Ried im Innkreis (OÖ): Freispruch für angebliche Jugendsünden

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Hof­fent­lich war der Frei­spruch für den Ange­klag­ten wei­se! Ver­ant­wor­tet hat sich Sebas­ti­an (37), mitt­ler­wei­le Vater von zwei Kin­dern, näm­lich damit, dass er schon seit mehr als zwölf Jah­ren mit der Sze­ne nichts mehr zu tun habe. Dass die Tat­toos auf sei­nen Armen gegen das Ver­bots­ge­setz ver­sto­ßen wür­den, habe er nicht gewusst. Sei­ne Akti­vi­tä­ten in der Neo­na­zi-Sze­ne hät­ten sich eher auf das Fort­ge­hen und Sau­fen beschränkt, zitiert ihn die OÖN in ihrem Pro­zess­be­richt.

Am 28. Juni muss­te sich Sebas­ti­an aus der Brau­nau­er Umge­bung wegen Wie­der­be­tä­ti­gung vor dem Lan­des­ge­richt Ried im Inn­kreis ver­ant­wor­ten. Auf­ge­fal­len war er, als er Fotos aus einem Zoo auf sein Face­book-Pro­fil hoch­ge­la­den und dabei sei­ne „Peckerl“ her­ge­zeigt hat­te: „Unter ande­ren hat­te der Beschul­dig­te eine Faust mit der Auf­schrift White Power und einen SS-Toten­kopf auf sei­nem Arm täto­wiert. Außer­dem soll der wegen Wie­der­be­tä­ti­gung ange­klag­te Mann auf Face­book das Foto einer ’schwar­zen Son­ne’, einem Sym­bol der NS-Zeit, ver­öf­fent­licht haben.“ (OÖN)

Die einschlägigen Tattoos des Angeklagte (und Freigesprochenen): White Power, SS-Totenkopf, Schwarze Sonne, Flagge mit Schwarz-Weiß-Rot, usw...

Die ein­schlä­gi­gen Tat­toos des Ange­klag­te (und Frei­ge­spro­che­nen): White Power, SS-Toten­kopf, Schwar­ze Son­ne, Flag­ge mit Schwarz-Weiß-Rot, usw.

Die Tat­toos konn­te der Ange­klag­te schwer­lich bestrei­ten, und so ver­such­te er es mit der „Jugend­sün­de“. Sei­ne Akti­vi­tä­ten wür­den schon sehr sehr lan­ge zurück­lie­gen und hät­ten sich auf Fort­ge­hen, Sau­fen und Ange­be­rei­en mit den Tat­toos beschränkt.

Die Geschwo­re­nen nah­men ihm die­se Dar­stel­lung ab und spra­chen Sebas­ti­an vom Vor­wurf der Wie­der­be­tä­ti­gung frei. Aus unse­rem Archiv ergibt sich ein ande­res Bild des Ange­klag­ten. Sebas­ti­an, den wir ken­nen, war über vie­le Jah­re hin­weg in der Sze­ne ver­an­kert, hat schon beim „Aufruhr“-Versand bestellt und schien 2015 auch in der gele­ak­ten Kun­den­da­tei von „Opos Records“ auf. 2011 war er einer der enge­ren Freun­de eines Vor­arl­ber­ger Hard­core-Neo­na­zi aus der „Blood & Honour“-Szene, und auch im Inn­vier­tel war er ganz gut vernetzt.

Schon mög­lich, dass er in den aller­letz­ten Jah­ren wenig mit der Sze­ne zu tun hat­te – dann gin­ge der Frei­spruch noch eini­ger­ma­ßen in Ord­nung. Sei­ne Tat­toos muss er sich auf alle Fäl­le weg­la­sern las­sen. Das leg­te ihm auch der Rich­ter drin­gend nahe. Da sei­ne bei­den Unter­ar­me ziem­lich aus­tä­to­wiert sind, eine etwas müh­se­li­ge und durch­aus kost­spie­li­ge Ange­le­gen­heit. Viel­leicht ist das dann so etwas wie eine Ersatzstrafe.