Ried i.I. (OÖ): Drei Wehrsportbubis vor Gericht

Die drei, die sich am Don­ner­stag, 5.10. am Lan­des­gericht in Ried im Innkreis wegen Wieder­betä­ti­gung ver­ant­worten mussten, sind schon einige Jahre im Geschäft. Alte Hasen. Und zwar ziem­lich braune! Deshalb wis­sen sie auch, dass es sich bei Geschwore­nen in der Regel gut aus­macht, wenn man die Löf­fel anlegt und auf Häschen macht. Also war viel Krei­de und großer Gesin­nungswan­del ange­sagt. Hat nicht ganz geklappt.

Die Anklage hat einiges zusam­menge­tra­gen, was sie dem Trio aus dem Bezirk Brau­nau anlastete. Dürfte nicht beson­ders schwierig gewe­sen sein, denn die drei sind trotz ihres jun­gen Alters schon seit Jahren in der Szene aktiv, haben teil­weise sog­ar noch die kurze Schein­blüte des poli­tis­chen Pro­jek­ts Objekt 21 erlebt – und das ist ja schon einige Jahre her.

Jet­zt mimten sie Ein­sicht vor Gericht. Nicht wirk­lich glaub­würdig, wenn man weiß, dass der Zwei­tangeklagte (23), der Mann mit der Kartof­fel im Fake- Namen, die Nazi-Nibelun­gen-Nacht im Visi­er hat. Der Drit­tangeklagte (23) brüstet sich auf Face­book mit dem Beken­nt­nis „Ich bin Horst Mahler“, also ein beken­nen­der und mehrfach verurteil­ter Neon­azi. Wün­scht er sich auch dessen Haft­strafen? Auf sein­er Brust hat er das Tat­too „Meine Ehre heißt Treue“, das er sich- mim­i­mi- noch näch­ste Woche bei seinem Tätowier­er weg­machen lassen will. Das „Horst Mahler“ – Beken­nt­nis will er offen­sichtlich nicht weg­machen und auch das Foto nicht , das ihn mit einem T‑Shirt der Nazi-Com­bo „Son­derkom­man­do Dirlewanger“ zeigt. Die „OÖN“ zitieren ihn aus der Ver­hand­lung so:

„Als er von der Schwanger­schaft sein­er Fre­undin erfuhr, habe er gewusst, dass es Zeit ist, sich von der Szene zu lösen. Seit der „Baby­par­tie“ habe er von den ehe­ma­li­gen Bekan­nten aus der recht­en Szene so gut wie nichts mehr gehört. Auch neue Fre­unde habe er gefun­den, sagt er zum Geschwore­nen­gericht. Er sehe viele Dinge jet­zt mit völ­lig anderen Augen“. – Mimimi!

Der Zwei­tangeklagte, das ist der mit der Kartof­fel im Nick­name und der Odal­srune am Fuß, will mit sein­er früheren Gesin­nung auch nichts mehr zu tun haben, aber mit dem Philipp Has­sel­bach, einem deutschen Ober­nazi, offen­sichtlich schon noch.

Kartof­fels Odal-Rune ist viel schön­er verziert. Rechts: Odal-„Rune“ als Zeichen der 7. SS-Frei­willi­gen-Gebirgs-Divi­sion „Prinz Eugen“

Als der Has­sel­bach im Juli 2015 sein Pro­fil­bild auf Face­book mit „25 Punk­te Keine Diskus­sion“ füllte, gefiel das der Kartof­fel. Einem Nazi muss das einzige Parteipro­gramm der NSDAP, die 25 Punk­te aus 1920, natür­lich gefallen.

Ober­nazi Has­sel­bach schwärmt für NSDAP-Pro­gramm, der „Kartof­fel“ gefällt das

Sein Damaskus-Erleb­nis, die Bekehrung des Saulus zum Paulus, will die Kartof­fel durch die Haus­durch­suchung erfahren haben. „Da habe ich gewusst, so kann es nicht mehr weit­erge­hen“, zitiert ihn die OÖN. – Aha!

Bleibt noch der Erstangeklagte (21), der das Bild der wenig glaub­würdi­gen braunen Häschen dadurch kom­plet­tiert, dass er ein­er­seits zwar zugeben muss, im Dezem­ber 2015 die Stadt­mauer von Brau­nau am Inn mit Hak­enkreuzen beschmiert zu haben, ander­er­seits von totaler Läuterung spricht, obwohl er zulet­zt im Sep­tem­ber 2016 in Salzburg die Hand zum Hit­ler­gruß erhoben „und dabei immer wieder das Wort „Hak­enkreuze“ geschrien“ (OÖN) habe.

Was haben die drei Neon­azis son­st noch so getrieben? Da ist ein­mal zunächst die Anmerkung wichtig, dass sie nicht alleine waren bei ihren Aktio­nen. Etwa bei ihren Wehrsportübun­gen im Kober­naußer­wald, von denen sie sog­ar Fotos auf Face­book stell­ten. Auf einem Foto, wo dankenswert­er­weise auch ihre Namen ange­führt sind, posieren acht Kam­er­aden für die Kamera. 

Sil­vester 2015 feierten die Angeklagten ver­mut­lich auch nicht zu Dritt in ihrem mit der Reich­skriegs­flagge mit Hak­enkreuz deko­ri­erten Par­tyraum. In geheimen Grup­pen in den sozialen Net­zw­erken wie „Reiseg­ruppe“ oder „Stammtisch FB“, was nicht für Face­book, son­dern für „Freier Bezirk“ ste­ht , tauscht­en sie sich über Aktio­nen und Reisen, etwa zur Gedenkstätte KZ Mau­thausen oder zum Ober­salzberg aus. Ihre Face­book- Kon­ten geben noch immer deut­liche Auskun­ft darüber, wie gut ver­net­zt sie in der Nazi-Szene weit über die Gren­zen des Bezirks sind.

Ihre Beteuerun­gen von Abkehr und Ein­sicht haben ihnen die Geschwore­nen nicht abgenom­men. Die sprachen alle drei schuldig im Sinne der Anklage. Das Urteil fiel den­noch ziem­lich mild aus: jew­eils ein Jahr bed­ingt. Weil sich die Staat­san­waltschaft noch nicht erk­lärt hat, ist es aber noch nicht rechtskräftig.

Berichte zur Ver­hand­lung: OÖN.