „Eine älte­re Links­lin­ke ehe­ma­li­ge ORF Spre­che­rin will nach eige­nen Aus­sa­gen, DEMONSTRANTEN ENTSORGEN. Hat sie das beim ORF gelernt, oder woher kommt die­se kata­stro­pha­le Ein­stel­lung

Sein Pos­ting strotzt nur so von Unter­stel­lun­gen und Unter­grif­fen. Da wird Bür­baum als „Links­lin­ke“ vor­ge­führt – ohne jeden Anschein einer lin­ken Posi­ti­on; da wird ihr unter­stellt, Demons­tran­ten ent­sor­gen zu wol­len, und da wird gleich noch der ORF in die Haf­tung genommen.

Es gibt nicht vie­le Reak­tio­nen auf das Pos­ting des frei­heit­li­chen Funk­tio­närs, aber die weni­gen sind bezeich­nend. In einem wird dem „Trampl“ selbst das Aus­wan­dern nahe­ge­legt, in einem ande­ren die Kür­zung ihrer Pen­si­on „auf min­dest Ein­kom­men dann wird sie nicht mehr so blöd reden“.

Stubauer bei Rogner: "Sage ja, Juden gehören nach Israel"

Stu­bau­er bei Rogner: „Sage ja, Juden gehö­ren nach Israel”

Dann aber gibt es noch einen Kom­men­tar, der – obwohl er so offen­sicht­lich nach Anti­se­mi­tis­mus stinkt – noch immer (9.3., 12 Uhr) online bei Wer­ner Rogner zu fin­den ist: „Bit­te zurück nach Isra­el, solch unqua­li­fi­zier­te Aus­sa­gen haben hier nichts zu suchen“. Die­ser Satz stammt von Alfred Stu­bau­er und wur­de am 7.3. um 22h06 zum Screen­shot des Bür­baum-Kom­men­tars gestellt.

Stubauer kommentiert bei Rogner: "Bitte zurück nach Israel ..."

Stu­bau­er kom­men­tiert bei Rogner: „Bit­te zurück nach Israel …”

Zurück nach Isra­el? War­um soll Frau Bür­baum zurück nach Isra­el? War­um schreibt Alfred Stu­bau­er so etwas? Wer ist Alfred Stu­bau­er eigent­lich? Alfred Stu­bau­er ist Funk­tio­när der FPÖ in St. Ulrich bei Steyr und Betriebs­rat bei BMW Steyr. Am 8. März pos­tet er auf sei­nem FB-Account: „In letz­ter Zeit wur­de unter mei­nem Namen fälsch­li­cher­wei­se viel gepos­tet. Trotz pass­wort-Ände­rung kann ich das lei­der nicht ver­hin­dern. Eine Anzei­ge brach­te bis jetzt auch nichts. Bit­te um Ver­ständ­nis !

Was wur­de da unter sei­nem Namen „fälsch­li­cher­wei­se viel“ gepos­tet? Und war­um kann er das nicht ver­hin­dern? Den Kom­men­tar zu Frau Bür­baum kann er wohl nicht gemeint haben, denn der ist noch immer online. Aber viel­leicht hat er das Pos­ting vom 15. Febru­ar gemeint, das in sei­ner Chro­nik bis zum 8. März noch online war, mitt­ler­wei­le aber gelöscht ist: „Wel­cher Jude in der EU, Deutsch­land oder Öster­reich hat den Impf­stoff eigent­lich an Isra­el wei­ter­ge­lei­tet? Chris­te oder Mos­lem wird’s ja nicht gewe­sen sein“. Die Unter­stel­lung ist nicht nur schwach­sin­nig, son­dern auch het­ze­risch anti­se­mi­tisch. Dass sie drei Wochen auf der Time­line von Alfred Stu­bau­er ste­hen kann, spricht nicht unbe­dingt für Stu­bau­ers Behaup­tung, dass da unter sei­nem Namen „fälsch­li­cher­wei­se “ gepos­tet wurde.

Posting Alfred Stubauer: "Welcher Jude in der EU (...) hat den Impfstoff eigentlich an Israel weitergeleitet?"

Pos­ting Alfred Stu­bau­er: „Wel­cher Jude in der EU (…) hat den Impf­stoff eigent­lich an Isra­el weitergeleitet?”

Bei Wer­ner Rogner ist näm­lich nicht nur der von Stu­bau­er gezeich­ne­te Kom­men­tar mit „zurück nach Isra­el“ zu lesen, son­dern – als Ergän­zung zu dem „Trampl“-Poster noch ein Kom­men­tar von Stu­bau­er: „Sage ja, Juden gehö­ren nach Isra­el

Stu­bau­er, der FPÖ-Funk­tio­när (oder wer auch immer bei ihm sonst noch mit­schreibt) kom­men­tiert also unge­niert anti­se­mi­tisch und Rogner, der FPÖ-Funk­tio­när, der mit sei­nen Unter­stel­lun­gen gegen­über Frau Bür­baum die Unter­la­ge gelie­fert hat, lässt das so ste­hen. Unkom­men­tiert und auch unge­niert. Das ist die FPÖ neu!