Das freiheitliche Ehrenamt und der Ofenrohrberater

Ver­mut­lich liegt es an unseren linkslinken Wah­nideen, dass wir das „Ehre­namt“ oder die „ehre­namtliche Tätigkeit“ mit dem Begriff unent­geltlich verbinden, Wie uns jet­zt die FPÖ an einem schö­nen Beispiel lehrt, muss das wirk­lich nicht so sein. Weil 7 Minuten aus einem Video die Kar­ri­ere­pla­nung der ober­sten blauen Fam­i­lie kurzfristig ins Wanken gebracht haben, müssen auch bei den Stra­ches die Groschen gezählt wer­den. Da kann auch das Ehre­namt nicht ehre­namtlich bleiben!

Obwohl mit­tler­weile schon wieder eifrig an den näch­sten Kar­ri­ereschrit­ten bei den Stra­ches gebastelt wird, kurzfristig war da ein Loch – oder gab es das gar nicht? Mit bangem Herzen mussten die blauen Fans nach dem Rück­tritt ihres Vizekan­zlers und Parte­ichefs die exis­ten­ziellen Nöte der Stra­ches miter­lei­den. Wie soll­ten die Stra­ches den Ver­lust von knapp 20.000 Euro brut­to monatlich verkraften?

War die Botschaft von Philip­pa, der treu sor­gen­den Ehe­frau und Tier­schutzbeauf­tragten, wonach Har­ald Vil­im­sky für die EU-Wahl „jet­zt erst recht“ ihr „ganzes Ver­trauen“ hätte, nicht doch etwas vor­eilig gewe­sen? Nach der Wahl und den vie­len Vorzugssstim­men für ihren „Hein­rich“ war sie sich jeden­falls sich­er, dass auch der einen Teil von dem ganzen Ver­trauen ver­di­enen würde und wün­schte ihn sich nach Brüs­sel: „Ich per­sön­lich finde, er sollte diesen Schritt wagen.“ (news.at, 10.6.19)

Schließlich kann die Frau rech­nen und weiß, was ein funk­tion­ieren­der Stra­che-Haushalt inkl. Ibiza, Getränken und anderen Sub­stanzen kostet. Allein – Philip­pa hat ihre Rech­nung ohne den Wirt FPÖ gemacht, der das Come­back ihres ges­trauchel­ten Helden doch zu rasch und in dieser Form ungele­gen kam. So ent­stand der Phasen­plan, bei dem zunächst ein­mal Philip­pa in den Nation­al­rat geschickt wird, um dort so etwas wie eine Min­dest­sicherung für die Stra­che-Fam­i­lie als Tier­schutzsprecherin zu erwirtschaften. Der Hein­rich wurde einst­weilen auf Wartepo­si­tion gestellt und darf sich dann später vielle­icht ein Zubrot im Wiener Gemein­der­at erarbeiten.

Die ban­gen blauen Beobach­terIn­nen kön­nen natür­lich auch rech­nen und wis­sen, dass das karge Abge­ord­netenge­halt zumin­d­est für das näch­ste Jahr eine ziem­lich dürre Peri­ode bedeuten würde. Deshalb die Idee mit einem net­ten Berater­ver­trag für den ehe­ma­li­gen Parte­ichef. Schließlich hat der HC damit schon Erfahrung. Als er noch Wiener Gemein­der­at und Land­tagsab­ge­ord­neter der FPÖ war, ver­di­ente sich Stra­che ein beschei­denes monatlich­es Zubrot, indem er für eine Wiener Abzugsrohrfir­ma den kroat­is­chen Markt beobachtete. Die Höhe der Hon­o­rare wollte er damals nicht bekan­nt­geben, ver­mut­lich, weil er sich geschämt hat­te über den Schand­lohn. Damals hat­te Har­ald Vil­im­sky der Zeitschrift „News“ zuvor eine „insze­nierte Lügengeschichte“ vorge­wor­fen, ehe Stra­che dann klein­laut den Berater­ver­trag eingeste­hen musste.

Und jet­zt? Da fragt doch Armin Wolf in der ZIB 2 vom 17.6.19 zunächst den armen Har­ald ganz tricky nach einem möglichen Berater­ver­trag durch die Partei oder parteina­he Organ­i­sa­tio­nen für den HC. Und der Gen­er­alsekretär der Partei macht sich ganz ganz klein und antwortet, dass er nach seinem Wis­sens­stand nichts von einem solchen wisse. Aber Armin Wolf lässt nicht lock­er, macht den Har­ald wieder groß und fragt weiter:

Okay, Sie sind ja Gen­er­alsekretär der Bun­despartei und auch im Wiener Lan­desvor­stand. Ist es kor­rekt, dass Frau Stra­che als Tier­schutzbeauf­tragt­ed­er FPÖ schon jet­zt ein Gehalt bezieht, das etwa in der Größe eines Abge­ord­netenge­halts liegt?

Der Har­ald, der aus seinen früheren Fehlern ja gel­ernt haben will, wit­tert die Falle und weiß, dass er als Gen­er­alsekretär nicht schon wieder ganz klein und unschein­bar wer­den und sich auf seinen fehlen­den Wis­sens­stand ausre­den kann. Er antwortet also:

Also ich weiß nicht welch­es Gehalt sie bezieht, aber sie bezieht als Mitar­bei­t­erin bei uns im Klub natür­lich auch eine entsprechende Unter­stützung, genau­so wie es auch bei Ihnen, Herr Wolf, der Fall ist, dass Sie als Jour­nal­ist ein Gehalt haben. Und Sie tun ja auch was dafür.

Da hat sich der Gen­er­alsekretär natür­lich in einen schö­nen Strudel rein­gere­det. Armer Har­ald! Die Philip­pa bezieht also eine „entsprechende Unter­stützung“ für ihr „Ehre­namt“ genau­so wie der Armin Wolf als voll­beru­flich­er Jour­nal­ist!? Ob die „entsprechende Unter­stützung“ der Partei für die Philip­pa so hoch ist wie ein Abge­ord­netenge­halt, das will der Gen­er­alsekretär natür­lich nicht wis­sen. Es wäre auch schon blöd, das zugeben zu müssen. Schließlich wurde der Job der Philip­pa als „Tier­schutzbeauf­tragte“ der FPÖ von Anfang an und bis zum Inter­view mit Armin Wolf als „ehre­namtliche Tätigkeit“ verkauft. Auch von Philip­pa Stra­che selbst.

Im Sep­tem­ber 2018, nach­dem sie das Ehre­namt als Tier­schutzbeauf­tragte vom Parteivor­sitzen­den und Ehep­art­ner zuge­sprochen bekom­men hat, erk­lärte sie auf oe24.tv: „Ich möchte beto­nen, dass ich das ehre­namtlich mache.

Philippa Strache in oe24.TV 13.9.18: "Ich möchte betonen, dass ich das ehrenamtlich mache."

Philip­pa Stra­che in oe24.TV 13.9.18: „Ich möchte beto­nen, dass ich das ehre­namtlich mache.”

Am 8.12.18 hieß es dann in einem Bericht der „Kro­ne bunt“: „Die unbändi­ge Tier­liebe hat der 31-jähri­gen Social-Media-Exper­tin der FPÖ ein Ehre­namteinge­tra­gen: Sie ist offizielle ‚Bun­des-Tier­schutzbeauf­tragte.’“ Auch als sie von der „Kro­ne“, die sich an diesem Ehre­namt gar nicht genug ergötzen kon­nte, Monate später, am 31.3.2019, noch ein­mal gefragt wird, was das eigentlich für ein Job ist – Tier­schutzbeauf­tragte, da antwortet Philip­pa ganz bes­timmt: „Das ist eine ehre­namtliche Auf­gabe, die mir große Freude macht. Ich bün­dle die Kräfte in der Partei, die sich für den Tier­schutz ein­set­zen.

Philippa Strache in Kronen Zeitung 31.3.19: Tierschutzbeauftragte ist "eine ehrenamtliche Aufgabe"

Philip­pa Stra­che in Kro­nen Zeitung 31.3.19: Tier­schutzbeauf­tragte ist „eine ehre­namtliche Aufgabe”

Nun, seit dem Vil­im­sky-Inter­view wis­sen wir, dass das „Ehre­namt“ als Tier­schutzbeauf­tragte der FPÖ mit ein­er „entsprechen­den Unter­stützung“ ver­bun­den ist, die möglicher­weise in der Höhe eines Abge­ord­netenge­haltes liegt. Und noch etwas wis­sen wir: dass es mit der Bün­delung der Kräfte in der FPÖ, die sich für den Tier­schutz ein­set­zen, nicht sehr weit her sein kann, nach­dem die FPÖ-Abge­ord­neten gegen Anträge der Liste „Jet­zt“ zum „Ver­bot betäubungslos­er Fer­kelka­s­tra­tion, Ver­bot der Tötung von Ein­tagsküken zur Gewin­n­max­imierung und zum Ver­bot von Vollspal­tenbö­den in der Schweine­mast“ ges­timmt haben.

Philippa Strache in oe24.at 14.6.19: "von Partei enttäuscht"

Philip­pa Stra­che in oe24.at 14.6.19: „von Partei enttäuscht”