Identitäre Hetze

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Auf einem WC der Berufs­schu­le in der Gold­schlag­gas­se wur­de am Mon­tag ein mit Rasier­klin­gen prä­pa­rier­ter Sti­cker der Iden­ti­tä­ren ent­deckt. Eine Suche ergab, dass in dem Schul­ge­bäu­de noch wei­te­re — nicht prä­pa­rier­te- Sti­cker der Iden­ti­tä­ren ange­bracht waren. Mar­tin Sell­ner, der von den Neo­na­zis zu den Iden­ti­tä­ren kon­ver­tier­te Spre­cher, durf­te dann etwas kurz­at­mig, aber öffent­lich erklä­ren, dass er den prä­pa­rier­ten Sti­cker für eine „Fal­se Flag“-Aktion halte.

Mit der öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit für Aktio­nen der rechts­extre­men Iden­ti­tä­ren klapp­te es in letz­ter Zeit nicht so rich­tig. Ihre von den US-Neo­na­zis und ‑rechts­extre­men abge­schau­ten Aktio­nen zur „Grenz­si­che­rung“ fin­den trotz diver­ser aggres­si­ver Pro­vo­ka­tio­nen nicht die erhoff­te öffent­li­che Reso­nanz. Wer braucht schon Iden­ti­tä­re, die sich nur mehr fürch­ten – vor den „Flu­ten“, vor der „Isla­mi­sie­rung“, vor einem „Ter­ror-Import“, vor einem „gro­ßen Aus­tausch“? Wozu zum Schmiedl gehen, wenn der Schmied FPÖ sein Hand­werk, Angst machen und ordent­lich het­zen, wesent­lich bes­ser beherrscht?

In ihren Stel­lung­nah­men zu der heim­tü­cki­schen Rasier­klin­gen-Akti­on behaup­ten die Iden­ti­tä­ren, dass Ende Sep­tem­ber „in meh­re­ren Tei­len Wiens lin­ke Auf­kle­ber auf­tauch­ten“, die mit Rasier­klin­gen ver­se­hen waren. Um das zu „doku­men­tie­ren“, wird ein “Sti­cker“ mit prä­pa­rier­ter Rasier­klin­ge und sti­li­sier­tem Sell­ner-Por­trät gezeigt. Wer soll einen sol­chen Sti­cker in Umlauf gebracht haben?


Mar­tin Sell­ner 2008 beim Geden­ken für die Nazi-Iko­ne und ‑Flie­ger Wal­ter Nowot­ny. Damals noch in den Rei­hen von Gott­fried Küs­sel und Felix B., die Ver­ant­wort­li­chen der neo­na­zis­ti­schen Web­site „Alpen-Donau.info”
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Wir haben recher­chiert: natür­lich gab es kei­ne prä­pa­rier­ten „lin­ken“ Auf­kle­ber – die Iden­ti­tä­ren kön­nen ja nicht ein­mal einen ein­zi­gen zei­gen! In Öster­reich war das hin­ter­fot­zi­ge Geschäft mit Rasier­klin­gen bis­lang Hun­de­fein­den vor­be­hal­ten, die der­ma­ßen prä­pa­rier­te Köder aus­ge­legt haben. Gut doku­men­tiert ist aller­dings eine Akti­on von Islam­has­sern in Würz­burg (Bay­ern), wo Anfang Sep­tem­ber etli­che Sti­cker – mit dem Slo­gan „Gib Islam kei­ne Chan­ce“ und mit Rasier­klin­gen prä­pa­riert ‑ent­deckt wurden.

In ihrer schrift­li­chen Stel­lung­nah­me zu der Akti­on mit den prä­pa­rier­ten Rasier­klin­gen wei­sen die Iden­ti­tä­ren jeden Ver­dacht von sich („das ist nicht unser poli­ti­scher Stil“),gehen dann aber zu einem Angriff über, der den logi­schen und nahe­lie­gen­den Grund­ver­dacht , dass es sich bei der Rasier­klin­gen-Akti­on um eine rechts­extre­me Akti­on gehan­delt hat, nur wei­ter ver­stärkt. Sie behaup­ten nämlich:

„Regel­mä­ßig fin­den in Öster­reich Brand­an­schlä­ge und Nazischmie­re­rei­en statt, die sich nach­her als lin­ke „Fal­se flag”-Aktionen her­aus­stel­len“.

Wir müs­sen uns kor­ri­gie­ren: die Iden­ti­tä­ren sind nicht nur Angst­ha­sen, son­dern stren­gen sich auch beim Het­zen mäch­tig an!

„Fal­se Flag“-Aktionen sind übri­gens fast aus­schließ­lich ein Instru­ment der extre­men Rech­ten bzw. von Staa­ten, wie der Wiki­pe­dia-Ein­trag dazu offen­legt. Aber wer weiß, viel­leicht bie­ten die Iden­ti­tä­ren auch noch eine neue Erklä­rung zum 11. Sep­tem­ber 2001 an!