Wien: Bekennender Homosexuellenhasser vor Gericht

Trig­ger­war­nung. Seit Jahren ist W. H. unter seinem Klar­na­men, aber auch mit Nick­name auf Face­book unter­wegs, beschimpft Schwule, Les­ben, Grüne und Frauen auf das Wider­lich­ste, postet heftige Dro­hun­gen und nimmt Pädophile in Schutz. Sein Kon­to mit dem Klar­na­men und dem ver­stören­den Hin­weis auf eine beru­fliche Tätigkeit als Kindergärt­ner und Hort­erzieher hat er mit­tler­weile gelöscht. Jet­zt musste er sich – wieder ein­mal – vor Gericht verantworten.

Es wirk­te alles recht befremdlich, was sich diesen Dien­stag am ‘Landl’ abge­spielt hat. W. H. fand sich auf der Anklage­bank vor Richter Ger­ald Wag­n­er wieder und wollte dessen Rolle im Gerichtssaal partout nicht anerken­nen. Immer wieder ver­suchte der Angeklagte sich in eine Kon­troll­po­si­tion zu brin­gen, kündigte mehrfach an die Ver­hand­lung abzubrechen, soll­ten der Richter und die Staat­san­wältin seinen Aus­führun­gen nicht lauschen.

W. H., der sich vor dem Lan­des­gericht für Straf­sachen wegen Ver­het­zung ver­ant­worten musste, wird zur Last gelegt , in mehreren Fällen homo­sex­uel­len­feindliche Post­ings auf Face­book geschrieben zu haben. “Solange hier nie­mand aufwacht, werde ich mich immer freuen, wenn eine links-grüne Femi-Les­be eine aufs Maul bekommt.” heißt es da zum Beispiel. Er macht aus sein­er Gesin­nung keinen Hehl, gibt aber an sich in den einzel­nen Fällen nicht erin­nern zu kön­nen ob er die zur Anzeige gebracht­en Post­ings geschrieben hat oder nicht. Darum geht es sein­er Mei­n­ung auch nicht. Hin­ter sein­er Strafver­fol­gung steckt der eigentliche Skan­dal, er wit­tert eine Ver­schwörung von Jus­tiz und “poli­tis­chen Eliten”, welche es sich zur Auf­gabe gemacht hät­ten, die “Mei­n­ungs­frei­heit abzuschaf­fen” und “poli­tisch Unlieb­same aus dem Weg zu räu­men”.

Has­sti­raden, Mord­dro­hun­gen, etc.

Dabei wolle er nur eine offene Diskus­sion, wie er beteuert. Richter Wag­n­er fragt den Angeklagten, ob er sich vorstellen könne, dass andere Men­schen durch seine men­schen­ver­ach­t­en­den Post­ings zu Gewalt­tat­en gegen Homo­sex­uelle anges­tiftet wer­den kön­nten, der Angeklagte erk­lärt diese Frage für irrel­e­vant und ver­liert sich wieder in Ver­schwörungs­the­o­rien. Als der Richter merkt, dass es kein Durchkom­men gibt, ord­net er eine psy­chi­a­trische Begutach­tung des Angeklagten an und vertagt die Ver­hand­lung bis zur Ein­hol­ung des Gutacht­ens. Dieser liefert daraufhin eine erstaunliche Per­for­mance, in welch­er er den Gerichtssaal endgültig zu sein­er Bühne erk­lärt und laute Schimpfti­raden gegen das “scheiß Les­ben-Gericht” und die “linke Jus­tiz” los lässt. Nach­dem W. H. merkt, dass Richter und Staat­san­wältin recht unbeein­druckt auf seine Show reagieren, stürmt er mit zwei Kam­er­aden aus dem Saal.