Antisemitismus von Kurz und türkiser NS-Vergleich bei Grönemeyer

Tal Sil­ber­stein ist – ähn­lich wie George Soros – zu einem Syn­onym für offe­nen oder manch­mal verk­lausulierten Anti­semitismus gewor­den. Auch Sebas­t­ian Kurz bedi­ent – bewusst oder unbe­wusst – diesen Code. Gle­ichzeit­ig empören sich auch türkise Parteigänger über den Auftritt des deutschen Sängers Her­bert Gröne­mey­er in der Wiener Stadthalle und stra­pazieren im Gle­ichk­lang mit eini­gen deutsche AfD-Granden NS-Vergleiche.

Ja, Her­bert Gröne­mey­er hat beim Auftritt in der Wiener Stadthalle seinen Appell, gegen Rechts, gegen Ras­sis­mus und Het­ze aufzuste­hen, gebrüllt. Die AfD reagierte mit wilden Angrif­f­en, sodass selb­st Außen­min­is­ter Heiko Maas zu ein­er Vertei­di­gung des Lie­der­ma­ch­ers aus­rück­te. Aber was hat­te Gröne­mey­er wirk­lich gesagt?

Ich kann mich nicht erin­nern in meinem Leben (…) – ich kan­nte das nur vom Hören­sagen – in Zeit­en zu leben, die so zer­brech­lich, so brüchig und so dünnes Eis sind. Und ich glaube, es muss uns klar sein, auch wenn Poli­tik­er schwächeln, und das, glaub ich, ist in Öster­re­ich nicht anders als in Deutsch­land, dann liegt es an uns, zu dik­tieren, wie eine Gesellschaft auszuse­hen hat. Und wer ver­sucht, so eine Sit­u­a­tion der Unsicher­heit zu nutzen für recht­es Geschwafel, für Aus­gren­zung, Ras­sis­mus und Het­ze, der ist fehl am Platze. Diese Gesellschaft ist offen und human­is­tisch, bietet Men­schen Schutz und kein … [nicht ver­ständlich]. Und wir müssen diesen Men­schen so schnell wie möglich und ganz ruhig, den Spaß daran aus­treiben. Keinen Mil­lime­ter nach Rechts! Und das ist so. Und das bleibt so.

 

Mehr hat es nicht gebraucht: Es war ein willkommen­er Anlass für weit rechts Blink­ende, gegen Gröne­mey­er loszuziehen. Die AfD-Bun­destagsab­ge­ord­nete Beat­rix von Storch wit­tert in etwas hol­prigem Deutsch das Her­aufziehen ein­er Dik­tatur, natür­lich ein­er linken:

Den Außen­min­is­ter will wie aus­drück­lich #Groen­e­mey­erdie #Dik­tatur. Das ist die furchterregendste,übelste, total­itärste Has­srede, die ich je gehört habe. Das ist Ton u Furor des neuen Ter­rors von links. Wer das unter­stützt, ist — wie @HeikoMaas-ein Fall für den Verfassungsschutz

Ihre Frak­tion­skol­le­gin Alice Wei­del stößt in ein ähn­lich­es Horn:

Her­bert #Gröne­mey­er heizt die Stim­mung erst auf. Dazu aufzu­fordern, gesellschaftliche Eck­punk­te zu „dik­tieren”, erin­nert an total­itäre Regime. Dass Heiko #Maas ihm auf Twit­ter auch noch dafür dankt, dik­ta­torische Ansin­nen auf offen­er Bühne zu vertreten, passt ins Bild.

Den Vogel schoss der Berlin­er AfD-Abge­ord­nete Har­ald Laatsch ab, indem er Gröne­mey­er gar mit dem NS-Pro­pa­gan­damin­is­ter Goebbels gle­ich­set­zte: „Her­bert #Groen­e­mey­er gibt den #Goebbels
Unbe­d­ingt anhören.“

Natür­lich musste auch der öster­re­ichis­che Rechts­block aus­re­it­en. Obwohl die FPÖ an sich keine Schwierigkeit­en hat, wenn es um die Nähe zur deutschen Volks­ge­mein­schaft geht, warnte der FPÖ-Gen­er­alsekretär Har­ald Vil­im­sky via Presseaussendung in Rich­tung des deutschen Außen­min­is­ters Heiko Maas ein­dringlich vor dem Ver­such, „Ein­fluss auf den Wahlkampf in Öster­re­ich zu nehmen. Erfahrungs­gemäß bewirkt eine solche Moralkeule aus Deutsch­land bei den Öster­re­icherin­nen und Öster­re­ich­ern aber genau das Gegen­teil, indem Angriffe dieser Art bei den Wahlen abgewehrt wer­den“.

Auch der frühere ÖVP-Gen­er­alsekretär Hannes Mis­sethon bemühte einen NS-Vergleich:

Habe ich mich erschreckt
Ist sich­er eine der vie­len Doku­men­ta­tio­nen über Hitler-Deutschland.
Habe ich geglaubt.
Bin jet­zt beruhigt. Es ist nur Her­bert #Gröne­mey­er

extra3 reagiert auf den Grönemeyer-Shitstorm durch die Rechte: "Was will der uns als nächstes "diktieren"? Dass die Würde des Menschen unantastbar ist, oder was?!?"

extra3 reagiert auf den Gröne­mey­er-Shit­storm durch die Rechte: „Was will der uns als näch­stes ‚dik­tieren’? Dass die Würde des Men­schen unan­tast­bar ist, oder was?!?”

Weniger schock­iert – oder eigentlich gar nicht – reagierte das rechte Öster­re­ich, als Sebas­t­ian Kurz bei der Pul­s4-Wahlkon­fronta­tion gegen Beate Meinl-Reisinger Tal Sil­ber­stein aus der Mot­tenkiste her­vorholte. Wie er das tat, war bemerkenswert: Er rück­te Neos mit der Mut­maßung, an Tal Sil­ber­stein sei ver­steckt Geld geflossen, als dieser die Partei beim Wiener Wahlkampf 2015 berat­en hat­te, in Rich­tung Ille­gal­ität, denn Sil­ber­stein sei „ein­er der teuer­sten Wahlkampf­ber­ater der Welt, ein Israeli, der in Ameri­ka, Osteu­ropa, Öster­re­ich als Söld­ner Wahlkämpfe macht”. Und der würde kaum kosten­los arbeit­en. Nun hätte es, wenn Kurz seine Mut­maßun­gen schon unbe­d­ingt vom Stapel lassen wollte, gere­icht zu sagen, er glaube nicht daran, dass Sil­ber­stein gratis gear­beit­et hat. Punkt. Die Zusätze „Israeli”, „Söld­ner” (noch dazu in „Ameri­ka”) in Verbindung mit einem, der Geld schef­felt, bemühen jedoch das klas­sisch anti­semi­tis­che Bild vom ver­rucht­en geld­schef­fel­nden Juden.

Selb­st der IKG-Präsi­dent Oskar Deutsch sah sich ver­an­lasst zu reagieren:

Jed­er Spitzen­poli­tik­er sollte seine Worte umsichtiger wählen. Auch ein aufrechter Demokrat, der große Erfolge im Kampf gegen Anti­semitismus vorzuweisen hat, muss bedenken was er mit gewis­sen Worten aus­löst. (OD)

Wenn’s hap­pig in solchen Angele­gen­heit­en wird, rückt der jüdis­che Nation­al­ratsab­ge­ord­nete der ÖVP, Mar­tin Engel­berg, aus, dem Bini Guttmann von den „Jüdis­chen öster­re­ichis­chen Hochschü­lerIn­nen” antwortete:

Nach­dem Kurz bei Beendi­gung der Koali­tion mit der FPÖ schon behauptet hat­te, er hätte auf­grund der zahlre­ichen „Einzelfälle” viel hin­un­ter­schluck­en müssen, muss er nun auf­passen, dass er sich nicht an sich selb­st verschluckt.

Der Kuri­er-Jour­nal­ist Christoph Schat­tleit­ner fasst zusam­men. Wir lassen das so ste­hen. (Von unten nach oben zu lesen!)