Geflüchtete Nazis und Wahlerfolge der FPÖ

Die Studie, die vor weni­gen Tagen von der APA vorgestellt wurde, hat bis­lang kaum Res­o­nanz in den öster­re­ichis­chen Medi­en gefun­den. „Migrat­ing Extrem­ists “ von Chris­t­ian Ochsner und Felix Roe­sel, erschienen als Work­ing Paper Nr. 5799 des IFO-Insti­tuts in München, kommt zu dur­chaus span­nen­den Ergeb­nis­sen. Dem­nach gibt es an Orten, wo sich geflüchtete Nazis nach 1945 nieder­ließen, noch heute mehr Zulauf für die FPÖ.

Unter­suchungs­ge­bi­et für die bei­den Forsch­er war das Bun­des­land Oberöster­re­ich, das einige Monate nach der Befreiung Öster­re­ichs in eine sow­jetis­che und eine US-Besatzungszone geteilt wurde. In zwei Wellen sind Nazis aus dem Osten Öster­re­ichs in den West­en geflüchtet, um sich dem Zugriff der sow­jetis­chen Roten Armee zu entziehen. Bei der ersten Welle, die noch in den Monat­en März und April 1945, also vor der endgülti­gen Nieder­lage des Nazi-Regimes und der Befreiung Öster­re­ichs, stat­tfand, flüchteten zahlre­iche Nazi-Funk­tionäre wie etwa der Wiener Kreisleit­er Hans Dörfler.
Die zweite Welle wurde verur­sacht durch die Teilung Oberöster­re­ichs ent­lang der Donau in eine sow­jetis­che und eine US-Zone. Tausende Men­schen, darunter viele Nation­al­sozial­istIn­nen, flüchteten damals aus der sow­jetis­chen Zone (Müh­lvier­tel, Niederöster­re­ich) in die US-Zone, wo sie weniger Prob­leme erhofften. Das Ergeb­nis war, dass 1947 in der Sow­jet­zone deut­lich weniger „belastete“ Nation­al­sozial­is­ten reg­istri­ert waren als in der US-Zone.

Schild an der Sektor-Grenze - Bildquelle: Wikimedia Commons/KarlGruber

Schild an der Sek­tor-Gren­ze — Bildquelle: Wiki­me­dia Commons/KarlGruber

Hier begin­nt die Arbeit der Forsch­er, die mit sta­tis­tisch-math­e­ma­tis­chen Meth­o­d­en die Wahlergeb­nisse der „Deutschna­tionalen“ bei Nation­al­ratswahlen 1930 mit denen von 1949 und 2013 ver­glichen, die Ein­flüsse möglich­er ander­er Fak­toren über­prüften und zu dem Ergeb­nis kamen, dass sich die Fluchtorte der alten Nazis auch noch bei den jüng­sten Wahlen durch deut­lich bessere Wahlergeb­nisse für die FPÖ auszeichneten:

„Noch heute schnei­det die FPÖ, die 1956 aus dem Ver­band der Unab­hängi­gen (VdU), der als Auf­fang­beck­en für ehe­ma­lige Nation­al­sozial­is­ten galt, her­vorge­gan­gen ist, laut den Wis­senschaftern stets deut­lich bess­er ab als in der früheren Sow­jet-Besatzungszone: 1949 als VdU waren es 10 Prozent­punk­te mehr, 2013 noch immer über sieben Prozent­punk­te“ (APA, 8.Februar 2017).

Die Studie ist in ein­er englis­chsprachi­gen Ver­sion hier als kosten­los­er Down­load erhältlich.

Anekdotischer Appendix der Studie (Auszug)

Anek­do­tis­ch­er Appen­dix der Studie (Auszug)