MKÖ kritisiert Pläne zum Hitler-Geburtshaus

Scharfe Reak­tio­nen ern­tete das Innen­min­is­teri­um nach der Präsen­ta­tion der Umgestal­tungspläne für das „Hitler-Haus“ in Brau­nau. Die sehen eine „Neu­tral­isierung“ des Haus­es durch einen architek­tonis­chen Ein­griff. Und die Ent­fer­nung des Mahn­steines gegen Krieg und Faschismus.

Klar ist: Es gibt wohl kaum den Königsweg mit dem Umgang eines der­maßen heiklen Erin­nerung­sortes wie jenen des Geburtshaus­es von Adolf Hitler. Brau­nau war und ist Anziehung­sort für (Neo-)Nazis und wird es ver­mut­lich auch bleiben. Auch wir im Team von SdR haben unter­schiedliche Vorstel­lun­gen, was mit dem Haus in Brau­nau passieren sollte.

Wenn ein Ziel darin beste­ht, mit der Geschichte des Ortes und des Haus­es einen lehrre­ichen Umgang zu find­en und ein zweites, das Haus als Anziehungspunkt für Anhän­gerIn­nen der NS-Ide­olo­gie unat­trak­tiv­er zu machen, ergeben sich ver­schiedene Vari­anten. Ob jene, die das Innen­min­is­teri­um gewählt hat, die klüg­ste ist, darf bezweifelt wer­den. Das befind­en viele Per­so­n­en, die im Rah­men der Erin­nerungskul­tur und ‑poli­tik tätig sind. Hier die Stel­lung­nahme des MKÖ und des Oberöster­re­ichis­chen Net­zw­erks gegen Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus. Weit­ere Posi­tion­ierun­gen wer­den folgen.

Presseaussendung Mau­thausen Kom­mi­tee Öster­re­ich, 3.6.20

MKÖ-Mernyi: „Ver­drän­gung statt Auseinandersetzung“

Wien (OTS) — Grund­sät­zliche Kri­tik an den vorgestell­ten Plä­nen zur Neugestal­tung des Hitler-Geburtshaus­es in Brau­nau üben das Mau­thausen Komi­tee Öster­re­ich (MKÖ) und das OÖ. Net­zw­erk gegen Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus.

Das MKÖ ist dem Ver­mächt­nis der über­leben­den Häftlinge des KZ Mau­thausen und sein­er Außen­lager verpflichtet. Das OÖ. Net­zw­erk, dem 87 Organ­i­sa­tio­nen ange­hören, engagiert sich gemein­sam mit dem MKÖ für eine würdi­ge Gedenkkultur.

„Die geplante Neugestal­tung des Hitler-Geburtshaus­es ori­en­tiert sich an der Devise ‚Ver­drän­gung statt Auseinan­der­set­zung“, sagt MKÖ-Vor­sitzen­der Willi Mernyi. „Offen­bar will man die Welt vergessen lassen, dass der schlimm­ste Massen­mörder der Geschichte in Brau­nau geboren wurde. Dieser Ansatz ist inhaltlich falsch und wird auch sich­er nicht funk­tion­ieren. Man muss zu dem ste­hen, was war.“

„Anstelle des krampfhaften Ver­suchs, die his­torischen Tat­sachen zu ‚neu­tral­isieren‘, sollte gedenkpoli­tisch offen­siv vorge­gan­gen wer­den“, fordert Robert Eit­er, Sprech­er des OÖ. Net­zw­erks gegen Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus. „Beispiel­sweise wäre ein Konzept wie das ‚Haus der Ver­ant­wor­tung‘ des Poli­tik­wis­senschafters Andreas Mais­linger geeignet. Es würde Brau­nau und ganz Öster­re­ich viel Anse­hen bringen.“

Auf vehe­mente Ablehnung stößt beson­ders der Plan, den „Mahn­stein gegen Krieg und Faschis­mus“ vom Gehsteig vor dem Hitler-Geburtshaus zu ent­fer­nen und ins „Haus der Geschichte“ nach Wien zu ver­legen. „Da schließen wir uns dem Protest von Flo­ri­an Kotanko, dem Leit­er der ‚Brau­nauer Zeit­geschichte­tage‘, vollinhaltlich an“, erk­lärt Mernyi. „Dass diese Mah­nung an die Mil­lio­nen NS-Opfer aus Brau­nau weg soll, ist fatal. Dage­gen wird es bre­it­en Wider­stand geben“, betont Eit­er. (Ende)