Ried i.I. (OÖ): Drei Wehrsportbubis vor GerichtLesezeit: 4 Minuten

Die drei, die sich am Don­ners­tag, 5.10. am Lan­des­ge­richt in Ried im Inn­kreis wegen Wie­der­be­tä­ti­gung ver­ant­wor­ten muss­ten, sind schon eini­ge Jah­re im Geschäft. Alte Hasen. Und zwar ziem­lich brau­ne! Des­halb wis­sen sie auch, dass es sich bei Geschwo­re­nen in der Regel gut aus­macht, wenn man die Löf­fel anlegt und auf Häs­chen macht. Also war viel […]

6. Okt 2017

Die Ankla­ge hat eini­ges zusam­men­ge­tra­gen, was sie dem Trio aus dem Bezirk Brau­nau anlas­te­te. Dürf­te nicht beson­ders schwie­rig gewe­sen sein, denn die drei sind trotz ihres jun­gen Alters schon seit Jah­ren in der Sze­ne aktiv, haben teil­wei­se sogar noch die kur­ze Schein­blü­te des poli­ti­schen Pro­jekts Objekt 21 erlebt – und das ist ja schon eini­ge Jah­re her.

Jetzt mim­ten sie Ein­sicht vor Gericht. Nicht wirk­lich glaub­wür­dig, wenn man weiß, dass der Zweit­an­ge­klag­te (23), der Mann mit der Kar­tof­fel im Fake- Namen, die Nazi-Nibe­lun­gen-Nacht im Visier hat. Der Dritt­an­ge­klag­te (23) brüs­tet sich auf Face­book mit dem Bekennt­nis „Ich bin Horst Mahler“, also mit einem beken­nen­den und mehr­fach ver­ur­teil­ten Neo­na­zi. Wünscht er sich auch des­sen Haft­stra­fen? Auf sei­ner Brust hat er das Tat­too „Mei­ne Ehre heißt Treue“, das er sich noch nächs­te Woche bei sei­nem Täto­wie­rer weg­ma­chen las­sen will. Das „Horst Mahler“-Bekenntnis will er offen­sicht­lich nicht weg­ma­chen und auch das Foto nicht, das ihn mit einem T‑Shirt der Nazi-Com­bo „Son­der­kom­man­do Dir­le­wan­ger“ zeigt. Die „OÖN“ zitie­ren ihn aus der Ver­hand­lung so:

Als er von der Schwan­ger­schaft sei­ner Freun­din erfuhr, habe er gewusst, dass es Zeit ist, sich von der Sze­ne zu lösen. Seit der „Baby­par­tie“ habe er von den ehe­ma­li­gen Bekann­ten aus der rech­ten Sze­ne so gut wie nichts mehr gehört. Auch neue Freun­de habe er gefun­den, sagt er zum Geschwo­re­nen­ge­richt. Er sehe vie­le Din­ge jetzt mit völ­lig ande­ren Augen.

Der Zweit­an­ge­klag­te, das ist der mit der Kar­tof­fel im Nick­na­me und der Odals­ru­ne am Fuß, will mit sei­ner frü­he­ren Gesin­nung auch nichts mehr zu tun haben, aber mit Phil­ipp Has­sel­bach, einem deut­schen Ober­na­zi, offen­sicht­lich schon noch.

Kar­tof­fels Odal-Rune ist viel schö­ner ver­ziert. Rechts: Odal-„Rune“ als Zei­chen der 7. SS-Frei­wil­li­gen-Gebirgs-Divi­si­on „Prinz Eugen“

Als Has­sel­bach im Juli 2015 sein Pro­fil­bild auf Face­book mit „25 Punk­te Kei­ne Dis­kus­si­on“ füll­te, gefiel das der Kar­tof­fel. Einem Nazi muss das ein­zi­ge Par­tei­pro­gramm der NSDAP, die 25 Punk­te aus 1920, natür­lich gefallen.

Ober­na­zi Has­sel­bach schwärmt für NSDAP-Pro­gramm, der „Kar­tof­fel“ gefällt das

Sein Damas­kus-Erleb­nis, die Bekeh­rung des Sau­lus zum Pau­lus, will die Kar­tof­fel durch die Haus­durch­su­chung erfah­ren haben. „Da habe ich gewusst, so kann es nicht mehr wei­ter­ge­hen“, zitiert ihn die OÖN. – Aha!

Bleibt noch der Erst­an­ge­klag­te (21), der das Bild der wenig glaub­wür­di­gen brau­nen Häs­chen dadurch kom­plet­tiert, dass er einer­seits zwar zuge­ben muss, im Dezem­ber 2015 die Stadt­mau­er von Brau­nau am Inn mit Haken­kreu­zen beschmiert zu haben, ande­rer­seits von tota­ler Läu­te­rung spricht, obwohl er zuletzt im Sep­tem­ber 2016 in Salz­burg die Hand zum Hit­ler­gruß erho­ben „und dabei immer wie­der das Wort ‚Haken­kreu­ze’ geschrien“ (OÖN) habe.

Was haben die drei Neo­na­zis sonst noch so getrie­ben? Da ist ein­mal zunächst die Anmer­kung wich­tig, dass sie nicht allei­ne waren bei ihren Aktio­nen. Etwa bei ihren Wehr­sport­übun­gen im Kober­nau­ßer­wald, von denen sie sogar Fotos auf Face­book stell­ten. Auf einem Foto, wo dan­kens­wer­ter­wei­se auch ihre Namen ange­führt sind, posie­ren acht Kame­ra­den für die Kamera.

Sil­ves­ter 2015 fei­er­ten die Ange­klag­ten ver­mut­lich auch nicht zu dritt in ihrem mit der Reichs­kriegs­flag­ge mit Haken­kreuz deko­rier­ten Par­ty­raum. In gehei­men Grup­pen in den sozia­len Netz­wer­ken wie „Rei­se­grup­pe“ oder „Stamm­tisch FB“, was nicht für Face­book, son­dern für „Frei­er Bezirk“ steht, tausch­ten sie sich über Aktio­nen und Rei­sen, etwa zur Gedenk­stät­te KZ Maut­hau­sen oder zum Ober­salz­berg aus. Ihre Face­book-Kon­ten geben noch immer deut­li­che Aus­kunft dar­über, wie gut ver­netzt sie in der Nazi-Sze­ne weit über die Gren­zen des Bezirks sind.

Ihre Beteue­run­gen von Abkehr und Ein­sicht haben ihnen die Geschwo­re­nen nicht abge­nom­men. Die spra­chen alle drei schul­dig im Sin­ne der Ankla­ge. Das Urteil fiel den­noch ziem­lich mild aus: jeweils ein Jahr bedingt. Weil sich die Staats­an­walt­schaft noch nicht erklärt hat, ist es aber noch nicht rechtskräftig.

Berich­te zur Ver­hand­lung: OÖN.

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