Braunaus steirischer Hitler und sein „Arbeitertum“

Der Hitler-Doppelgänger, der in den letzten Tagen in Braunau am Inn herumspaziert ist und posiert hat, wurde am Montag abends auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Ried festgenommen und wegen des Verdachts der Wiederbetätigung angezeigt. War das eine völlig überzogene Reaktion? Wir meinen: sicher nicht! Denn Harald Z. (25) aus der Steiermark hätte sich eigentlich schon viel früher wegen Wiederbetätigung vor Gericht verantworten müssen.

Harald Z. sorgte mit seinem Aufzug in den letzten Tagen dafür, dass auch die Weltpresse wieder einmal über Braunau, Hitler und die Nazis in Österreich berichten konnte. In den sozialen Netzwerken toben viele, dass die Festnahme völlig überzogen, der Harald Z. vielleicht nur ein Narr oder Provokateur, ein Seitenscheitel und Oberlippenbart a la Hitler noch lange keine Wiederbetätigung sei und – ja natürlich! – die Flüchtlinge alle möglichen Verbrechen verüben dürften ohne festgenommen zu werden.

In zahlreichen Foren wird Unverständnis über die Festnahme geäußert und jenseitige Vergleiche angestellt.

In zahlreichen Foren wird Unverständnis über die Festnahme geäußert und jenseitige Vergleiche angestellt.

Während der Braunauer Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) offen seine Ratlosigkeit eingesteht, versucht es sein Vize von der FPÖ mit der üblichen blauen Taktik: „Er könne sich auch vorstellen, dass es sich um einen Provokateur „vom linken Rand“ handeln könnte“ (kurier.at, 13.2.2017).

Das sehen nicht nur wir anders, sondern auch die Staatsanwaltschaft Ried und der Sprecher der Polizei Oberösterreichs: „Wir haben ihn angezeigt wegen Wiederbetätigung. Nicht wegen des Barts, nicht wegen des Scheitels, sondern wegen des Gesamtauftritts und der Verherrlichung des NS-Regimes“ (kurier.at)

Sicher ist, dass auch die Staatsanwaltschaft Wien gegen Harald Z. wegen des Verdachts der Wiederbetätigung ermittelt (nachrichten.at 13.2.2017). Ob deswegen, weil er als Hitler-Poser am völlig abgestürzten Wiener Pegida-Aufmarsch in Favoriten im April 2016 unterwegs war, oder aus anderen Gründen, ist unklar.

Pegida-Demo, Graz, 28. Mai 2016 - auch hier marschiert Harald Z. auf - Bildquelle: Peter Palme

Pegida-Demo, Graz, 28. Mai 2016 – auch hier marschiert Harald Z. auf – Bildquelle: Peter Palme

Sicher ist, dass Harald Z. bei der ebenfalls abgestürzten Pegida-Demo in Graz am 28. Mai 2016 in der Hitler-Pose aufmarschiert und dabei auch Polizisten aufgefallen ist. Die Fotos zeigen einen von Polizisten eskortierten Harald Z., der sich anscheinend auch ausweisen musste. Wurde er angezeigt? Gegen ihn ermittelt? Anscheinend nicht. Dem Online-Magazin Vice erklärte die Polizei damals: „Einen Bart kann sich jeder rasieren. Es gab keinen Vorfall“.

Polizisten eskortierten Harald Z., am Rande der Demo in Graz... - Bildquelle: Peter Palme.

Polizisten eskortierten Harald Z., am Rande der Demo in Graz… – Bildquelle: Peter Palme.

...angezeigt wurde er damals offenbar nicht. - Bildquelle: Peter Palme.

…angezeigt wurde er damals offenbar nicht. – Bildquelle: Peter Palme.

Lädt zum „Österreichischen Arbeiter-Stammtisch“
Dabei hätte die Polizei zu diesem Zeitpunkt längst genug Material in den Händen haben müssen, um Harald Z. wegen Wiederbetätigung anzuzeigen. Hat der steirische Verfassungsschutz geschlafen? Ist ihm nicht aufgefallen, dass Harald Z. seit 2015 in seiner oststeirischen Heimat Stammtische zu organisieren versuchte? Stammtische, über die „heute“ Augenzeugen berichten lässt, dass dort nur über „rechtes Zeug“ geredet worden sei.

„Heimatlich gesinnte Österreicher, Hand- und Kopfarbeiter, Familien-erscheint in Massen!“, heißt es etwa in der Einladung zum „4. Österreichischen Arbeiter-Stammtisch“ der in einer steirischen Gemeinde stattfand. Als „Redner“ für den „freien öffentlichen Vortrag“ wird Harald Z. angekündigt Versprochen wird nichts Geringeres als „die Wahrheit über die ‚Gewalteinwirkungen vom Islamischen Staat??‘ und die sogenannten Einwirkungen der Abmachung und Sicherung von Lissabon.“

Kopf der Zeitung "Das Arbeitertum" von Harald Z., erschienen im Jahr 2015

Kopf der Zeitung „Das Arbeitertum“ von Harald Z., erschienen im Jahr 2015

Zeitschrift „Das Arbeitertum“
2015 ist auch die Geburtsstunde einer von Harald F. herausgegebenen und redigierten Zeitschrift. Ihr Titel: „Das Arbeitertum“. Zweimonatlich soll sie erscheinen. Preis des Einzelheftes soll eine „freiwillige Spende“ sein. Schon das Motto der Zeitschrift sollte eigentlich deutlich machen, woher der Wind weht:

„Lernt das Volk verstehen, dann wird das Volk Euch verstehen“.

Es handelt sich um einen geringfügig gekürzten Spruch von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Im Original bei Goebbels folgte noch ein „lernen“ am Satzende. Gut – ein knappes Nazi-Sätzchen macht noch keinen Nazi-Sommer. Aber einmal auf den Geschmack gekommen, lässt sich unschwer feststellen, dass Harald Z. nicht nur über seinen Oberlippenbart und den Seitenscheitel ein Hitler-Verehrer ist, sondern auch dessen Schriften und Reden kennt und sie fleißig in seiner Zeitschrift zitiert bzw. auch mutiert.

Denn eines hat Harald Z. schon kapiert: es gibt ein Verbotsgesetz. Deshalb ist es ratsam, aus den Zitaten von Hitler die allzu deutliche Bezugnahme auf das Großdeutsche Reich herauszustreichen und „deutsch“ manchmal durch „österreichisch“ zu ersetzen. Eine bewährte Methode – das fällt dann jedenfalls dem steirischen Verfassungsschutz nicht auf! Gut, dem fällt auch dann noch nichts auf, wenn der Verfasser solcher Zeilen im Hitler-Kostüm vor seiner Nase aufmarschiert!

Harald Z. schreibt im „Arbeitertum“ (Nr. 2 / 2015) etwa zum Bundesheer:

„Unter schwersten Verhältnissen ist dieses kleine Instrument unserer nationalen Selbstverteidigung entstanden. In seinem Geiste ist es der Träger unserer besten soldatischen Traditionen. In peinlicher Gewissenhaftigkeit hat das österreichische Volk aber damit seine ihm im Friedensvertrag auferlegte Pflichten erfüllt“.

Die Sätze sind Hitlers Reichstagsrede vom 23. März 1933 entnommen. Einziger Unterschied: das „deutsche“ Volk wurde durch das österreichische ersetzt und die anschließende (heuchlerische) Passage Hitlers, wonach der im Friedensvertrag genehmigte „Ersatz der Schiffe unserer Flotte“ nur ungenügend umgesetzt worden sei, wurde mangels Flotte in Österreich komplett gestrichen.

Vergleich von Harald Z.s Arbeiterstammtisch und dem Original 1933.

Vergleich von Harald Z.s Arbeiterstammtisch und dem Original 1933: Gleich ist etwa der Titel, das Layout und Schriftbild (etwa „Ortsgruppe“ und „Redner“), die Einladung am Ende an „Hand- und Kopfarbeiter“ usw.

In der Nr. 1/2015 von „Arbeitertum“ zitiert sich Z. angeblich selbst („Sozialismus laut „Z.““). Das Zitat, das er sich da zuschreibt, stammt aber 1:1 von Hitler, der diese Sprüche in einer Rede zur „germanischen Demokratie“ auf der NS-Ordensburg Vogelsang 1937 von sich gegeben hat.

Wir fassen zusammen: Harald Z. hält 2015 und 2016 „Arbeiter“-Stammtische nach Hitlerschem Vorbild in oststeirischen Wirtshäusern ab, gibt eine Zeitschrift mit viel NS-Ideologie und Hitler- bzw. Goebbels-Zitaten heraus, marschiert in Graz bei einer Pegida-Demo 2016 in Hitler-Kostümierung auf und dem steirischen Verfassungsschutz fällt dazu nichts ein und auf?

2016 fällt Harald Z. aber auch in Wien auf und dann 2017 in Braunau, wo er schließlich festgenommen wird, bevor ihn die internationalen TV-Stationen auf seinen Spaziergängen abfilmen können. Harald Z. – soviel steht fest – hätte schon längst wegen des Verdachts der Wiederbetätigung angezeigt gehört!