Burschenschafter und FPÖ-Gemeinderat stören Vorlesung

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Am Mitt­woch, 16. März wur­de die Vor­le­sung (VL) des Phi­lo­so­phen und Wis­sens­öko­no­men Klaus Neund­lin­ger, die die­ser im Neu­en Insti­tuts­ge­bäu­de (NIG) der Uni­ver­si­tät Wien hielt, durch Bur­schen­schaf­ter, unter ihnen der FPÖ-Gemein­de­rat Mar­kus Ripfl, gestört. Eine klas­si­sche Pro­vo­ka­ti­on, mit der sich Ripfl auch noch brüs­tet. Wir doku­men­tie­ren hier ein Schrei­ben, das Neund­lin­ger an die Stu­die­ren­den gerich­tet hat.
Auf­marsch der Bur­schen­schaf­ter? Sym­bol­fo­to; Quel­le: raw.at
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Lie­be KollegInnen,

mei­ne Vor­le­sung wur­de ges­tern, 16.03., von einer Grup­pe von Bur­schen­schaf­tern für eine abstru­se Akti­on miss­braucht. Anschei­nend wur­de die all­mitt­wö­chent­lich statt­fin­den­de Ver­an­stal­tung auf der Ram­pe abge­sagt. Eine klei­ne Abord­nung beschloss dann, ins NIG zu gehen und einen „Flash­mob” für „Mei­nungs­frei­heit” zu orga­ni­sie­ren. Sie stell­ten sich auf die Trep­pe im Ein­gangs­be­reich und mach­ten ein Foto unter dem Ver­fas­sungs­ar­ti­kel, der die Frei­heit in Leh­re und For­schung garantiert.

Damit nicht genug, betra­ten sie um ca. 10.15 den Hör­saal III, in dem ich mei­ne Vor­le­sung hal­te. Ich war lei­der nicht sicher, wel­che Mög­lich­kei­ten man hat, Men­schen aus einer VL zu ent­fer­nen. Des­halb frag­te ich die Her­ren, ob sie gekom­men sei­en, um an der VL teil­zu­neh­men. Dies wur­de von einem der ca. 7 an der Akti­on Betei­lig­ten bejaht. Die Grup­pe blieb jedoch hin­ter der letz­ten Sitz­rei­he stehen.
Sie misch­ten sich auch nicht in die Dis­kus­si­on ein, ver­harr­ten für ca.
5–10 Minu­ten dort, spiel­ten mit dem Han­dy, offen­sicht­lich schrieb einer was auf, und dann ver­lie­ßen sie den Raum.

Ich war zutiefst geschockt und kom­mu­ni­zier­te das auch sofort den Stu­die­ren­den. Danach führ­te ich die VL zu Ende und begab mich in den drit­ten Stock, wo ich den Vor­fall der Vize­de­ka­nin Hele­ne Rief­en­tha­ler berich­te­te. Die­se rief sofort den Sicher­heits­dienst an. Dar­auf­hin kam der Lei­ter des Sicher­heits­diens­tes gemein­sam mit Frau Elke W., mit denen ich eben­falls den Vor­fall besprach. Bei­de reagier­ten äußerst ver­ständ­nis­voll und Herr D., der Lei­ter des Sicher­heits­diens­tes, schlug auch vor, bei den nächs­ten Ter­mi­nen mei­ner VL auf jeden Fall eine Per­son des Sicher­heits­diens­tes im NIG bereit­zu­stel­len. Er ver­si­cher­te mir, dass ich bei einer neu­er­li­chen Stör­ak­ti­on vom Haus­recht Gebrauch machen kön­ne und die Stö­rer vom Sicher­heits­dienst ent­fer­nen las­sen könne.

Ein Stu­die­ren­der hat im Anschluss an die VL Recher­chen ange­stellt und das Twit­ter-Foto von der Akti­on gefun­den, gepos­tet von einem FPÖ-Gemein­de­rat (und Mit­glied einer Bur­schen­schaft), der an der Akti­on betei­ligt war. Auch die Namen wei­te­rer Betei­lig­ter hat die­ser Stu­dent her­aus­ge­fun­den. Ich habe die­se natür­lich an Herrn Dagott weitergeleitet.

Ich ste­he immer noch unter Schock, weil ich die Situa­ti­on nicht anders denn als Ein­schüch­te­rungs­ver­such betrach­ten kann. Zwar hat sich die­ser offen­sicht­lich nicht gegen mich per­sön­lich gerich­tet, doch den­ke ich, dass man davon aus­ge­hen muss, dass sol­che Stör­ver­su­che in Zukunft wie­der statt­fin­den werden.

Ich hof­fe, dass man dage­gen geschlos­sen auf­tre­ten kann.
Grü­ße Klaus Neundlinger