Slowakei : Großer Erfolg für Rechtsextreme und Neonazis

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14 von 150 Man­da­ten erziel­te bei den slo­wa­ki­schen Par­la­ments­wah­len die Par­tei Kot­le­ba –Volks­par­tei Unse­re Slo­wa­kei. Rund 8 Pro­zent der Wäh­le­rIn­nen haben am Sams­tag, 5.3. für die­se Par­tei gestimmt, die mit den Attri­bu­ten ultra­na­tio­na­lis­tisch und extre­mis­tisch, die ihr Wiki­pe­dia zuord­net, sehr zurück­hal­tend beschrie­ben ist. Am Mon­tag demons­trier­ten meh­re­re Tau­send Men­schen in Bra­tis­la­va gegen die Kot­le­ba-Par­tei mit Schil­dern mit durch­ge­stri­che­nen Hakenkreuzen.

Im Wahl­kampf zu den Par­la­ments­wah­len über­bo­ten sich die meis­ten Par­tei­en gegen­sei­tig an Frem­den­feind­lich­keit. Richard Sulik, des­sen Par­tei „Frei­heit und Soli­da­ri­tät“ noch immer als „libe­ral“ gehan­delt wird, obwohl sie in wesent­li­chen Punk­ten aggres­siv neo­li­be­ral ist, fiel zuletzt am Tag nach der Wahl durch sei­nen Auf­tritt in der Talk-Show „Anne Will“ mit dem wider­li­chen Spruch über Flücht­lin­ge „Man muss ja nicht gleich alle umbrin­gen“ (aber Gewalt anwen­den) auf. Sei­ne Par­tei ist jetzt die zweit­stärks­te mit 12 Pro­zent und hat sich verdoppelt.

Auf der rech­ten Sei­te des Par­tei­en­spek­trums haben sich etli­che Par­tei­en gegen­sei­tig kan­ni­ba­li­siert. „Abge­se­hen von den Extre­mis­ten sind die rech­ten Stim­men nun auf sechs Par­la­ments­par­tei­en ver­teilt. Wir haben also ein erns­tes Pro­blem“, ana­ly­sier­te der slo­wa­ki­sche Poli­tio­lo­ge Alex­an­der Dule­ba im „Stan­dard“ das Wahl­er­geb­nis. In sei­ner Betrach­tung ist nur eines falsch: es sind zumin­dest zwei der ins­ge­samt acht im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en rechtsextrem.

Der Wahl­kampf der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Regie­rungs­par­tei Smer von Robert Fico, die stark ver­lo­ren hat (von 44 auf 28 Pro­zent), wur­de in ers­ter Linie gegen die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen geführt. Die tat­säch­li­chen Pro­ble­me des Lan­des blie­ben damit weit­ge­hend aus­ge­blen­det: Kor­rup­ti­on und Kli­en­te­lis­mus, Miss­stän­de im bil­dungs- und Gesund­heits­we­sen, star­ke sozia­le Unter­schie­de zwi­schen den Regio­nen und eine Roma-Mino­ri­tät, die von jeder Ent­wick­lung aus­ge­sperrt bleibt. Die Wäh­le­rIn­nen hono­rier­ten den Rechts­ruck der Sozi­al­de­mo­kra­ten nicht, son­dern gin­gen gleich zu offen rechts­extre­men und rech­ten Parteien.

In der Slo­wa­kei gibt es weder Flücht­lin­ge noch Mus­li­me und den­noch fürch­te­te sich die über­wie­gen­de Mehr­heit so vor ihnen, als ob sie das Land über­rol­len wür­den. Kot­le­ba, der 2013 in einer der ärms­ten Regio­nen der Slo­wa­kei zum Regio­nal­prä­si­den­ten gewählt wur­de, hat für alle die­se Pro­ble­me eine ein­fa­che Lösung: Aus­län­der, Flücht­lin­ge, Mus­li­me und Roma raus. Der Par­tei­chef, der sich bis vor kur­zem immer in einer Uni­form zeig­te, die sich an der faschis­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen und pro­na­zis­ti­schen Hlin­ka-Gar­de ori­en­tier­te, trägt mitt­ler­wei­le Schnürl­samt – braun natürlich.


Kot­le­ba in Uni­form und Schnürlsamt
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Nach der Wahl hielt sich Kot­le­ba, der sich auch ger­ne als „Füh­rer“ anre­den lässt, vor­nehm zurück, bedank­te sich nur auf der Inter­net­sei­te sei­ner Par­tei bei „all jenen Wäh­lern, die sich nicht von der Lügen­pres­se beein­flus­sen lie­ßen“ (Die Pres­se, 7.3.2016). Dafür durf­te sein Stell­ver­tre­ter erklä­ren: „Unse­re Par­tei will in ers­ter Linie Gott dan­ken, ohne des­sen Hil­fe wir die­sen Wahl­er­folg nicht geschafft hät­ten“ (Die Pres­se). Für BBC, um eine unver­däch­ti­ge Quel­le zu zitie­ren, han­delt es sich bei der Kot­le­ba-Par­tei nicht bloß um eine rechts­extre­me Par­tei wie den Front Natio­nal, son­dern um eine Nazi-Par­tei.

Wäh­rend die Kot­le­ba-Par­tei von 1,6 auf 8 Pro­zent zunahm und damit den Sprung ins Par­la­ment locker schaff­te, konn­te sich die „alte“ rechts­extre­me Par­tei SNS (Slo­wa­ki­sche Natio­nal­par­tei), die zuletzt bis 2010 mit den Smer-Sozi­al­de­mo­kra­ten eine Regie­rungs­ko­ali­ti­on bil­de­te, „nur“ ver­dop­peln: von 4,3 auf 8,6 Pro­zent. Die SNS, eine offen ras­sis­ti­sche, anti­zi­ga­nis­ti­sche und anti­unga­ri­sche Par­tei; hat 2011 mit der FPÖ ein Part­ner­schafts­ab­kom­men unter­zeich­net, dem der prak­ti­sche Erfolg- eine gemein­sa­me Frak­ti­on im Euro­päi­schen Par­la­ment (EP) – bis­her ver­sagt blieb, weil die SNS den Ein­zug ins EP nicht schaffte.

Kata­stro­phal war das Abschnei­den für die christ­lich ori­en­tier­ten kon­ser­va­ti­ven Rechts­par­tei­en SDKU und die KDH, die- bei­de frü­he­re Regie­rungs­par­tei­en — nicht mehr im Par­la­ment ver­tre­ten sind Ab Juli über­nimmt die Slo­wa­kei die EU-Rats­prä­si­dent­schaft für ein hal­bes Jahr. Es wird damit gerech­net, dass spä­tes­tens nach dem Ende der Vor­sitz­pe­ri­ode neu­er­lich Wah­len statt­fin­den werden.