Ein seltsamer Polizist

So schnell kann’s gehen: Als wir den Beitrag zu den Dro­hun­gen und Gewal­taufrufen nach der Wahl ver­fassten, haben wir einen Kom­men­tar nicht erwäh­nt. Er war bei Heinz Chris­t­ian Stra­che jen­em Post­ing erschienen, unter dem als Kom­men­tar die pri­vate Wohnadresse von Alexan­der Van der Bellen veröf­fentlicht wurde. Ein unge­mein prim­i­tives, belei­di­gen­des State­ment, das anscheinend von einem Polizis­ten stammte. Wir woll­ten über­prüfen, ob er wirk­lich ein Polizist ist und was der son­st noch so schreibt.

Nach­dem Chris­t­ian L. bei Stra­che die pri­vate Wohnadresse des zukün­fti­gen Bun­de­spräsi­den­ten veröf­fentlicht und Mar­vin K. dazu gepostet hat­te:  „Anschläge bitte auf diese Adresse“, meldete sich Johannes Kriehu­ber zu Wort: „Der krotzt eh boid o der demente kof­fer.“ Wir woll­ten wis­sen, wer der­maßen derb und entwürdi­gend schreibt und stießen auf ein Face­book-Kon­to, das einen Men­schen in Polizeiu­ni­form zeigt – mit Polizeihunden.

Noch bevor wir uns das Face­book-Pro­fil des Het­zers genauer anschauen kon­nten, war es weg. Warum? Aufk­lärung bringt ver­mut­lich ein anderes Post­ing von Kriehu­ber. Eine Frau P. stellte am Mon­tag, 23.5., fol­gen­des Post­ing online: „In zwei Jahren kön­nt ihr euch anhal­ten: der wau wau wird euch jet­zt zeigen was er mit Öster­re­ich macht raun­zt aber dann net und i wart schon auf die näch­sten Verge­wal­ti­gun­gen Totschläger Raub Kinder Missbrauch.“

Immer­hin 149 Men­schen gefällt das. Johannes Kriehu­ber kom­men­tiert dazu: „Und hof­fentlich daw­is­chts an grün wäh­ler mit verge­wal­ti­gung oder der gleichen.“

Das „Low­er Class Mag­a­zine“ ist über dieses Post­ing bzw. dessen Ver­fass­er gestolpert und hat sich ähn­liche Fra­gen wie wir gestellt. Ein Polizist, der Men­schen eine Verge­wal­ti­gung wün­scht? Auf Twit­ter begin­nt eine Debat­te, auch futurezone.at beteiligt sich daran, fragt nach bei der Lan­despolizei­di­rek­tion Wien.

Die gibt am Dien­stag vor­mit­tags fol­gende Erk­lärung ab:

Laut LPD-Wien-Sprech­er Paul Eiden­berg­er sei intern das Refer­at Beson­dere Ermit­tlun­gen zuständig. Gle­ichzeit­ig wird die Sache auch vom Ver­fas­sungss­chutz geprüft. Je nach Aus­gang der Ermit­tlun­gen kann das Post­ing für den Mann sowohl strafrechtliche als auch interne Kon­se­quen­zen haben. Das Teilen eines Fotos der recht­sex­tremen Bewe­gung „Die Iden­titären”, auf das bei Twit­ter eben­falls hingewiesen hat, dürfte laut Eiden­berg­er jeden­falls keine Kon­se­quen­zen haben, denn „jed­er darf eine poli­tis­che Mei­n­ung haben.

Auch wenn sich her­ausstellt, dass der Mann kein Polizist sei, werde geprüft, ob er sich durch das Posten des Fotos in dem Uni­formhemd eventuell straf­bar gemacht habe. Eiden­berg­er zufolge sei dies derzeit der einzige ver­gle­ich­bare Fall. Ob die Anzeigen wegen Ver­het­zung oder Wieder­betä­ti­gung seit Verkün­dung des Wahlergeb­nis angestiegen sind, lasse sich zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch nicht sagen.