KZ, SS und Identitäre

Ist es denkbar, dass sich ein erwachsener Mensch die Silhouette eines KZs auf den Rücken tätowieren lässt? Dass eine Nazi-Gruppe dem Leiter der Gedenkstätte Buchenwald dafür Dank ausspricht, dass das KZ so gut erhalten ist, dass es bald wieder verwendet werden kann? Eine Stellenausschreibung auf Facebook, bei der Kameraden für die Wiedereröffnung des KZ Buchenwald gesucht werden? Eine österreichische FB-Seite, die sich „Heimat Oberstgruppenführer“ nennt?

All das ist nicht bloß denkbar, es hat auch so stattgefunden. Die einzelnen Ereignisse stammen alle aus den letzten Tagen. Der „Spiegel“ (Nr. 49/2015) berichtet über den Brief einer Gruppe, die sich „Der Nationale Widerstand“ nennt und sich beim Leiter der Gedenkstätte Buchenwald zynisch dafür bedankt, dass „dank Ihrer Weitsicht (…) alles erhalten geblieben (ist) und in einem guten Zustand“. Schließlich brauche man die Lager bald wieder, um „Islamisten, Salafisten, IS-Heimkehrer, Gewohnheitsverbrecher, ausländische Diebesbanden, Mörder, Dealer, Zuhälter, Vergewaltiger, Kinderschänder u. a.“ neutralisieren zu können.

Die deutsche Tageszeitung „Potsdamer Neueste Nachrichten“ (PNN) hat den Fall jenes Brandenburger Neonazi recherchiert, der am vergangenen Samstag im Hallenbad von Oranienburg über seiner Badehose nicht nur einen Fettring zur Schau trug, sondern auch ein Tattoo mit der Silhouette eines KZ und der Inschrift „Jedem das Seine“, dem Motto des KZ Buchenwald. „Bild“ berichtete über das Tattoo, aber nicht über dessen Träger. Ziemlich sicher ein NPD-Funktionär, der auch nicht zum ersten Mal mit seinem Tattoo aufgefallen ist, fand die PNN heraus. Erschreckend die Reaktionen im Bad: “ …am schlimmsten fand ich, dass kein anderer Badegast Anstoß an dem antisemitischen Tattoo genommen hatte“ .

„Standard.at“ berichtet am 29.11. über die „Stellenausschreibung“, mit der ein deutscher FB-User „treue deutsche Kameraden“ für die „Wiedereröffnung von Buchenwald“ werben wollte. Facebook verweigerte eine Löschung des widerlichen, gegen Strafbestimmungen verstoßenden Postings, weil sie – so Facebook – „aus unserer Sicht nicht gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstößt“.

Im gleichen Beitrag wird auch erwähnt, dass der Pressesprecher der Caritas Wien, Klaus Schwertner, einen FB-Nutzer mit dem Namen „Heimat Oberstgruppenführer“ an Facebook gemeldet und die Antwort erhalten habe, dass das “nicht gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstößt“.

Um das deutlich zu machen: der Titel „Oberstgruppenführer“ war der Mördertruppe SS vorbehalten und dort der höchste Rang unter dem „Reichsführer SS“ Himmler, den insgesamt vier Nazis erhielten. Facebook hat- fast erwartungsgemäß – mit einer skandalös dummen Antwort reagiert.

Ein Klick auf die FB-Seite “Heimat Oberstgruppenfuehrer“ zeigt, dass es sich um eine Person handelt, die einschlägig bewandt ist. Das Coverfoto zeigt vermutlich SS-Einheiten, die – feuernd – auf einen Stadel, ein Holzgebäude, losstürmen. Da wurde vermutlich gerade ein Kriegsverbrechen begangen. Übertitelt ist das Bild mit „Refugees not welcome in Austria !!!“. Darunter das Logo der Identitären Bewegung Österreich mit der Inschrift „Komm zu uns- wir sind die Guten“.

Da braucht es keine Übersetzung mehr. Das sind neonazistische Vernichtungswünsche – unverschlüsselt. Das ist NS Wiederbetätigung. In Fällen wie diesem ist eine – formlose – Meldung an die Meldestelle für Wiederbetätigung [email protected] noch immer sinnvoller als eine an Facebook: am besten einen Screenshot von der Seite machen, die FB-Adresse der Seite/des Profils dazukopieren, ab geht die Mail (gut wär’s, auch Stopptdierechten via BCC zu informieren) !